Diverses Die unbekannten Finanzhelfer

Bürgschaftsbanken springen ein, wenn die Kreditsicherheiten fehlen. Wie Gründer an die Garantien kommen.

Elektroingenieur Jörg Hansen hatte schon einen detaillierten Plan für den Firmenstart in der Tasche, als er vor drei Jahren bei einer Volksbank-Filiale in Bochum vorsprach. Er hatte sein Geschäftsmodell für ein Test- und Prüflabor skizziert, die Konkurrenzsituation beschrieben, den Personaleinsatz, die Investitionen und Wachstumschancen kalkuliert. Dass Hansen wusste, wovon er sprach, war offensichtlich: 15 Jahre hatte er bereits als Angestellter in der Branche verbracht. Die Argumente überzeugten auch seine Bank – und doch bereitete ihr der Gründer Probleme: Für einen Kredit von rund einer Million Euro, wie ihn Hansen zum Start brauchen würde, fehlte es an ausreichenden Sicherheiten.

„Die Bank war sehr vorsichtig“, erinnert sich Hansen. Ende 2004 konnte die Akuvib GmbH dennoch den Geschäftsbetrieb aufnehmen. Und das verdankt der Gründer der nordrhein-westfälischen Bürgschaftsbank, die eine weitgehende Ausfallgarantie für den Millionenkredit übernahm: Könnte Hansen nicht mehr zahlen, stünde das Institut aus Neuss für einen Großteil des Darlehens ein.

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Diese zumeist in einem Bundesland tätigen Bürgschaftsbanken sind Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft, oft getragen von Kammern, Banken oder Versicherungen. Sie verbürgen sich gegenüber der Hausbank für einen Großteil der aufgenommenen Kreditsumme und geben folglich auch solchen Gründern eine Chance, ans Geld zu kommen, die nicht über große Sicherheiten verfügen. Wofür die Firma das Geld braucht, spielt dabei keine Rolle.

Antrag über die Hausbank

Normalerweise laufen die Bürgschaftsanträge über die Hausbank. In manchen Bundesländern gibt es für kleinere Summen aber auch die Möglichkeit zu einer Bürgschaft ohne Bank (BoB). Hier prüft zunächst das Bürgschaftsinstitut den Antrag auf eine Ausfallgarantie. Erst danach geht der Gründer mit der vorläufigen Zusage ins Bankgespräch. Drei Monate bleiben die BoB-Papiere gültig – bis dahin muss der Unternehmer eine Bank finden, die das Geschäft mitfinanziert.

Wer mit einer Bürgschaftsbank ins Gespräch kommen will, muss allerdings mit zusätzlichen Kosten rechnen: Je nach Bundesland verlangen die Bürgen für ihre Dienste beim Abschluss zwischen einem und zwei Prozent Gebühr. Zudem fällt eine ähnlich hohe jährliche Provision an. Außerdem brauchen die Firmenchefs Geduld und gute Argumente.

Interessierte Gründer und Jungunternehmer finden die Kontaktdaten der für sie zuständigen Bürgschaftsbank über den Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e.V..

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