Diverses Drive mit Tradition

Manager spielen in Golfclubs. Unternehmer bauen sich ihre eigenen. Der Traum vom privaten Green - am einfachsten verwirklicht man den natürlich als Großgrundbesitzer. Wie Friedrich Herzog von Württemberg.

Es gab eine Warnung: „Vorsicht, er will immer mit ‚Königliche Hoheit‘ angesprochen werden.“ Über 1000 Jahre Familiengeschichte verpflichten halt. Im weißen Polo-Shirt und beigefarbener Hose betritt er das Restaurant des Golfclubs Niederreutin. „Nein“, wehrt der designierte Chef des Hauses Württemberg ab, „Herzog Friedrich reicht aus.“ Per Handschlag begrüßt er den Vizepräsidenten des Golfclubs – dies hier ist sein Terrain.

Auf dem ersten Abschlag zieht der Herzog ein altertümliches Persimon-Holz Nummer 5. Ein paar Luftschwünge mit dem kleinen Holzkopf, dann teet er seinen Ball auf. Ein kurzer Blick über das hohe Rough links, den Bach quer vor ihm – und er schlägt entschlossen ab. Etwas neben dem Fairway, aber in guter Lage, reicht ihm ein Ping Zing Eisen 6 – mit einem stolzen Alter von 14 Jahren. Er verfehlt das Grün nur knapp und schlägt den Ball locker aus dem Sandbunker. Zwei Putts und die Fünf steht – nur ein Schlag über Par.

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„Gar nicht so schlecht“, kommentiert der Herzog zufrieden. „Ich bin dieses Jahr erst zum fünften Mal auf dem Platz.“ Das Blatt wendet sich schnell. Auf der zweiten Bahn geht gar nichts mehr. Kein majestätischer Ballflug, nur noch hoppelnde Bälle. „Mist“, knurrt Herzog Friedrich, „ich war doch extra letzte Woche zweimal auf der Range.“

„Nein“, sagt der 44-Jährige und reckt sich, „mein Vater würde niemals einen Golfschläger in die Hand nehmen.“ Trotzdem wagte Herzog Carl bereits 1982 den Einstieg ins Golf­geschäft. Heute liegen vier Golfplätze auf ehemaligen Ackerflächen der Württembergischen Güter. Und die werfen eine 300 bis 400 Prozent höhere Rendite ab als einst die Landwirtschaft. Das hilft, die stattlichen denkmalgeschützten Gebäude auf den Gütern zu erhalten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite den zweiten Teil der Geschichte.

Am nächsten Par-3-Loch verschwindet der erste Ball zischend hinter dem Gebüsch. Herzog Friedrich nimmt das gelassen – trotz Handicap 28 und 15 Jahren Spielpraxis. Selbst für die Platzpflege bleibt noch ein wenig Zeit – er bückt sich und bessert die Einschläge aus, die Bälle anderer Clubspieler hinterlassen haben. „Als Jugendlicher habe ich lange überlegt, will ich dieses Amt, will ich diese Belastung?“

Friedrichs Großvater zog sich an seinem 80. Geburtstag mit ihm und seinem Vater Carl zurück und verlieh dem damals 13-Jährigen den Hausorden. „Da war mir auf einmal klar, dass diese Verantwortung auch eine Ehre und Verpflichtung ist – ich war bereit“, sagt er und geht zum nächsten Abschlag.

Für seine anderen Passionen Jagd, Segeln und neuerdings auch Helikopter-Fliegen hat Friedrich wenig Zeit. Er führt die 90 Mitarbeiter der Hofkammer – das ist die schon 1649 gegründete Verwaltung des privaten Besitzes. Klassische Bereiche wie Land- und Forstwirtschaft machen nur noch 0,42 Prozent des Umsatzes aus.

Schon etwas stattlicher sind die 0,9 Prozent, die die Golfclubs beisteuern. Beteiligungen an mittelständischen Firmen wie Hartmann, Hersteller von Verbandsmaterial, sowie Wertpapieranlagen stellen weitere 30 Prozent. Der Löwenanteil sind aber Immobiliengeschäfte. Über Höhe von Gewinn und Umsatz spricht man traditionell nicht. Aber jeder weiß: Die Württembergs gehören zu den reichsten Familien im Lande.

Lesen Sie auf der nächsten Seite den dritten Teil der Geschichte.

Zufrieden blickt der Herzog auf sein Land. Ein Grün, fast komplett umgeben von Wasser, und dahinter das Clubhaus im ­res­taurierten Hofgut aus dem 18. Jahrhundert. „Schön, die haben ja meine Standarte gehisst“, bemerkt er da. Über der Clubflagge thront eine kleine gelbe Fahne mit den drei liegenden Hirschstangen des Hauses Württemberg.

Friedrich erzählt vom neuen Ministerpräsidenten Günther Oettinger, der ihn jüngst zu Hause im Friedrichshafener Schloss besuchte. Über Landespolitik reden ja, ein politisches Amt anstreben – da kommt ein klares Nein. Auf dem Grün beginnt es heftig zu regnen und der Herzog macht den Vorschlag, im Clubhaus zu speisen. „Ich bin ein Schönwettergolfer, bei solchem Wetter macht mir das keinen Spaß.“

Im Restaurant begrüßt ihn Manager Reiner Horlacher mit „Königliche Hoheit“. Herzog Friedrich bestellt Pasta mit einer sanften Chili-Sauce. Bei Tisch berichtet er von Revolutionären, die 1918 seinen Vorfahr, den württembergischen König, stürzen wollten. Aber beim Aufmarsch gab es Ärger mit dem Gärtner. Die Revoluzzer durften nicht über den Rasen, sondern mussten die Wege benutzen – was sie auch brav taten. Der König dankte damals enttäuscht ab – sein Sohn und dessen Sohn haben nie auf den Thron verzichtet.

Aus seinem Reise-Humidor in Form einer Riesenpatrone zieht Herzog Friedrich eine Zigarre und antwortet auf die Frage, ob er denn heute gerne König von Württemberg wäre: „Also die Demokratie ist absolut stabil und ich glaube auch an diese Werte“, und lächelnd sagt er: „Unser Wahlspruch war immer ‚furchtlos und treu‘.“

Golfclub Niederreutin im Internet

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