Diverses Eine Branche trotzt der Krise

Während andere Firmen über eine restriktive Kreditvergabe klagen, strotzen die Hersteller von Windanlagen geradezu vor Optimismus. Teure Projekte werden finanziert, zweistellige Wachstumsraten sind die Norm. Im Vergleich sei die Branche eine „Insel der Seligen“, sagt gar mancher.

„Im Inland kann man für die gesamte Branche sagen: es gibt keine Probleme bei der Finanzierung von Windenergieprojekten“, sagt Hartmut Kluge von der Bremer Landesbank. Das Kreditinstitut ist stark in der Projektfinanzierung von Windkraftanlagen tätig.

„Im Vergleich etwa mit der Autoindustrie leben wir auf einen Insel der Seligen“, fasst ein Sprecher des Windanlagenherstellers Nordex die Situation zusammen. Bei der am Montag
beginnenden Hannover-Messe wollen die Firmen mit ihren Neuheiten glänzen. Windenergietechnik gehört zusammen mit Kraftwerks- sowie Automatisierungstechnik zu den Schwerpunkten der weltgrößten Industrieschau.

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KfW weitet Kreditvergabe für Öko-Energie aus

„Wir hören von den Banken, dass sie das gleiche Volumen wie im Vorjahr finanzieren wollen“, sagt der Nordex-Sprecher. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Zu den wichtigsten Kunden gehören die großen Versorger wie E.ON und RWE, deren Geschäft kaum unter der Wirtschaftskrise leidet. Die Einspeisevergütungen für Ökostrom sind gesetzlich
festgelegt und somit von Marktpreisschwankungen unabhängig. Zudem hat die staatliche KfW-Bank erst kürzlich die Kreditvergabe für die Öko-Energie-Branche ausgeweitet.

Die Unternehmen strotzen weiter vor Optimismus. Das zuletzt überhitzte Marktumfeld habe sich normalisiert, heißt es nun. Die Firmen profitierten davon, dass Rohstoffpreise sinken und der Wettkampf um Zulieferteile nicht mehr ganz so hart ausgefochten wird. Die Firmen wagen – anders als die Unternehmen anderer Branchen – weiterhin Prognosen.

Projekte in trockenen Tüchern

Als „reine Vorsichtsmaßnahme“ hat etwa Repower seine Prognose um zehn Punkte auf ein
Umsatzplus von bis zu 35 Prozent gesenkt. „Es gibt weiterhin keine Absagen oder Verzögerungen von Projekten“, erklärt eine Sprecherin. Konkurrent Nordex berichtete kürzlich von hohen Auftragseingängen. „Es gibt Verschiebungen, aber die sind nicht
dramatisch“, sagt ein Sprecher.

Für die gesamte Branche erklärt ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie: „Für das erste Halbjahr sind die Projekte in trocken Tüchern. Gewisse Verschiebungen könnten ab dem zweiten Halbjahr drohen, was aber vor allem heißt, dass sich Wartefristen verkürzen.“

Zusätzliche Impulse können die Windfirmen aber von den staatlichen Konjunkturprogrammen erwarten, die in vielen Ländern aufgelegt wurden. Dabei blicken viele Firmen auf die USA, wo Präsident Barack Obama eine Kehrtwende in der Energiepolitik angekündigt hat. „Die US-Konjunkturprogramme könnten sich ab dem zweiten Halbjahr bei den Auftragseingängen bemerkbar machen“, sagt Branchenexpertin Katharina Cholewa von der WestLB.

Die staatlichen Investitionsanreize könnten der Branche auch in den Regionen helfen, wo – anders als in Deutschland – Geld fehlt. Den Marktforschern von „New Energy Finance“ zufolge haben sich neue Investitionen in erneuerbare Energien weltweit in den ersten drei Monaten des Jahres halbiert. „Trotz der Mittel- und Langfristperspektive gab es im ersten Quartal eine ernste Knappheit an Bankenfinanzierungen für Projekte und dem prekären
Zustand der weltweiten Aktienmärkte“, so die Autoren der Studie.

Dem Windenergie-Finanzierungsexperten Kluge raubt das nicht den Optimismus: „Wir erwarten, dass sich das wohl zum Preis höherer Margen auflösen wird. Denn der Wachstumstrend der Branche ist ungebrochen.“

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