Diverses „Die Verträge sind unrentabel“

Axel Kleinlein ist Versicherungsmathematiker und Geschäftsführer der Firma Math Concepts in Berlin. Er arbeitete zuvor sowohl in der Versicherungsbranche als auch für Verbraucherschutzorganisationen.

Herr Kleinlein, Sie sehen
die Rürup-Rente grundsätzlich
sehr kritisch. Warum?

Zunächst ist das Konzept sehr starr. Wer
weiß denn schon, ob er in 10 oder 20 Jahren
die fixen Beiträge immer pünktlich zahlen
kann? Und besonders bei Selbstständigen
kann es wichtig sein, an die Ersparnisse auch
schon vor dem Ruhestand heranzukommen.
Bei einem Rürup-Vertrag geht das aber nicht.
Auch befürchte ich, dass die Renten zu gering
sein werden, um eine angemessene
Verzinsung
auf den Kapitaleinsatz zu erhalten.
Wenn ich aktuelle Angebote durchrechne,
zeigt sich: Die Verträge sind unrentabel.

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Auf welcher Grundlage stellen die
Anbieter die Renten in Aussicht?

Zum einen kalkulieren sie mit einer bestimmten
langfristigen Rendite auf die angelegten
Gelder der Rürup-Sparer. Und
zum anderen unterstellen sie für die Auszahlungsphase
eine bestimmte Lebenserwartung
der Rentenbezieher. Sie gucken also, wie
lange das aufgebaute Kapital reichen
muss und kommen so auf eine Rentenhöhe.

Ihre Berechnungen ergeben, dass
Versicherte mitunter sehr alt werden
müssen, damit sich die Rürup-
Rente überhaupt lohnt. Rechnen
die Versicherer falsch?

Das weiß man erst, wenn alle Kunden tot
sind. Die Versicherer rechnen aber anders
als etwa das Statistische Bundesamt und
kalkulieren als Sicherheitspuffer eine längere
Lebenserwartung ein. Das ist vom Prinzip
her auch richtig. Aber ob es wirklich notwendig
ist, einen Sicherheitspuffer von etwa
zehn Jahren einzuplanen, darüber lässt sich
durchaus streiten.

Wenn die Rürup-Rentner doch überwiegend
früher sterben. Was passiert dann
mit dem übrig gebliebenen Geld?

Diese Mittel fallen als Gewinn an. Ein Viertel
kann sich das Unternehmen einstecken, und
den Rest muss es als Überschussbeteiligung
an die Kunden ausschütten, die noch leben.
Jüngere Generationen können also vom Tod
der älteren profitieren. Das ist aber ein
Phänomen, das alle privaten Renten betrifft
– also zum Beispiel auch Riester-Verträge.

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