Diverses „Durchs Reden kommen die Leute zusammen“

Firmenchefs sollten für ihre Mitarbeiter bewusst Gelegenheiten zum zwanglosen Informationsaustausch einrichten. "Damit schaffen sie kostengünstig die Basis zum Wissensmanagement", weiss Dr. Christian Freilinger von der Unternehmensberatung kybernetika im österreichischen Leonding aus langer Erfahrung.

Eine Baufirma in einem alten Gebäude. Pro Stockwerk waren auch die verschiedenen Abteilungen untergebracht. Es gab wenig Kontakt zwischen den einzelnen Abteilungen. Das sagt auch der Begriff Abteilung: Ich teile ab.

Man veranstaltete also einen Workshop, in dem es um Kommunikation zwischen den Abteilungen ging. Dort wurde der Vorschlag gemacht, man solle doch einen Raum einrichten, wo die Leute gemeinsam Kaffee trinken können.

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Das hat dann ein Vorstandsmitglied in den falschen Hals bekommen und gesagt: „Das soll das Ergebnis dieses Workshops sein? Ich bin enttäuscht, ich bin empört darüber.“ Falsch gedacht. Man sollte jede Gelegenheit zur Kommunikation nutzen und schaffen.

Beispiel Kaffee- oder Teeecken: Da stellt man eine Warmhaltekanne Kaffee und Tee hin, da können sich die Leute bedienen. Das ist praktisch ein Marktplatz für den Austausch von Informationen.

Beispiel Freizeitaktivitäten. Dass man sagt: Wir treffen uns einmal zu einer Kegelrunde. Das ist kein Sozialklimbim. Über was reden die Leute, wenn sie aus einer Firma zusammenkommen? Sie reden über die Firma.

Beispiel gemeinsamer Mittagstisch. Eine Versicherungsgesellschaft hat eine Kantine. Der Raum ist zwar nicht besonders schön, das Essen ist auch nicht besonders – aber trotzdem. Dann hat der Betriebsrat verlangt, man solle Essensmarken ausgeben. Und dann könnten die Mitarbeiter eben in den lokalen Gaststätten essen.

Was passiert aber dann? Die Leute gehen abteilungsweise. Die einen in die eine Gastwirtschaft, die anderen in die andere. Und kochen wieder nur im eigenen Saft. Während zu erwarten ist, dass, wenn man eine gemeinsame Kantine hat, einer aus der Abteilung eben am Tisch einer anderen Abteilung sitzt und dass so ein austauschender Redefluss zustande kommt.

Hinderlich ist das Prinzip der „Wissensschrebergärten“. Das ist auf die heutigen Strukturen in den Unternehmen zurückzuführen. Vertrieb, Entwicklung, Produktion arbeiten in eigenen Abteilungen. Jede schaut nur auf ihre eigenen Zuständigkeiten. Was links und rechts passiert, geht niemanden etwas an. Dann unterbleibt natürlich auch der Erfahrungs- oder Wissensaustausch.

Es gibt sogar Vorgesetzte, die sagen: „Ihr könnt mich informieren, aber ja nicht den anderen Bereich“. Das ist der Tod jeder Kommunikation untereinander.

Dabei gilt das alte Sprichwort: Durchs Reden kommen die Leute zusammen. Und dabei wird oft erst klar, wer über welches Wissen verfügt.

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