Diverses Die Neustarts der Woche

In den Kinos laufen unter anderem die Filme "Ein gutes Herz", "Au Revoir Taipeh", "Cyrus" und "Fair Game" an. impulse.de war für Sie im Kino und präsentiert die Trailer.

 

Ein gutes Herz

Anzeige

Der eine katapultiert sich Kette rauchend mit kaum unterdrückbarer Rage und Misanthropie von einem Herzinfarkt in den nächsten. Der andere erduldet kraftlos sein junges Leben auf der Straße und unter den Brücken von New York. Mit dem Treffen der geretteten Outsider im Krankenhaus fallen die Würfel des Schicksals. Der Wirt und Kaffee-Experte Jacques (implodierend explosiv Brian Cox) beschließt, den Obdachlosen Lucas (Paul Dano) als Nachfolger für seine von männlicher Lebensflucht geschwängerte Kneipe einzusetzen.

In der Tradition von Kaurismäki und Jarmusch setzt der isländische Regisseur Dagur Kàri in diesem in bräunlichen Tönen gehaltenen Kammerspiel die Facetten männlichen Einsamkeitsgebarens ebenso komisch wie ergreifend in Szene. Meister und Lehrling reiben sich aneinander und wachsen gemeinsam in neue, lebenswerte Identitäten. Kari spendiert in seinem melancholischen Film zwar ein Feuerwerk, doch nur einem der Helden ein Happy End.

Von Elke Eich

Ein gutes Herz
Island, 2009
Länge: 95 Min.
Regie: Dagur Kari
Darsteller: Brian Cox, Paul Dano, Isild Le Besco
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Au Revoir Taipeh

Was Paris für die westliche Welt, das ist Taipeh, die Hauptstadt Taiwans, für den Fernen Osten: die Stadt der Liebe. Ist das nur ein Touristenklischee? Dieser Frage geht der taiwanisch-amerikanische Spielfilmdebütant Arvin Chen mit ausgebufftem Charme nach.

Die Geschichte beginnt mit einer Träne im Knopfloch: Kai lebt in Taipeh und sehnt sich nach seiner Freundin in Paris. Wann immer der Sohn von Betreibern eines Nudelrestaurants Zeit hat, lernt er im Buchladen Französisch. Kleingangster Bao bietet dem Liebeskranken Geld für einen Trip an die Seine. Dafür soll der junge Mann einen zwielichtigen Kurierdienst übernehmen.

Regisseur Arvin Chen porträtiert Taiwan als Stadt flirrender Geheimnisse. In einem reizvollen Spiel von Licht und Schatten entwirft er ein verführerisch-schönes Postkartenpanorama. So macht ein kluger Mix von Nachdenklichem und Schrillem „Au Revoir Taipeh“ zu einem überaus komödiantischen Krimi, der auch Romantiker bestens bedient.

Von Peter Claus, dpa

Au Revoir Taipeh
Deutschland, USA, Taiwan 2010
Länge: 85 Min.
Regie: Arvin Chen
Darsteller: Jack Yao, Frankie Gao
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Cyrus

Das Regieduo Jay und Mark Duplass nutzt eine Lovestory mit Widerhaken, um vergnüglich und hintersinnig über das viel gepriesene Ideal von der Familie als Garant der bürgerlichen Gesellschaft nachzudenken. Dabei ist die Story auf den ersten Blick recht simpel: Mittvierziger John (John C. Reilly) verguckt sich in die etwa gleichaltrige Molly. Aus dem Flirt wird Liebe. Doch Cyrus, Mollys etwa 25-jähriger Sohn, der es sich gemütlich bei Mama eingerichtet hat, hintertreibt die Glückssuche des Paares mit allen möglichen und vor allem unmöglichen Tricks.

Trotz einiger Klamaukmomente überwiegen die leisen Töne. Alle Charaktere werden mit ihren Ecken und Kanten gezeichnet. Hochkarätige Darsteller sorgen mit ihrem Können für psychologische Tiefe. Das Besondere daran: Die Schauspieler hatten die Freiheit für häufige Improvisationen. Kein Wunder, dass viele Dialoge tatsächlich wirken, als kämen sie direkt aus dem Leben.

Von Peter Claus, dpa

Cyrus
USA 2010
Länge: 93 Min.
Regie: Jay und Mark Duplass
Darsteller: John C. Reilly, Marisa Tomei, Jonah Hill
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Fair Game

Diese Story ist wirklich passiert. Als „Plamegate“ erschütterte sie 2003 die amerikanische Öffentlichkeit: Kurz vor dem Bombardement von Bagdad hatten CIA-Agentin Valerie Plame und ihr Mann, Ex-Botschafter Joseph C. Wilson, herausgefunden, was die Rechtfertigung ihres Präsidenten als Unwahrheit entlarven sollte: dass nämlich Iraks Diktator Saddam Hussein keinesfalls, wie George W. Bush behauptete, über Atomwaffen verfügte. Wilson verbreitete seine Erkenntnisse in einem Zeitungsartikel. Daraufhin ließ die Regierung Plames Identität auffliegen – Ehre, Ehe und Leben des Ehepaars gerieten unter Beschuss.

Aus dem Material hat Regisseur Doug Liman seinen soliden, sehr präzisen und dabei hoch patriotischen Mainstream-Thriller geformt. Spektakulär wirkt das Werk nur durch die Echtheit der Geschichte – und dank der eindrucksvollen Stars Naomi Watts und Sean Penn. Ungemütlich geht es überall zu: graue, sterile Räume mit viel Kunstlicht, austauschbar wirkende Menschen in farblosen Business-Outfits. Bei schnellen Schnitten und von Liman selbst geführten unruhigen Kameras sehen wir Orte, an denen Menschen sich nicht wirklich zu Hause fühlen.

Von Ulrike Cordes, dpa

Fair Game
USA 2010
Länge: 104 Min.
Regie: Doug Liman
Darsteller: Naomi Watts, Sean Penn, Ty Burrell, Bruce McGill, Noah Emmerich, David Denman, Michael Kelly
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...