Diverses Eingerahmt

Der stolze Unternehmer vor seine Fabrik - solche Gemälde hängen nur noch im Museum. Denn das Credo vieler heutiger Künstler lautet: Lieber hungrig, als für Geld ein Porträt zu malen. Was muss man tun, um dennoch eins zu bekommen?

Ihre Bilder zeigen Männer in Heiligenposen. Aber sie stehen in der Münchner U-Bahn – mit nacktem Oberkörper. So mutig war allerdings noch kein Auftraggeber von Caroline von Grone. „Abgebildet werden und sich erkennen können, das ist der Reiz für meine Kunden bei Porträts“, erzählt von Grone. Viele Galeristen und Künstler winken beim Thema Auftragsmalerei empört ab, die Kielerin jedoch nicht.

Für die Software-Firma Atoss aus München hat von Grone sogar mehrmals zum Pinsel gegriffen. Von einem Aufsichtsrat, einem besonders eng verbundenen Kunden und dem ausscheidenden Vorstand malte sie 35 mal 45 Zentimeter große Ölbilder. Die etwas anderen Geschenke kosteten die Firma je 3000 Euro. „Wenn ich das Bild betrachte, denke ich an die tolle Zeit bei Atoss“, so Ex-Vorstand Burkhard Scherf.

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Die frühesten Porträts finden sich auf ägyptischen Mumien, das berühmteste Abbild ist sicherlich die „Mona Lisa“. Könige, Fürsten, Bischöfe und Feldherren, später auch Kaufleute und Unternehmer ließen sich porträtieren. Sie konnten die Künstler bezahlen. Doch seit dem Zweiten Weltkrieg pochen Maler, Fotografen und Bildhauer auf ihre künstlerische Freiheit – im Auftrag zu arbeiten, ist verpönt. Daran konnten auch die bunten Siebdruck-Porträts von Andy Warhol nichts ändern. „Die Porträtmalerei geschieht abseits des hippen Kunstbetriebs“, analysiert Frank Zöllner, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Leipzig.

Neue Wege in der Porträtmalerei geht Yana Yo. Von Lutz Berthold, er produziert für die Möbelindustrie mit 180 Mitarbeitern Massivholzplatten, hat die Kölner Künstlerin neben herkömmlichen Porträts auch ein „Radarpic“ erstellt, zum Preis von 1200 Euro. Das schwarzweiße Bild zeigt den Unternehmer, im Format zwei mal zwei Meter, auf einem Polizeifoto bei Tempo 120 in einer Baustelle. „Das Bild hat in meinem Büro für viel Diskussion gesorgt“, erzählt Berthold: „Das Format weist auf Größenwahn hin, das Motiv aber auf Ironie.“

Zurück im Kieler Atelier von Caroline von Grone. Aus einer Schublade kramt sie Bilder von Familienpor­träts hervor. Einmal hat sie 15 Personen gemalt und dabei intuitiv die Hierarchie und Erbfolge dieser bekannten adeligen Familie wiedergegeben. Auch Atoss-Gründer und Vorstand Andreas Obereder wünschte sich ein Porträt seiner Familie, ganz privat, und ließ es sich 10.000 Euro kosten.

Bei einer ersten Besprechung wurde das Sofa im Wohnzimmer als Ort ausgewählt. „Die Hausherrin erzählte, sie wolle das Sofa neu beziehen“, erinnert sich von Grone. Sie schlug vor, einfach die Wände zu streichen. Auf dem Bild sitzt die vierköpfige Familie Obereder nun auf dem Sofa vor einer frisch gestrichenen kirschroten Wand. „Das war sehr spannend, die Momentaufnahme eines Künstlers, weil das Bild ja nicht von einem Foto abgeleitet ist“, sagt Andreas Obereder.

Stundenlang einfach nur dasitzen: für den Unternehmer eine ungewohnte Geduldsübung, bei der er die Malerin auch mal zu flotterer Arbeit antrieb. An sein Abbild musste er sich erst gewöhnen, aber nun hängt das Werk sehr präsent im Wohnzimmer. „Es zeigt mehr als die Familie, es zeigt, wie eng die Familie zusammenhält“, so Obereder, „und wir sind alle auf einer Ebene. So ist das bei uns.“

Auf der nächsten Seite finden Sie weitere Informationen über die Künstler.

Die Malerin Caroline von Grone ist Porträtspezialistin. Vom Bild des Kopfes bis zum 15 Menschen umfassenden Familienporträt reicht ihre Bandbreite. Ein Einzelporträt kann auch mal an einem Tag für ungefähr 3.000 Euro entstehen, Familienporträts brauchen bis zu zwei Wochen und kosten pro abgebildeter Person 2.500 Euro. Für die Porträts kann man die Künstlerin entweder in ihrem Atelier in Kiel besuchen oder sie anreisen lassen.

Weitere Porträts von Caroline von Grone

Kontakt:

Caroline von Grone über Galerie Dörrie und Priess Hamburg

Tel. 040/ 36 41

www.doerrie-priess.de

Die Malerin Yana Yo porträtiert gerne Menschen und auch gerne im Auftrag. Für den Holzproduzenten Lutz Berthold hat die Kölner Künstlerin neben „normalen“ Porträts auch ein so genanntes „Radarpic“ gemalt, zum Preis von 1.200 Euro. Das schwarz-weiße Bild zeigt im Format zwei Mal zwei Meter den Unternehmer auf einem Polizeifoto bei Tempo 120 in einer Baustelle. „Das Bild hat in meinem Büro für viele Diskussionen gesorgt“, erzählt Berthold: „Das Format weist auf Größenwahn hin, das Motiv aber auf Ironie.“

Kontakt:

Yana Yo

Tel. 0221/ 52 22 10

www.yanayo.de

Im Stil der Alten Meister arbeitet Michael Triegel, ein Vertreter der Leipziger Schule: „Kunst ist inzwischen so frei, dass sie keine gesellschaftliche Relevanz mehr hat“, stellt er fest. Bei Anfragen zu Porträts ist der Leipziger sehr wählerisch; die Person muss ihn interessieren, dann entsteht ein spannender Dialog. So eine Persönlichkeit war Wolfgang Joop, der als Unternehmer mit der Modemarke Wunderkind wieder für Furore sorgt. „Der Wolfgang wollte kein Foto von sich, sondern einen Triegel, eine Interpretation seines Wesens“, erzählt der Maler. Neben dem Interesse des Malers braucht man für ein Triegel Porträt mit Oberkörper Geld (ungefähr 16.000 Euro) und vor allem Geduld. Mindestens zwei Monate brauchen die komplizierten Farbschichten zum Trocknen.

Weitere Bilder von Michael Triegel

Kontakt:

Michael Triegel über Galerie Schwind

Tel. 0341/ 25 39 880

www.galerie-schwind.de

„Also wer eitel ist, darf sich von Clemens Gröszer nicht malen lassen“, sagt Peter Dietrich, Ex-Vorstand der Hamburger Hafen und Logistik AG. Er bekam zum Abschied statt Blumen sein Porträt im Wert von 15.000 Euro geschenkt. Insgesamt sechs Stunden lang musste er im Berliner Atelier Modell sitzen. „Man steht sich die Beine in den Bauch, unterhält sich mit dem Künstler und muss akzeptieren, der hat das Kommando übernommen“, erinnert sich Dietrich. Gröszer ist das Malen vor dem Modell wichtig, ohne großartige Vorstudien, direkt auf die Leinwand. Clemens Gröszer gilt als Enkel von Otto Dix, auch wenn er diesen Vergleich nicht gerne hört. Auftrags-Porträts bezeichnet er als schwierige, aber auch spannende Aufgabe.

Kontakt:

Clemens Gröszer über Galerie Christian Zwang

Tel. 040/ 43 76 43

Die Künstlerin Margret Eicher geht beim Porträt ganz neue Wege, zurück in die Zeit der Monarchen. Sie zeigt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking lächelnd auf dem Kotflügel eines seiner Sportautos. Durch die Größe des drei Mal vier Meter großen Wandteppichs sieht ein Kunstkenner darin den „Inbegriff höfischer Repräsentation“.

Kontakt:

Margret Eicher über Galerie Bernhard Knaus Fine Art

Tel. 0621/ 81 40 11

www.bernhardknaus-art.de

Der „Schrauben-König“ Reinhard Würth ist nicht nur leidenschaftlicher Unternehmer, sondern auch Kunstfreund und Sammler. Seine fast 10.000 Werke stellt er in zwei Museen aus.

Museum und Kunsthalle Würth

www.kunst.wuerth.com

Buchtipp

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Unternehmen Nutzen Kunst

Torsten Blanke

Klett-Cotta 2002

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