Diverses Einzelhandel sieht kein Ende der Flaute

In diesem Jahr werden die Umsätze weiter schrumpfen. Bis zu 10.000 Pleiten befürchtet.

Der Einzelhandel sieht kein Ende der
Konsumflaute. In diesem Jahr werden die Umsätze weiter schrumpfen, schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG). Ursprünglich hatte der Verband mit einer
Stagnation gerechnet. „Wir werden ein gewisses Minus hinnehmen
müssen“, sagte BAG-Präsident Walter Deuss am Dienstag in Frankfurt.
Das Ausmaß lasse sich aber noch nicht quantifizieren. Die Krise werde
etwa 10 000 Pleiten in der Branche zur Folge haben.

„Das Fahrwasser, in dem sich der Handel zur Zeit bewegt, ist derart mit Strudeln, Riffen und Untiefen versehen, dass eine
kollisionsfreie Fahrt zu ruhigeren, in einiger Entfernung liegenden
Ufern nur mit äußerster Kraftanstrengung möglich sein wird“, erklärte
Deuss. Im ersten Halbjahr habe der Umsatzrückgang 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum betragen. Im Juli habe es voraussichtlich kein Wachstum gegeben. Auch im nächsten Jahr rechnet
die BAG mit stagnierenden Erlösen.

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Die Kaufunlust der Deutschen ist ein EU-weiter Sonderfall. Im Mai schafften die europäischen Händler laut offizieller Statistik ein
Plus von 1,6 Prozent binnen Jahresfrist, während das Minus in Deutschland 2,7 Prozent betrug. In Spanien gab es sogar einen Zuwachs
von 7,4 Prozent.

Auch der noch bis Samstag laufende Sommerschlussverkauf werde an
der Krise im deutschen Einzelhandel nichts ändern, hob Deuss hervor.
„Entgegen der bereits veröffentlichten Jubelrufe in den Zeitungen
glaube ich nicht, dass nach den zwei Wochen ein Plus unterm Strich
steht.“ Der Hauptverband des Einzelhandels (HDE), der größere Teile
des Handels vertritt, hatte dagegen ein Umsatzplus prophezeit. Der
HDE erwartet für das Gesamtjahr ein Minus in Höhe von 2,75 Prozent.

Auch die jüngsten Überlegungen und Pläne von Unternehmen, das diesjährige Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter zu kürzen, drücke auf
die Stimmung der Verbraucher. Allerdings werde auch in seiner eigenen Branche damit geliebäugelt, die Sonderzahlungen zu reduzieren. Laut Tarifvertrag beträgt das 13. Gehalt im Handel 62,5 Prozent, es wurde bislang aber meist auf 100 Prozent aufgestockt.

Die Kaufbereitschaft leide vor allem unter der schwachen Konjunktur, betonte Deuss. „Die wichtigste Voraussetzung für eine
Auflockerung des Konsumklimas ist die Wiedergewinnung eines
deutlicheren gesamtwirtschaftlichen Wachstums.“ Die ausbleibenden politischen Reformen hätten zudem zu einer zunehmenden Verdrossenheit
geführt, „die sich wie Raureif auf die Entwicklung des Konsumklimas
legt und eine Belebung der Ausgabenbereitschaft verhindert“. Hinzu
komme die Angst der Leute um ihren eigenen Arbeitsplatz.

Die in einigen Tarifbezirken erreichte Einigung auf eine
Gehaltssteigerung von 3,1 Prozent werde zu einem Arbeitsplatzabbau in
der Branche führen, kündigte Deuss an. Das Ausmaß wollte er aber
nicht beziffern. Insgesamt gibt es nach BAG-Angaben 2,5 Millionen
Stellen im gesamten Einzelhandel. Die Verbandsmitglieder beschäftigen
davon mehr als ein Zehntel. Auf diesen Anteil kommen sie auch beim
Branchenumsatz, der 2001 nach BAG-Rechnung 378 Milliarden Euro
betrug. In dem Verband sind vor allem Textilverkäufer wie C&A, Peek &
Cloppenburg oder die Karstadt-Warenhäuser vertreten.

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