Diverses Diskrete Bilanzen

Der Verlag Niederrhein hat lange gekämpft, am Ende jedoch eine wichtige Schlacht für Familienunternehmen verloren. Die Tochtergesellschaft ("NRZ") der WAZ-Mediengruppe in Essen wollte ihre Geschäftszahlen vor der Konkurrenz schützen, der Hamburger Springer-Konzern ("Welt") pochte allerdings auf volle Publizität.

Beendet wurde der Streit jetzt vom Europäischen Gerichtshof (EuGH). Der mittelständische Verlag muss ab sofort seine Jahresabschlüsse mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Lagebericht veröffentlichen (Aktenzeichen C 435/02). „Wir
werden unsere Pflicht erfüllen. Doch
mit schnöden Ergebniszahlen ist eigentlich
niemandem gedient“, tadelt
Geschäftsführer Lutz Glandt die Luxemburger
Richter.

Das Grundsatzurteil trifft zirka
200.000 Unternehmen – alle größeren
Firmen, die in der beliebten
Rechtsform der GmbH & Co KG unterwegs
sind. Sie müssen künftig Farbe
bekennen. Grundsätzlich gilt: Je
stärker die Firma wächst, desto ausführlicher
ist über Ertrags- und Finanzlage
sowie Geschäftsaussichten
zu berichten.

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Diskretion über alles

Die meisten Familienbetriebe verstecken
die Bilanzen bislang jedoch
im Tresor, um sie vor Wettbewerbern
und Geschäftspartnern zu verheimlichen.
„Sie wollen sich auch künftig nicht in die Karten blicken lassen“, sagt Steueranwalt Klaus D. Höfner von der Wirtschaftskanzlei
Peters, Schönberger & Partner in
München. „Nur wenige rechnen sich
Vorteile aus, wenn sie die Bücher
weit öffnen.“ impulse zeigt deshalb,
was auf GmbH & Co KGs zukommt – und welche Abwehrstrategien sie nutzen können.

Mit ihrem Spruch attestieren die
EuGH-Richter, dass die Publizitätspflichten für die GmbH & Co KG im Handelsgesetzbuch mit Europarecht in Einklang stehen. Sie verstoßen
nicht – wie von deutschen Firmen
und ihren Experten immer wieder
argumentiert – gegen die Grundrechte
der Berufs- und Pressefreiheit. Damit
ist ein Schlusspunkt hinter eine
jahrelange Diskussion gesetzt. Höfner:
„Weitere rechtliche Schritte versprechen
keine Aussicht auf Erfolg.“

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 04/2005, Seite 132, nachlesen.

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