Diverses Drei Auferstandene

Es lief alles auf die Insolvenz hin, dann kam jemand und machte aus einem Verlustbringer eine produktive, erfolgreiche Firma. Drei Unternehmen wurden in Berlin mit dem Preis "Turnarounder des Jahres" ausgezeichnet, weil sie aus einer existenziellen Krise auf den Wachstumskurs zurückgefunden haben.

Die Firma Runners Point gehörte KarstadtQuelle und geriet mit dem Konzern ins Trudeln. Das war 2004, und das Management der Mutter entschied, wir verkaufen Runners Point. Selber Schuld. Harald Wittig und Otto Hurler, damals schon Manager der Kette, die Sportschuhe verkauft, übernahmen und machten einiges anders, scheinbar alles besser und ein Jahr später wieder Gewinn: Aus der Verluste produzierenden Tochter wurde eine erfolgreiche Fachhandelskette mit 1200 Mitarbeitern, 151 Filialen im In- und Ausland.

Wittig und Hurler handelten Lieferantenpreise runter, änderten das Warenwirtschaftssystem, sorgten dafür, dass die Lagerumlaufgeschwindigkeit sich um 25 Prozent erhöhte, starteten eine Schulungsoffensive für die Schuhverkäufer, änderten das Entlohnungssystem. Und sie fanden auch eine Private-Equity-Gesellschaft, die einstieg.

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Der Übergang war hart, die beiden schlossen ein paar Filialen, eröffneten dafür, an besseren Stellen, andere. Schon 2005, ein Jahr nach der Trennung von KarstadtQuelle, schrieb Runner’s Point wieder schwarze Zahlen. Und so ging es weiter.

„Im Nachhinein war es gut, dass Karstadt uns loswerden wollte. So konnten wir Runners Point zukunftsfähig machen“, sagt Co-Chef Harald Wittig. Zur Erinnerung: Karstadt befindet sich derzeit im Insolvenzverfahren. Runners Point macht Gewinn und bekam den Preis Turnarounder des Jahres, der bereits zum vierten Mal von impulse und der BDO Deutsche Warentreuhand vergeben wird. In der siebenköpfigen Jury saßen Vertreter der Commerzbank, der BDO Deutsche Warentreuhand, Professoren und impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster.

Griwe Innovative Umformtechnik

„Tiefrote Zahlen und keine Hoffnung auf Neuaufträge“: So schildert Werkleiter Roman Löw die Situation des Automobilzulieferers Griwe Innovative Umformtechnik im Jahr 2003. Der Ex-Ford-Manager krempelte die Ärmel hoch – und die Firma um. Nach dem Vorbild Toyotas führte er bei dem Mittelständler im rheinland-pfälzischen Westerburg die schlanke Fertigung ein – mit Zielvereinbarungssystem, leistungsabhängiger Entlohnung und offener Informationspolitik.

„Durch die volle Transparenz aller Prozesse kann sich heute niemand mehr verstecken“, sagt Geschäftsführer Jan Meyer. Ein wichtiger Schlüssel des Erfolgs war die „Bewusstseinsänderung der Mannschaft“, wie Löw es nennt. Über kontinuierliches Training holte er die Mitarbeiter ins Boot.

Dafür gibt es den Turnarounder des Jahres in der Kategorie 500 bis 1000 Mitarbeiter und Lob von der Jury. „Hier wurde ein Managementkonzept für Konzerne konsequent bei einem Mittelständler umgesetzt – mit dem nötigen Mut und echten Macherqualitäten“, so Hans-Jürgen Kirsch, Professor am Institut für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung der Uni Münster.

Gewinn im einstelligen Millionenbereich

Leicht war der Turnaround keineswegs. Nach der ersten Begeisterung spürte Löw „gewaltige Widerstände“. Seine Antwort: „militärische Disziplin“. Die zahlte sich aus. Mit 30 Prozent weniger Mitarbeitern macht das Werk Westerburg heute 80 Prozent mehr Umsatz als vor fünf Jahren. Der Verlust wurde in Gewinn umgewandelt und liegt heute im einstelligen Millionenbereich. BMW, Ford und Audi konnten als Neukunden gewonnen werden.

Bei vielen Kunden wie Volkswagen gilt Griwe heute als A-Lieferant. Das Geschäft brummt trotz Branchenkrise. Für 2009 wird in Westerburg ein Umsatzplus von sechs Prozent auf 56 Millionen Euro ¬erwartet, 2010 gar ein Anstieg auf 64 Millionen. Abgeschlossen ist der Turnaround dennoch nicht. Nach dem Motto „Heute besser als gestern und morgen besser als heute“ sieht das Management für diesen Weg einen Anfang, aber noch kein Ende.

Orwo Net

Die Vorgängerfirmen Pixelnet und Orwo hatten Insolvenz angemeldet, der Neustart war hart. Zuerst schloss Orwo Net Chef Gerhard Köhler erst einmal unrentable Standorte, trennte sich vom Kameraverkauf und konzentrierte sich auf das Kerngeschäft: Fotodienstleistungen wie Digital- und Leinwandbilder, Fotobücher und Fotokalender. Und es ging wieder hoch.

Zwischen 2004 und 2008 steigerte Orwo Net, Sitz der Firma ist in Bitterfeld-Wolfen, den Umsatz jährlich um mindestens 50 Prozent, macht Gewinn. Die Belegschaft wuchs von 32 auf heute 235 Mitarbeiter. „In jeder Insolvenz steckt eine Chance – und bei Orwo hat das Management diese beispielhaft genutzt“, so Christian Dyckerhoff, Sprecher des Vorstands der BDO Deutsche Warentreuhand in Hamburg.

„Die Kunst bestand darin, sich aus einer sterbenden Industrie wie der Filmherstellung das kleine Stück herauszupicken, das zukunftsfähig ist, und alles darauf zu konzentrieren.“ Das hat Orwo Net gemacht und bekam dafür den Preis Turnarounder in der Kategorie bis 500 Mitarbeiter.

Der Wettbewerb „Turnarounder des Jahres“
findet 2009 zum vierten Mal statt.

1. Das Konzept

Ausgezeichnet werden Mittelständler, die
aus einer ernsten Krise heraus auf den
Wachstumskurs zurückgefunden haben.
Prämiert wird der Aufstieg aus Verlusten,
Verschuldung oder miserabler Wettbewerbsposition.
Von Interesse sind vor
allem
kreative Sanierungskonzepte. „Die
Auszeichnung soll die enormen Leistungen
vieler deutscher Firmen würdigen,
deren Management und Mitarbeiter in
wirtschaftlich schwieriger Lage Arbeitsplätze
erhalten und ihren Unternehmen
eine Zukunft geben“, so Christian Dyckerhoff,
Sprecher des Vorstands der BDO
Deutsche Warentreuhand. Der Preis wird
in drei Kategorien verliehen: Firmen bis
500 Mitarbeiter, über 500 bis 1000 Mitarbeiter
und mehr als 1000 Mitarbeiter.

2. Die Partner

Die BDO Deutsche Warentreuhand AG
in Hamburg gehört zu den größten deutschen
Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
Sie lobt den Preis gemeinsam mit
impulse aus.

3. Die Jury

Zum siebenköpfigen Expertenteam gehören
neben BDO-Vorstandssprecher Christian
Dyckerhoff auch Martin Fischedick,
Bereichsvorstand Corporate Banking
im Segment Mittelstandsbank der Commerzbank
in Frankfurt am Main, impulse-
Chefredakteur Nikolaus Förster, Albrecht
von der Hagen, Hauptgeschäftsführer
von Die Familienunternehmer – ASU,
Burkhard Jung, Vorstand der CMS Sozietät
für Unternehmensberatung in Berlin,
Hans-Jürgen Kirsch, Professor am Institut
für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung
(IRW) der Westfälischen
Wilhelms-
Universität Münster, sowie
Matthias Wittstock, Leiter des Referats
Grundsatzfragen der Mittelstandspolitik
im Bundeswirtschaftsministerium.

4. Die Finalisten

Neben den drei Preisträgern schafften es
auch folgende Firmen in die Schlussrunde:
die PSI AG, ein Anbieter von Softwarelösungen
für die Industrie, die Sektmanufaktur
Schloss Vaux, der Skateboard- und Fashionanbieter Titus GmbH und der Rasierklingenhersteller Wilkinson Sword.

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