Diverses Ein Lingener Erfolgsmodell

Staatliche Zuschüsse - unnötig. Mindestlöhne - überflüssig. Dass sich Langzeitarbeitslose viel unkomlizierter und preiswerter wieder in den ersten Arbeitsmarkt integrieren lassen, beweisen vier Unternehmer aus Lingen im Emsland.

Ohne die Hilfe teurer Beschäftigungsgesellschaften haben es die vier Lingener Firmenchefs geschafft, seit April mehr als 100 Langzeitarbeitslosen dauerhaft einen Job zu vermitteln. Dafür haben die „Bessermacher“ kurzer Hand eine Unternehmensgruppe gegründet, die Geld verdient. Ein Porträt.

Die Gründer:

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Dieter Barlage, Air System Barlage (Sondermaschinenbau)

Heinz Gehring, Gehring & Partner (Wirtschaftsprüfer und Steuerberater)

Dr. Andreas Mainka, Bauunternehmung August Mainka

Horst Reinkemeier, Brüggershemke & Reinkemeier (Büromaterial-Handel)

Die Konstruktion:

Die vier Mittelständler (Gesamtumsatz mehr als 200 Mio. Euro, insgesamt rund 700 Beschäftigte) haben für ihr gemeinsames Unternehmen eine klassische Konzernstruktur gewählt.

Unter dem Dach der von allen vier getragenen IHP-GmbH als Holding wurden vier Gesellschaften als operative Unternehmen gegründet. Deren Gesellschaftsanteile werden zu 60 Prozent von der IHP GmbH und zu 40 Prozent von jeweils einer Firma der vier Gründer gehalten.

Die IHP Bau-, Projekt und Facality-Management GmbH (Gesellschafter Mainka) hat ihre Arbeit im Bereich Handwerk und Gebäudesanierung bereits aufgenommen.

In Vorbereitung befinden sich:

IHP Consulting GmbH (Gesellschafter Gehring) für Personalwirtschaft und kaufmännische Dienstleistungen;

IHP Maintenance GmbH (Gesellschafter Barlage) für Instandhaltung in Industrieprozessen;

IHP Logistik, Materialwirtschaft & Handel GmbH (Gesellschafter Reinkemeier).

Durch diese Konstruktion wollen die Gründer ihre unternehmerische Verantwortung demonstrieren, in dem sie selbst ins Risiko gehen, und zugleich ihre spezifischen Marktkenntnisse für den jeweiligen IHP-Geschäftsbereich nutzbar machen.

Die Marktposition:

Auf der Suche nach lukrativen Geschäften sollen die IHP-Firmen allerdings alteingesessenen Unternehmen, insbesondere Handwerkern und Kleinbetrieben, im Emsland nicht ins Gehege kommen. Die vier Firmen übernehmen in erster Linie Aufträge von Großkunden, die für klassischen Handwerker nicht in Frage kommen.

Die Konzentration auf Großkunden wie beispielsweise die BP Raffinerie in Lingen als potenzielle Auftraggeber spiegelt ein wesentliches Ziel der IHP GmbH wider: Sie soll Arbeiten in der Region halten, die sonst deutschlandweit oder sogar international vergeben würden.

Die finanzielle Basis:

Alle IHP-Firmen arbeiten strikt gewinn-orientiert und ohne öffentliche Zuschüsse. Die Qualifizierung und Eingliederung der Langzeitarbeitslosen wird aus den Firmengewinnen bezahlt – die Gewinnentnahme der Gesellschafter ist auf maximal fünf Prozent begrenzt.

Der Tarifvertrag:

Die Gewinndeckelung für die Unternehmer war für die IG Bergbau, Chemie, Energie neben dem Ziel der Arbeitslosen-Integration das entscheidende Signal für den Abschluss eines Haustarifvertrages.

IG BCE-Bezirksleiter Peter Wind nutzte Öffnungsklauseln im allgemeinen Tarif, um finanzielle Spielräume für die IHP zu schaffen und dennoch nicht Arbeitnehmerrechte zu beschneiden. Vier Monate dauerten die Verhandlungen, bis ein für beide Seiten zufrieden stellender Entgeltrahmen feststand, der eine leistungsgerechte Bezahlung und zugleich wettbewerbsgerechte Preise ermöglichen soll. Langzeitarbeitslosen wird aus den Firmengewinnen bezahlt – die Gewinnentnahme der Gesellschafter ist auf maximal fünf Prozent begrenzt.

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