Diverses „Ein falsches und fatales Signal“

Prof. Recep Keskin: "Deutschland ist ein multikulturelles Land"

Prof. Recep Keskin: "Deutschland ist ein multikulturelles Land"

Den Unternehmer Recep Keskin erinnert der CDU-Vorstoß, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern, an die leidige Leitkultur-Debatte vergangener Jahre. Was ihn an dieser Idee stört, erklärt der türkischstämmige Firmenchef im Gespräch mit impulse.

Wie wirkt auf Sie als türkischstämmiger Unternehmer in Deutschland der Vorstoß der CDU, der deutschen Sprache Verfassungsrang zu geben?
Prof. Recep Keskin: Es ist ein falsches und fatales Signal. Wir leben in einer vielsprachigen Welt; Deutschland ist ein multikulturelles Land; in der Europäischen Union stellen wir uns darauf ein, dass alles mehrsprachig ist. Da wäre es eine Wendung um 180 Grad, wenn Deutschland auf einmal so deutlich sagt, deutsch ist die Amtssprache.

Welche Wirkung könnte ein solcher Schritt auf Unternehmer beispielsweise in der Türkei haben, die Beziehungen zu Deutschland haben?
Sicherlich völliges Unverständnis, nicht nur in der Türkei. Viele würden wieder sagen: typisch deutsch. Und viele würden an die Debatte um die deutsche Leitkultur erinnert werden, die Deutschland 2005 großen Schaden zugefügt hat.

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Wie sieht die Praxis in den Betrieben aus? Wären dort vielleicht klare Sprachregelungen erforderlich?
In den Betrieben ist es doch längst Praxis, dass mehrere Sprachen nebeneinander gesprochen werden. Arbeitsanweisungen oder Hausordnungen sind schon ganz häufig zwei- oder dreisprachig abgefasst. Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Erlernen der deutschen Sprache hat für die politische, gesellschaftliche und ökonomische Integration der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund eine zentrale Bedeutung.

Hat die jetzt begonnene Debatte Auswirkungen um die Diskussion um das Thema Integration?
Die nun mit dem CDU-Grundsatzbeschluss entfachte Diskussion, empfinden wir im Hinblick auf das Zukunftsthema „Migration und Integration“ nicht als förderlich, eher kontraproduktiv. Eine solche Diskussion schafft Unruhe und Unsicherheit unter den in Deutschland lebenden Migranten und Migrantinnen, weil sehr schwer nachvollziehbar ist, was damit bezweckt wird – und was eine mögliche Änderung des Grundgesetzes für den Arbeitsalltag bedeuten würde. Außerdem widerspricht dies allen Bemühungen, Zuwanderer nach Deutschland zu holen. Wir sind auf Zuwanderer angewiesen; deswegen wirbt Nordrhein-Westfalen beispielsweise um Migranten. Derartige Bemühungen werden durch die jetzige Diskussion konterkariert.

Zur Person
Prof. Recep Keskin ist der Chef der Betonfertigteilwerke MARK GmbH in Gevelsberg. Darüber hinaus sitzt der 59-Jährige dem Verband türkischer Unternehmer und Industrieller in Europa (ATIAD) vor.

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