Diverses E-Bilanz wird auf 2012 verschoben

Bilanzierende Unternehmen müssen ihre Bilanzen erst ab 2012 elektronisch beim Finanzamt einreichen. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat sich diese Woche darauf verständigt, die Einführung der umstrittenen E-Bilanz um ein Jahr zu verschieben.

Das teilte das baden-württembergische Finanzministerium am Donnerstag mit. Grund für die erneute Verschiebung ist die starke Kritik von Unternehmensverbänden an den kurzen Umstellungsfristen.

Ursprünglich war die Einführung der E-Bilanz schon für den Beginn des nächsten Jahres vorgesehen. Doch hatte das Bundesfinanzministerium (BMF) erst Ende August bekanntgegeben, welche Bilanzdaten Unternehmen nach Paragraf 5b des Einkommensteuergesetzes elektronisch übermitteln müssen. Dabei forderte das BMF weit mehr Datensätze ein als eine Bilanz nach dem Handelsgesetzbuch aufweist. In Zukunft müssen mehr als 450 Kennzahlen erhoben werden, bislang gab es maximal 80 Posten. Viele Unternehmen sahen sich laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag außerstande, die entsprechenden IT-Prozesse binnen weniger Wochen umzustellen. „Trotz aller Vorteile, die das neue Verfahren mit sich bringt, sollte es nicht mit der Brechstange eingeführt werden“, sagt der baden-württembergische Finanzminister Willi Stächele. Die Umstellung greife grundlegend in das betriebliche Rechnungswesen ein.

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Geplant ist nun, das E-Bilanz-Projekt 2011 in einer Pilotphase zu testen. Bevor das System in der Fläche eingeführt wird, sollen es zunächst nur ausgewählte Betriebe anwenden. „Dadurch können mögliche Fehlerquellen schon vorab beseitigt werden,“ sagte Stächele. Außerdem spare die E-Bilanz Bürokratiekosten ein und beschleunige das Besteuerungsverfahren.

Steuerexperten sehen das etwas anders. Allein die Umstellung sorge in den 1,35 Millionen betroffenen Firmen für immense Bürokratie. Großunternehmen müssten laut Bundessteuerberaterkammer mit Zusatzkosten in Millionenhöhe rechnen. Die Finanzverwaltung baue mit der E-Bilanz einen riesigen elektronischen Datenpool auf, den sie für spätere Betriebsprüfungen nutzen kann, kritisiert der DIHK. Datenpools hätten es außerdem an sich, Zugriffsbegehrlichkeiten bei anderen Behörden zu wecken.

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