Diverses „Echte Werte statt Charity-Show“

Spätestens seit Beginn der Krise wird das Thema Ethik in Unternehmen wieder groß geschrieben. Auch Mittelständler ziehen bei dem Trend mit. Doch was sie oft vergessen: Betriebe brauchen keine Hochglanzbroschüren über CSR-Projekte, hier muss der Chef selbst ran.

Bald jede
Woche gibt es neue Enthüllungsskandale. Spätestens
seit Börsenmakler Bernard
„Bernie“ Madoff wegen Schneeballbetrugs
im Gefängnis sitzt, werden
Themen wie Unternehmensethik,
Shareholder-
Value und Corporate
Social Responsibility (CSR) intensiv
diskutiert. Und es wird sogar gehandelt:
Unternehmen entwickeln
Leitbilder, verkünden Wertechartas
und stellen CSR-Beauftragte ein.

Auch Mittelständler folgen diesem Trend,
allerdings häufig ohne Verbindung zur
Strategie und zur gewachsenen Unternehmenskultur.
Das Thema Ethik wird
einfach delegiert – meist an die Personalabteilung.
Mit der wirklichen Unternehmenssteuerung
haben die Bemühungen
nichts zu tun.
Doch werteorientierte Unternehmensführung
muss vom Chef ausgehen. Dazu
gehört die Bewertung von Werten: Was
genau heißt anständig? Wie viel Fremdkapital
ist zuträglich?

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So holte ein mittelständischer
Möbelhersteller gerade
seine Verwaltungsmitarbeiter in das kleinere
und weniger moderne Produktionsgebäude,
verzichtete aber trotz
Krise auf Entlassungen. Obwohl die
Arbeitsverhältnisse beengter sind, beschwerte
sich bislang niemand. Die Mitarbeiter
vertrauen ihrem Chef, sie sind
überzeugt, dass sein Handeln Jobs sichert
und er ihre Arbeitsplatzsituation
verbessern wird, wenn die Umstände
es zulassen.

Das Beispiel zeigt: Unternehmen
brauchen keine Hochglanzbroschüren
über CSR-Projekte, sondern
eine gewachsene Wertekultur, die
klarmacht: „Wir gehen anständig
miteinander um, auch
wenn es hart auf hart
kommt.“

Familienunternehmen
sind hier im Vorteil,
ihre Wertekultur ist oft
über Generationen gewachsen
und entsprechend stabil. Viele
Familienbetriebe spielen diesen Trumpf
jedoch gar nicht richtig aus. Was wirklich
gelebt wird, kann doch überzeugend
kommuniziert werden, nach innen und
nach außen. Und der Wert der Werteorientierung
wächst.

So wie wir
gelernt haben, Umweltschutz als
Dimension des unternehmerischen
Handelns ernst zu nehmen, so werden
künftig diejenigen Firmen Vorteile
erringen, die sich für eine bewusste
Steuerung und Entwicklung
ihrer Wertelandschaft entscheiden.
Bereits heute zeichnet
sich ab, dass Verbraucher
stärker darauf achten, wie
glaubwürdig ein Unternehmen
ist. Deshalb sollte jedes
CSR-Projekt zum Markenkern
und zur Strategie
des Unternehmens
passen.
Denn Kunden
und
Mitarbeiter
merken
genau, ob
hier echte Werte gelebt
werden oder nur
eine Charity-Show
abläuft.

Ulrich Hemel ist Theologe, Unternehmensberater und Direktor des Instituts für Sozialstrategie.

Aus der impulse-Heftausgabe 10/2009, Erscheinungstermin 24.09.2009

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