Diverses Ein Stück jüngere Industriegeschichte

Die ersten tragbaren Computer waren kuriose Gesellen: schwer, langsam und mit winzigen Bildschirmen. Und sie trugen Namen, von denen heute kaum noch einer bekannt ist.

Seit dreißig Jahren konkurrieren IT-Unternehmen um die Gunst der Kunden auf dem Markt der tragbaren Computer. Manche Entwicklung mutet heute kurios an, manches Andere waren Ideen mit Zukunft. Nur: Wer hat’s erfunden? Um diese Ehre scheiden sich die Geister. Aber der Reihe nach:

Die ersten tragbaren Computer in Deutschland waren eher unscheinbare Maschinchen und ähnelten eher Taschenrechnern. Bescheiden im Vergleich zu heute waren auch ihre Rechenleistungen. Der Sharp PC-1210, der 1980 auf den deutschen Markt kam, PC steht für Pocket-Computer, war in der Lage, 20 Basic-Befehle auszuführen. Ein Nutzen, der sich nur Spezialisten erschloss. Aber es war ein programmierbarer Rechner. Versierte Anwender konnten die Befehle nicht nur selber umschreiben und variieren, auch eine Erweiterung des Arbeitsspeichers, serienmäßig wurden nur 0.9 Kilobyte RAM eingebaut, war Fachleuten vorbehalten. Die Arbeitsspeicheraufstockung musste mühsam von Hand angelötet werden.

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Trotz der Fachkenntnisse, die nötig waren, um das Können des kleinen Rechners voll zu nutzen, war der PC-1210 sehr beliebt. Er kostete nur 330 DM und war überall erhältlich, sogar das selige Versandhaus Quelle bot ihn an.

Schwergewichte mit Winzbildschirm

Dann ging alles sehr schnell. Es zeigte sich schon früh, dass Weiterentwicklungen im IT-Bereich sprunghaft vonstatten gehen. Bereits zwei Jahre später präsentierte Sharp einen weiteren tragbaren Rechner. Der PC-1500 hatte bereits phänomenale 2,6 KB Arbeitsspeicher.

Natürlich ist es vermessen, die kleinen Sharp-Rechner in eine Reihe mit den heutigen Multimedia-Alleskönnern zu stellen. Da passen schon eher die ab 1983 in Europa erhältlichen Epson-Rechner, die – natürlich mit einem großzügigen Batterieverbrauch – tatsächlich voll funktionsfähige tragbare Computer waren. Der Epson HX-20 hatte zwar noch keinen klappbaren Bildschirm, war aber ein vollwertiger Computer mit Laufwerken und Druckern, die angeschlossen werden konnten. Das klappbare Display wurde 1985 mit dem Epson PX8 eingeführt. Zwar konnte der Bildschirm nur um wenige Zentimeter verstellt werden, um ihn ans Blickfeld des Nutzers anzupassen, aber immerhin.

Stil-Ikone aus den 80ern

In den achtziger Jahren herrschte weltweit ein großer Konkurrenzkampf der Industrienationen um die Weltspitze. Gerade Spitzentechnik war nationale Ehrensache. Die Globalisierung steckte in den Kinderschuhen und es dauerte viel länger, bis Produkte auf den jeweiligen Konkurrenzmärkten ankamen. Amerika war, wie damals so oft, den Europäern und Asiaten um eine Nasenlänge voraus. Dort gelangten schon 1981 und 1982 die ersten Laptops auf den Markt, in der Form, die wir heute kennen: Der Grid Compass von 1982, ein fünf Kilogramm schwerer Brocken, war technisch so weit fortgeschritten, dass die NASA ihn ihren Astronauten auf große Raumfahrt mitgab. Doch nicht nur technisch war der von der Grid Company hergestellte Schoßcomputer weit vorn. Das durch den legendären britischen Industriedesigner Bill Moggridge entworfene Äußere war so genial einfach, dass das Prinzip sich bis heute gehalten hat. Das hatte allerdings auch seinen Preis: Wer einen echten Grid haben wollte, musste zwischen acht- und zehntausend Dollar auf den Tisch legen.

Ein Amerikaner war auch der um die Hälfte billigere Galivan SC von der Galivan Computer Corporation. Deren Marketingabteilung verdankt die Welt den Begriff „Laptop“, auf Deutsch in etwa Schoßsitzer. Der Galivan war er bereits serienmäßig mit einem Modem ausgestattet, das in der Lage war, 300 Bits in der Sekunde zu senden oder zu empfangen. Das reichte für einfaches Mailing, wie es schon seit 1971 in den USA möglich war.

Das Notebook – ein Japaner?

Ein Jahr später, 1983, brachte die australische Firma Dulmison den Dulmont Magnum auf den Markt. Das Display war etwas kleiner als bei seinem amerikanischen Konkurrenten Grid, dafür gab es dieses Modell schon für etwa 2500 australische Dollar.

Auf dem asiatischen Markt waren Kyocera, heute in Deutschland eher für Hardware rund um den Computer bekannt, und Toshiba tonangebend. Kyocera entwickelte als Konkurrenzprodukt zu beiden im gleichen Jahr den Kyotronic 85. Er wog gerade einmal 1400 Gramm. Der Akku sollte sagenhafte 20 Stunden halten. So gingen etliche der sechs Millionen verkauften Exemplare an Journalisten. Toshiba beansprucht gar für sich, 1985 die Gattung Notebook mit dem T1110 erfunden zu haben.

Schwindende Artenvielfalt

Bescheiden waren dagegen die deutschen Versuche, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Der Clipper von PDC war ein 14.000 DM teures Monstrum, das zwar ein für damaligen Verhältnisse hochwertiges Modem hatte, seinen Nutzer aber mit einem Sechs-Zoll-Bildschirm quälte und einen ganzen Aktenkoffer füllte. Als Erfolg versprechendes Nischenprodukt angekündigt, verschwand er schnell in der Versenkung.

Die Hersteller eint, dass ein jeder die Erfindung des wirklich wahren Laptops für sich reklamiert. Ob es ein Koffermodell war oder eines mit einzeiligem Bildschirm, tragbar waren sie doch alle. Und somit ein Laptop, wenn auch nur entfernt verwandt.

1987 schließlich kam der erste Laptop auf dem Markt, der äußerlich exakt den heutigen Modellen entsprach: der „Spark“ von Datavue. Der Bildschirm als Deckel passte genau auf die integrierte Tastatur, der Akku war darunter platziert und das Laufwerk an der Seite. Wegen des großen Deckels hatte der Spark auch das damals größte Display, nämlich fünf mal zehn Zoll.

Steigendes Interesse

Die Fachzeitschrift „Chip“ aus dem März 1988 listete 21 tragbare Computer auf, die damals in Deutschland erhältlich waren. Darunter waren nicht nur Laptops im strengeren Sinne sondern auch die damals üblichen Koffermodelle wie der Clipper. Allerdings hatten sie keine eingebaute Tastatur. Die musste man irgendwie mitschleppen und per Kabel anschließen. Gegen die Laptops hatte diese Modelle in den ausgehenden achtziger Jahren keine Chance und verschwanden völlig.

Dieser Anstieg der Marken und Modelle zeigt deutlich, wie sehr das Interesse an Laptops wuchs. „Chip“ listete Preise von zirka 1700 DM bis hin zu 15.400 DM auf. Das teuerste Modell war ein Nixdorf, der ganz passable technische Leistungen vorweisen konnte. Allerdings wog er auch 8,5 Kilogramm.

Auf dem Weg zum Standardrechner

Die neunziger Jahre standen dann ganz im Zeichen des IBM-Thinkpad, das bis heute gebaut wird, wenn auch unter dem Logo des neuen chinesischen Eigners Lenovo. Eine Neuerung war der Trackball, ein kleiner, auf der Tastatur eingebauter Fühler, der die Maus überflüssig machen sollte. Durch anstupsen des kleinen Balles mit dem Finger wurde der Mausanzeiger hin und her bewegt. Diese Technik konnte sich allerdings nie richtig durchsetzen. Ansonsten war das Jahrzehnt geprägt durch eine schnelle Weiterentwicklungen und eine hohe Modellvielfalt. Das grundsätzliche Design war bereits festgelegt, lediglich die technischen Leistungen verbesserten sich erheblich. Um verschiedene Käuferschichten zu überzeugen, gingen die Hersteller dazu über, die Laptops auf Zielgruppen zuzuschneiden: für Textarbeiter, Grafiker, Spieler und Surfer. Diese Strategie ist bis heute geblieben.

In der Web-2.0-Hysterie differenzierten sich dann die mobilen Geräte. Zu den Laptops gesellten sich mobile Festplatten, USB-Sticks, später Smartphones, MP3-Player und als neuesten Schrei die so genannten Tabs, eine Art digitales Buch.

Heute ist Lernen und Arbeit ohne Laptop gar nicht mehr vorstellbar. Keine Bibliothek ohne WLan, keine Firma ohne eigenes Netzwerk, auf das jeder mit seinem Laptop zugreifen kann. Mit der Globalisierung hat sich nicht nur die Arbeit dezentralisiert, die Hardware hat es auch.

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