Diverses Die Standhaften

Risiko, Rückschlag - und am Ende doch Erfolg. Die Aktion "Mutmacher der Nation" belohnt zum dritten Mal ganz außerordentliche Unternehmerkarrieren.

Als die strahlende Welt der New Economy 2001 unterging, stand Dagmar Vogt vor dem Nichts. Sie hatte sich ein Jahr zuvor mit ihrem Ingenieurbüro IB Vogt selbständig gemacht, um Fabriken für die Produk­tion von Photovoltaikanlagen zu planen. Es lief gut an, das Team wuchs auf fünf Mitarbeiter. Doch dann kam der Absturz der Internetwirtschaft.

„Das Interesse an neuen Technologien erlosch schlagartig“, erinnert sich die 42-jährige Ingenieurin. Kunden schwanden ebenso wie Aufträge. „Ich muss da durch“, hieß ihre Devise. Ziel war es, nicht nur die Firma zu retten, sondern auch alle fünf Arbeitsplätze – was ihr Umfeld mit Kopfschütteln quittierte. Dafür brauchte sie sämtliche Ersparnisse auf und setzte sogar ihre private Altersvor­sorge aufs Spiel.

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Heute blickt Dagmar Vogt fast ungläubig auf die Zeit der Entbehrungen zurück. Ihr Mut und Selbstvertrauen zahlten sich aus. IB Vogt ist inzwischen weltweit führend in der Planung von Photovoltaikfabriken, beschäftigt 75 Mitarbeiter und wird 2006 gut sechs Millionen Euro umsetzen.

Wer so beharrlich seinen unternehmerischen Weg geht, ist ein Vorbild. Das befand auch die Jury um Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und kürte Dagmar Vogt zur „Mutmacherin der Nation 2006“. Zum dritten Mal geben die Gemeinschaft der Telefonbuchverleger Das Örtliche, der Verband der deutschen Bürgschaftsbanken und impulse den stillen Helden der deutschen Wirtschaft das Forum, das sie ver­dienen. Ende November wurde Vogt auf einer feierlichen Gala in Berlin mit drei weiteren Preisträgern geehrt.

Der Beifall der rund 400 Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft galt natürlich zuallererst den Siegern. Doch durch das breite Medienecho des Wettbewerbs rücken viele weitere Mutmacher ins Rampenlicht der Öffentlichkeit: 717 Unternehmer reichten in der dritten Runde ihre Lebensgeschichte ein. Die Bewerberzahl seit Bestehen der Ak­tion steigt somit auf mehr als 2700.

Klare ethische Vorstellungen

Bei den diesjährigen Einsendungen entdeckte Schirmherr Wulff jede Menge „Persönlichkeiten, die etwas bewegen, Menschen zum Erfolg führen und ihre eigenen Ideen allen Widerständen zum Trotz beharrlich verfolgen“. Erfreut zeigte er sich auch darüber, wie häufig Unternehmer die Übernahme sozialer Verantwortung als wichtige Motivation nennen. „Klare ethische Vorstellungen gehören zum Wirtschaftsleben untrennbar dazu“, folgert der Ministerpräsident aus den Wettbewerbsergebnissen.

Standhaftigkeit zählt allemal zu den Grundtugenden des deutschen Mittelstands. Die Eheleute Corinna und Reinhold Spicks zeigten dies so eindrucksvoll, dass sie auf dem zweiten Platz im Wettbewerb landeten. Sie betreiben eine Musikschule im rheinischen Dormagen – und 16 Jahre lang ging alles seinen Gang. Doch dann kam der Knall. Ein neuer Nachbar alarmierte wegen vermeintlicher Lärmbelästigung die Behörden. Die Spicks konnten es nicht fassen, als das Umweltamt entschied: Ihre Schule mit 200 Kindern sei „zu laut“.

Die mühsamen Jahre begannen. Ein neuer Standort war zu finden, danach mussten 600.000 Euro für Gebäude und Ausstattung finanziert werden. Es waren schwierige Gespräche, die das Ehepaar mit den Banken führte. Das neue Domizil war noch nicht fertig, als die Baufirma in Konkurs ging. Die Spicks blieben auf 100 000 Euro zusätzlichen Kosten hängen. Doch das Durchhalten hat sich ausgezahlt: Die neue Musikschule hat im Ort noch mehr Strahlkraft als die alte. „Unsere Schülerzahl verdreifachte sich“, erzählt Reinhold Spicks.

Sabine Röser, Beiratsmitglied von Das Örtliche, ist beeindruckt von der Willensstärke vieler Teilnehmer: „Sie zeigen, dass es oft die kleinen Schritte sind, die ein Leben verändern.“ Und Hans-Herbert Strombeck, Vorsitzender des Verbands der Bürgschaftsbanken, bilanziert mit Stolz: „Unsere Mutmacher rufen nicht nach dem Staat, sondern zeigen Eigeninitiative und hohe Risikobereitschaft.“

Für Sebastian Bódis und Falk Wagner aus Radebeul in Sachsen gilt das zweifellos. Ihre Erfolgsgeschichte war der Jury einen von zwei dritten Plätzen wert. Sie zeigt, wie entscheidend der Glaube an sich selbst und an das eigene Geschäftskonzept ist. Die beiden Gründer waren 25 Jahre alt, als sie vor vier Jahren den Gastroservice Gourmetta aus der Taufe hoben – mit einem Kredit von einer Million Euro. Heute ist ihr Firmenname in Sachsen ein Synonym für Essen auf Rädern:
Mit täglich 3.500 gelieferten Mahlzeiten sind sie hier Marktführer.

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Weitere Infos zu den Mutmachern sowie Impressionen der Gala-Veranstaltung in Berlin finden Sie hier >>

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