Diverses Eine unfassbare Wirtschaftskrise

Wieso glauben Sie eigentlich, dass das Schlimmste vorbei ist? Und warum halten Sie ausgerechnet Ihr Vermögen für sicher? Ein Plädoyer für Worst-Case-Szenarien.

Wir erleben die dramatischste Weltwirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch kaum einer fühlt sich wirklich betroffen. Branchen brechen zusammen, Traditionsunternehmen gehen reihenweise ein, die Arbeitslosenzahl schnellt mal eben um 500  000 nach oben, und der Staat verschuldet sich wie nie zuvor, um mit Milliarden an Steuergeldern den Kollaps des Finanzsystems zu vermeiden. Müsste uns nicht langsam angst und bange werden? Eigentlich schon. Ist aber nicht so. Denn die Masse der Bundesbürger fühlt sich seltsamerweise nicht beteiligt. Sind wir Deutschen Weltmeister im Verdrängen? Oder spricht hier das blinde Selbstvertrauen eines über 60 Jahre währenden Wohllebens, in dem man sich einen Absturz einfach nicht mehr vorstellen kann?

Es ist wohl beides. Vor allem fehlt es den Menschen aber an Vorstellungskraft, wie schnell es mit der vermeintlichen Sicherheit vorbei sein kann – selbst wenn Vater Staat sich noch so anstrengt, um sie zu garantieren. Die Folgen einer Währungsreform auf das privatwirtschaftliche Leben kennen wir allenfalls aus Erzählungen unserer Großeltern. Wie es ist, wenn fast jeder dritte Erwerbsfähige arbeitslos ist, erfuhren wir nur aus den Geschichts­büchern. Und wie es in einer Gesellschaft aussieht, wenn die Sozialsysteme nur noch das nackte Überleben sichern, haben allenfalls einige von uns in den Slums dieser Welt gesehen. Aber niemand hielte so etwas ernstlich in Deutschland für möglich.

Anzeige

Egal ob örtlicher Stammtisch oder Treffen der Spitzenentscheider beim World Economic Forum in Davos – alle schieben den sogenannten Worst Case einer harten Rezession leichtfertig zur Seite nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Implizit gehen wir alle fest davon aus, dass ein gewisser Wohlstand, den man erreicht hat, nicht mehr verloren gehen kann. Mag sein, dass man eine private Investition hinausschieben muss, beim Urlaub etwas abspecken oder die Bildungsfinanzierung der Kinder überdenken muss.
Aber wer von uns hat ernstlich Sorgen, Haus oder Wohnung nicht mehr finanzieren zu können, das gesamte Ersparte zu verlieren oder gar Woche für Woche um den Lebensunterhalt kämpfen zu müssen.

Das alles mag nicht so kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Worst Case tatsächlich eintritt, ist gering. Aber eben nicht gleich null.

Deshalb müssen sich Bürger, Manager wie auch die Politik mit dieser möglichen Situation konfrontieren. Und jetzt schon ihr Handeln danach ausrichten. Wem bitte schön nutzt es im Falle eines wirklichen Absturzes, wenn der Staat vorher Banken wie die IKB, die Landesbanken oder die Hypo Real Estate gerettet hat? Und was bringt uns eine Million – dank Abwrackprämie – neu zugelassener Kleinwagen, wenn die Leute das Benzin nicht mehr bezahlen können.

Wer heute den Worst Case ausblendet, läuft Gefahr, dass sich die Mittel des Staates erschöpfen, bevor sie bitternötig gebraucht werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...