Diverses Ein Weltwirtschaftsgipfel gegen die Wirtschaft

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Die Staatsgäste sind längst abgereist. Die Demonstranten abgezogen. Das G-8-Treffen in Heiligendamm ist vorüber. Bleibt eine Frage: Was hat der über 100 Millionen Euro teure Wirtschaftsgipfel eigentlich jener Gruppe gebracht, die er im Namen führt: der Wirtschaft? Die Antwort ist so einfach wie erschreckend: einen weiteren Imageschaden. Zumindest in Deutschland.

So massiv wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr, gelang es einer Allianz von ewiggestrigen Linken und selbstverliebten Gutmenschen, im Verein mit den Medien die Bundesrepublik über fast zwei Wochen mit einem Zerrbild der Globalisierung zu beschallen. Tenor: Die reichen Länder beuten die armen Länder aus. Und in den reichen Ländern profitieren davon vor allem Großak­tionäre und Großunternehmer. Selbst die – linker Umtriebe oder kritischer Selbstreflexion nicht eben verdächtige – „Bild“-Zeitung stimmte in das kollektive „mea maxima culpa“ ein.

Dass in Afrika tagtäglich 30.000 Menschen an Armut sterben, ist tatsächlich skandalös und unerträglich. Doch jeder muss selbst mit sich
ausmachen, wie sehr er sich persönlich in der Pflicht fühlt, durch ein „tätiges Leben“ diese schreckliche Not zu lindern. Nur: Wen bitte bringen undifferenzierte Vorwürfe und kollektive Bekenntnisse von Schuld und Scham weiter?

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Ich frage mich, warum wieder einmal mit dem Finger auf andere, insbesondere die Wirtschaft, gezeigt wurde, anstatt die Vorbilder herauszustreichen. Und davon gibt es, vor allem auch im Unternehmerlager, weiß Gott genug. Ich behaupte: Fast jeder Chef – ob er nun einem kleinen oder großen Unternehmen vor­steht -, der im Ausland Geschäfte macht, unterstützt tatkräftig dort, wo die Not besonders groß ist.

Warum begegneten uns in der Berichterstattung rund um Heiligendamm dann nie der Bleistift-Graf Faber-Castell und seine Ausbildungsprojekte in Brasilien? Keine Rede etwa auch davon, dass Pharmaunternehmer Michael Wirz Abertausenden von Menschen in Palästina und Lateinamerika aufwendige Untersuchungen finanziert – und zwar aus privater Tasche. Und warum blieb
es unerwähnt, dass Schuhhändler Deichmann seit zwanzig Jahren Not leiden­den Menschen in Indien hilft?

Es tut mir leid, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer, aber daran sind Sie selbst schuld. Man hört und liest nichts über Ihr soziales Engagement, weil Sie viel zu wenig da­rüber erzählen. Der G-8-Gipfel und das pauschale Einhauen auf die Wirtschaft muss für alle Unternehmer eine Lehre sein: Tue Gutes. Und vor allem: Rede darüber.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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