Diverses Entwicklungsland Deutschland

Ein Youtube-Video legt eine komplette Firma lahm, Datensätze werden im Auto transportiert, ganze Landstriche sind von der Telekom bereits abgeschrieben: Der Hightech-Standort Deutschland hat in Sachen Dantenübermittlung erheblichen Nachholbedarf. Ein Report aus den Tiefen eines Entwicklungslandes.

Das Gewerbegebiet, in dem sich
Ralph
Sager sein kleines Imperium
aufgebaut hat, liegt ganz nahe an
der Autobahn. Außerdem laufen zwei
Schienenstrecken vorbei, weshalb die
Gegend passenderweise „Zwischen den
Bahnen“ heißt. Man könnte sie allerdings
auch „Abseits der Datenautobahn“ nennen.
Denn Sager mit seiner Werbetechnikfirma,
seiner Waschstraße und
seiner Gaststätte ist vom schnellen Internet
abgeschnitten. Genauso die anderen
zwölf Mittelständler, die sich in den
vergangenen
Jahren am Rande des
niederbayerischen
Ortes Ergolding niedergelassen
haben.

Lediglich eine Minimalversorgung mit
Übertragungsraten von maximal zwei
Megabit pro Sekunde ermöglicht die
Telekom
den Gewerbetreibenden. Das
gilt zwar schon als breitbandig, ist aber
nicht mehr zeitgemäß. Zum Vergleich:
Mit modernen VDSL-Anschlüssen sind in
vielen Städten heute Geschwindigkeiten
von 50 Megabit pro Sekunde möglich.
„Das Tempo ist lächerlich, eine Zumutung“,
beschwert sich Unternehmer
Sager. „Wir arbeiten mit digitalen Druckunterlagen,
da kommen enorme Dateigrößen
zusammen. Es dauert Stunden,
bis die durchgehen“, so der 42-Jährige.
„Sollten dann zeitgleich noch Gäste in
meinem Lokal mit ihren Notebooks über
den dortigen W-Lan-Hotspot surfen, geht
fast gar nichts mehr.“

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Auch privat leidet der Unternehmer,
der in seinen neuen Firmensitz seit 2006
etwa drei Millionen Euro investiert hat,
unter der lahmen Verbindung. Über der
Firmenzentrale hat er sich ein großes
Loft bauen lassen, das er mit seiner Familie
bewohnt. „Wenn mein zehnjähriger
Sohn sich bei Youtube ein Video ansehen
will, dann kann man vor lauter Ruckeln
kaum etwas erkennen.“

TV-KABEL

Pack2000, eine 55-Mann-Firma aus Landshut, die Verpackungen für Großgeräte,
medizinische Geräte und Server entwirft und produziert, nutzt seit zwei
Jahren die Kabelfernsehleitung, um große Datenmengen zu transportieren.

Das Problem Irgendwie hat es funktioniert
mit der Telekom, es gibt schließlich
Breitband in der Gegend von Landshut.
Aber die Leitung war und ist eine alte,
ziemlich langsame. Pack2000 brauchte
mehr Kapazitäten. Vor allem, wenn es
darum ging, Arbeit mit nach Hause zu
nehmen, große Datenmengen zu verschicken
in die Home-Offices in der näheren
Umgebung.

Die Alternative Das TV-Kabel. Denn das
kann nicht nur Fernsehprogramm übertragen,
sondern auch ganz große Datenmengen.
Die Landshuter Firma nutzt seit
2008 die Leitung von Kabel Deutschland.
Die Verbindung, ein sogenanntes Business-
Paket, kann derzeit 32 Megabit pro
Sekunde
transportieren beim Downloaden.
Und zwei Megabit beim Uploaden.
„Was normal ist“, sagt Georg Nuss,
der die IT-Abteilung leitet.

Die Kosten „Fast 30 Prozent billiger als
Breitband“, sagt Nuss. Für die Telekom-
Leitung, die weniger leistete, zahlte die
Firma 54,99 Euro. Für die Kabel-TV-Verbindung
mit größerer Internetbandbreite
39,90 Euro. „Wegen der Effektivität
ist das für uns mehr für weniger Geld.“

Downloaden? Dauert!

Ludwig Baumann, der Kämmerer im Rathaus
von Ergolding, kennt die Sorgen der
Bürger und Unternehmer. „Noch schlechter
als im Gewerbegebiet und im Zentrum
ist die Situation in den ländlichen
Ortsteilen“, sagt der 58-Jährige. Dort gibt
es nicht nur unzureichende, sondern gar
keine Breitbandversorgung. Hunderte
Haushalte und etliche Betriebe in der
DSL-freien Zone gehen dort noch online
wie in den frühen Tagen des Internets:
mit ISDN-Anschluss und 64 Kilobit
pro Sekunde. Das Herunterladen einer
normalen PDF-Datei nimmt so schon mal
eine halbe Stunde in Anspruch. Wertvolle
Arbeitszeit, vergeudet mit warten, warten,
warten. „Das dauert jedes Mal, bis ich
das Zeug runtergeladen
habe. Ich kann ja
nicht immer Brotzeit machen, während
ich auf dringende Pläne warte“, klagt ein
Handwerker aus dem Dorf Käufelkofen.
Seinen Namen möchte er lieber nicht veröffentlicht
sehen – er will schließlich
nicht als Hinterwäldler dastehen, dem
man nicht einmal eine Mail mit Anhang
schicken kann.

Ergolding ist kein Einzelfall: Versorgungslücken
gibt es in allen Flächenländern
der Republik. 98 Prozent der
deutschen Firmen arbeiten mit dem
Internet,
aber nur etwa 80 Prozent verfügen
über einen schnellen Breitbandanschluss.
Viele ländliche Regionen sind
unterversorgt. Immer wieder ist die Rede
vom „Digital Divide“, einer wachsenden
Kluft zwischen modernen, hypervernetzten
Ballungsräumen und dem abgehängten
Hinterland, den neuen Bergen und
Tälern der Ahnungslosen.

Dabei ist Ergolding alles andere als
ein wirtschaftsschwaches Kuhdorf. Der
11.000 Einwohner zählende Ort besitzt
seit 1976 Marktrechte, das bedeutet in
Bayern: ist kein Dorf mehr, aber noch
nicht ganz Stadt. Ergolding ist heute de
facto ein Vorort des Hochschulstandorts
Landshut. Das dortige BMW-Werk steht
etwa zur Hälfte auf Ergoldinger Grund.
Gewerbesteuer fließt aber nicht nur vom
Automobilkonzern in die kommunalen
Kassen. Viele Mittelständler haben die
verkehrsgünstige Lage am Rande der
Isarstadt für Neuansiedlungen genutzt
und verhelfen der Gemeinde zu soliden
Finanzen. Trotzdem: Die Telekom hält
sich, wie in vielen anderen Gegenden
Deutschlands, zurück mit Investitionen
in Ergolding. Immer wieder verhandelte
Kämmerer Baumann, der vom Bürgermeister
zusätzlich zum „Breitbandpaten“
der Gemeinde ernannt wurde, mit dem
magentafarbenen Riesen. Ergebnislos.

Und das, obwohl die Kommune bereit
gewesen
wäre, den Ausbau des Netzes zu
bezuschussen oder gar ganz zu übernehmen.
„Wir waren so weit, dass wir zur
Telekom gesagt haben: Macht’s einfach,
egal was es kostet, wir zahlen das. Doch
das würde gegen EU-Richtlinien verstoßen,
also mussten wir zunächst eine
aufwendige Ausschreibung machen.“
Entgegen anfänglichen Zusagen und trotz
der Aussicht auf Zuschüsse durch das
Breitbandförderprogramm des Freistaats
zog die Telekom ihr Angebot zurück.

W-LAN-RICHTFUNK

Der Maschinenbauer Windschiegl aus Windischeschenbach im Oberpfälzer Wald
nutzt seit drei Jahren drahtlose Datenübertragung.

Das Problem Nach Einführung einer neuen
Software, die Fertigungsprozesse optimieren
sollte, ging plötzlich nichts mehr – die
Bedienung war nur noch in Zeitlupe möglich.
Der Grund: Die Daten werden zwischen
dem Hauptsitz der Firma und einer
sieben
Kilometer entfernten Fertigungsniederlassung
online ausgetauscht, doch in der Zentrale
ist Festnetzinternet nur im Kriechtempo
verfügbar.

Die Alternative Das am Produktionsstandort
verfügbare, schnellere DSL wird
über W-Lan-Richtfunk an die Zentrale
„weitergeleitet“ und ermöglicht so zuverlässigen
Datenaustausch sowie schnelleren
Internetzugang für die Hauptniederlassung.
Da eine W-Lan-Richtfunkstrecke
nicht ohne Sichtkontakt funktioniert, es
zwischen den beiden Standorten jedoch
keine Sichtverbindung gibt, wurden zwei
Zwischenstationen eingebaut. Für das
Aufstellen
dieser Antennen auf fremdem
Grund mussten aufwendig Genehmigungen
eingeholt werden. Anbieter der Lösung: die
Firma Lancom Systems in Würselen.

Die Kosten Die Einrichtung kostete 11 000
Euro und ist damit günstiger als die Anmietung
teurer Telekom-Standleitungen sowie
mit etwa 50 Megabit pro Sekunde schneller
und zuverlässiger als Satelliten- und
UMTS-Alternativen. Monatliche Verbindungsgebühren
fallen nicht an. „Die Installation
von Hard- und Software war einfach,
und das aufgebaute Funknetz läuft klasse“,
sagt Gunther Schmied, Qualitätsmanagementbeauftragter
bei Windschiegl.

Auch der zweite Quasimonopolist,
Kabel
Deutschland, hegt mangels Wirtschaftlichkeit
keine weiteren Ausbaupläne.
Immerhin wurde aber vor einigen
Jahren ein Teil des Kabelnetzes im Ortskern
modernisiert und so mehr als die
Hälfte der Ergoldinger Haushalte fit fürs
Hochgeschwindigkeitsinternet über die
TV-Buchse gemacht.

Anders als größere Städte profitieren
ländliche Gemeinden kaum von der Liberalisierung
des Telekommunikationssektors.
Trotz Förderprogrammen und
politischen Willenserklärungen, niemand
kann die frühere Behörde und heutige
Aktiengesellschaft Telekom mehr
zwingen, einen für sie wenig lukrativ
erscheinenden
Ausbau durchzuführen.
Und die Mitbewerber? Während größere
Unternehmen wie Vodafone, Telefónica
oder Hansenet sich ebenfalls eher zurückhalten,
versuchen Nischenanbieter in der
Fläche ihr Glück mit Speziallösungen,
hauptsächlich über Funk oder Satellit
(siehe Kästen). Solche Techniken sind
aber meist deutlich teurer als konventionelle
DSL-Anschlüsse – und dazu manchmal
auch technisch unausgereift.

Das bekamen etwa 30 Haushalte und
auch Kleinbetriebe und Freiberufler aus
Oberglaim zu spüren – einem weiteren
DSL-freien Dorf im Markt Ergolding.
Sie beauftragten eine Firma, die ihnen
schnelles Internet per Funk versprach.
Am höchsten Punkt Ergoldings, der Rosenmühle,
baute das Unternehmen eine
Antenne auf, verband diese mit dem dort verfügbaren Hochgeschwindigkeitsnetz
und stattete die Oberglaimer mit Antennen
aus. Doch das schnelle Surfen funktionierte
im acht Kilometer entfernten
Dorf nur dort, wo auch Sichtkontakt zur
Mühle bestand. An trüben Tagen, wenn
die Sicht ins Tal durch Wolken beeinträchtigt
war, kam keine Verbindung
zustande. „Die Oberglaimer kündigten
daraufhin und sind freiwillig wieder zur
langsamen, aber immerhin stabilen Telekom
gegangen“, sagt Baumann.

Auch Unternehmer Sager aus dem
Gewerbegebiet
Zwischen den Bahnen
hat schlechte Erfahrung mit einer Funklösung
gemacht und kehrte entnervt zur
Telekom zurück. „Da sind so viele Deppen
unterwegs, in diesem Markt. Versprechen
einem sonst was, und am Ende
funktioniert es doch nicht.“

Auch auf die Kommune ist er nicht gut
zu sprechen: „Man hätte von Anfang an
hier Glasfaserkabel herlegen müssen“,
sagt er. Gemeindemann Baumann räumt
ein: „Wir haben das damals verschlafen.
Als wir vor über fünf Jahren das Gewerbegebiet
geplant haben, war Breitbandinternet
aber auch noch nicht so ein
wichtiger Faktor wie heute“, sagt er.
„Mittlerweile ist es das Erste, was potenzielle
Grundstückskäufer wissen wollen:
ob es schnelles Internet gibt.“ So hegt
zum Beispiel Bosch, eine örtliche Druckerei,
Expansionspläne und möchte in das
Gebiet Zwischen den Bahnen umziehen.
Die einzige Hürde, an dem der Neubau
noch scheitern könnte: die unzureichende
Internetversorgung.

MIKROWELLEN-RICHTFUNK

Das Kreiskrankenhaus Gummersbach muss digitale Patientenakten in sein
OP-Zentrum übermitteln. Trotz Standleitung reichte die Bandbreite nicht aus.

Das Problem Zum neu eröffneten OPZentrum,
einer Außenstelle des Krankenhauses,
wäre, obwohl noch im Stadtbereich,
nur ein Telefonkabel mit maximaler
Bandbreite von zehn Megabit pro Sekunde
als teure Standleitung verfügbar. Das
Krankenhaus benötigt zum Übermitteln
digitaler Patientenakten inklusive hochauflösender
Röntgenbilder aber eine größere
Bandbreite,
die auch Alternativen wie
UMTS oder Satellit nicht bieten können.

Die Alternative Die Außenstelle des
Klinikums wird seit 2009 mit der etwa drei
Kilometer entfernten und an das DSL-Netz
angebundenen Zentrale über eine Mikrowellen-
Richtfunkverbindung vernetzt, die
eine Bandbreite von 300 Megabit pro Sekunde
ermöglicht und hohe Verfügbarkeit
und Sicherheit garantiert. Anbieter der Lösung:
S&M Telefonvertrieb, Gummersbach.

Die Kosten Die Empfangs- und Sendeeinheit
kommt von Motorola, kostet für
diese Bandbreite etwa 15 000 Euro und ist
damit teurer als eine W-Lan-Infrastruktur
– aber weniger störungsanfällig, sicherer
und einfacher zu warten und zu bedienen.
Die Verlegung eines Glasfaserkabels in die
Außenstelle hätte einen siebenstelligen
Betrag verschlungen. Klaus Steinel, Leiter
Technische Abteilung: „Wir nutzen diese
Funktechnik auch schon für eine andere
Datenverbindung zu unserem etwa 30 Kilometer
entfernten Partnerkrankenhaus
in Waldbröl und sind sehr zufrieden damit.“

Die mittelständische Softwareschmiede
KWP Informationssysteme hat sich
davon
nicht abschrecken lassen und im
Gewerbegebiet gebaut. Als IT-Unternehmen ist die Firma auf schnelle Internetverbindungen
angewiesen – und lässt
sich diese einiges kosten.

Kostet, aber kompensiert den Mangel

Zwar steht auch Geschäftsführer Stephan
Rixinger nicht mehr Bandbreite zur
Verfügung
als seinen Nachbarn, doch er
nutzt die zwei Megabit pro Sekunde voll
aus, indem er gleich mehrere Standleitungen
gebucht und gebündelt hat.
„Die Geschwindigkeit ist noch akzeptabel.
Wir kompensieren diesen Mangel
mit höheren Kosten.“

Was das kostet, sagt er nicht, doch ein
Blick in die Preisliste der Telekom zeigt:
Eine einzige Zwei-Megabit-Standleitung
inklusive Flatrate kostet monatlich mehr
als 1000 Euro. Das ist etwa ein 30-Faches
dessen, was für einen DSL-Firmenanschluss
derselben Geschwindigkeit zu
entrichten wäre.

Allerdings wird durch solche symmetrischen
Anschlüsse eine hohe, konstante
Upload-Geschwindigkeit erreicht, was
wichtig für Firmen ist, die nicht nur viel
herunterladen, sondern auch große Dateien
versenden müssen (siehe Kasten).
Für Ralph Sager ist eine solche Standleitung
zu kostspielig. Außerdem hat er
die Hoffnung nicht aufgegeben, dass das
schnelle Internet demnächst doch noch
den Weg in sein Gewerbegebiet findet, zu
moderateren Preisen und marktüblichen
Konditionen. „Ich habe hier schon alle
Nachbarn angeschrieben. Wenn wir uns
nicht kümmern, wird es keiner tun. Daher
werde ich die Sache jetzt selbst in die
Hand nehmen und Druck machen, bei
der Telekom und bei der Gemeinde.“

Einige seiner Nachbarn scheinen sich
jedoch mit der lahmen Leitung zähneknirschend
abgefunden zu haben. Zumindest
verschanzen sie sich hinter einer
Firewall des Schweigens, wenn man sie
fragt, wie sie mit dem Standortnachteil
umgehen. Kein Wunder, wer gibt schon
gern zu, dass das eigene Unternehmen
internettechnisch nicht auf der Höhe der
Zeit surft? Dabei könnte sich öffentlicher
Protest durchaus lohnen, wie das Beispiel
Wertheim zeigt. Die Stadt im äußersten
Norden Baden-Württembergs war lange
Zeit gespalten: Während das Zentrum
DSL-verdrahtet ist, surften die Bewohner
abgelegener Stadtteile wie Lindelbach
und Urphar mit vorsintflutlich-schmalbandigen
64 Kilobit pro Sekunde.

Doch die Dorfbewohner begehrten auf,
schlossen sich mit dem örtlichen Gewerbe
zusammen, übten Druck auf die
Kommunalpolitiker
aus. 2006 richteten
sie eine Internetseite ein, veröffentlichten
ihre Forderungen unter www.keinbreitband.
de. Mit Erfolg: Nach etlichen
Rückschlägen, unter anderem dem gescheiterten
Versuch, auf eigene Faust ein
Funknetz aufzubauen, schloss die Stadt
mit der Telekom schließlich einen Vertrag.
Kurz darauf kamen die Bagger,
Glasfaserkabel wurde verlegt, eine DSLVermittlungsstelle
gebaut. Seit Anfang
2009 surfen die Mainfranken nun mit bis
zu 16 000 statt 64 Kilobit pro Sekunde.

Davon profitieren auch die dort ansässigen
Unternehmen: „Wir hatten zwar
vorher durch eine Standleitung schnelleres
Internet als die meisten Anwohner
hier, aber die Kosten – immerhin bis zu 400 Euro im Monat – können wir jetzt
sparen“, sagt Kai-Uwe Patz, Juniorchef
von etwa 30 Mitarbeitern der Bühnenbau
Wertheim GmbH. „Jetzt zahlen wir deutlich
weniger und haben endlich eine
Flatrate
statt der teuren Volumenabrechnung.
So muss ich den Kollegen privates
Surfen in der Mittagspause auch nicht
mehr verbieten.“

Schnelles Surfen, egal ob zu Hause
oder am Arbeitsplatz, ist ein Luxus, von dem viele Ergoldinger hingegen nur
träumen können. Doch Kämmerer
Ludwig
Baumann ist optimistisch: „Wir
haben wieder eine Ausschreibung gestartet.
Wenn erneut keine überzeugenden
Angebote kommen, werden
wir wohl ein eigenes kommunales
Versorgungsunternehmen
aufbauen
müssen“, sagt der seit 40 Jahren für
seine
Heimatgemeinde tätige Niederbayer.

SATELLIT

Haase Energietechnik aus Neumünster betreibt rund 100 Blockkraftwerke,
Deponien, Biogas- und Wasseraufbereitungsanlagen.

Das Problem Die Zentrale in Neumünster
ist ans schnelle Internet angebunden
– nicht jedoch viele der Anlagen,
die das Unternehmen betreibt und wartet.
Sie liegen oftmals weit ab vom
Schuss – ohne Anbindung an das Festnetz,
geschweige denn an schnelle
DSL-
Leitungen. Dennoch müssen die
Standorte per Fernwartung online jederzeit
ansteuerbar sein.

Die Alternative Bisher wurden über
Kabel nicht angebundene Anlagen der
Firma über das Funknetz mit der Zentrale
verbunden. Doch die Geschwindigkeit
war nicht zufriedenstellend – gerade in
Regionen, in denen kein schnelles UMTSNetz
verfügbar ist. Also werden einige
Standorte nun sukzessive auf Satellit
umgestellt. Das ermöglicht größere
Bandbreiten und mehr Zuverlässigkeit
in der Versorgung, da das Weltallinternet
überall verfügbar ist. Anbieter der
Lösung: Filiago, Bad Segeberg.

Die Kosten Für eine Basisanbindung
mit geringer Bandbreite von einem
Megabit pro Sekunde, wie sie für viele
kleinere
Anlagen ausreichend ist, zahlt
Haase als Großkunde weniger als 30 Euro
monatlich pro Standort. Für eine größere
Bandbreite von vier Megabit pro
Sekunde im Download und vergleichsweise
langsamen 360 Kilobit pro Sekunde
im Upload verlangt der Anbieter
monatlich 150 Euro. Die Satellitenantenne
kostet einmalig 500 Euro, für die
Installation werden 250 Euro berechnet.

Hier teuer, was woanders sehr billig
Auf die Telekom baut er dabei nicht
mehr, auch wenn man Ergolding dort
offiziell noch nicht abschreiben will.
„Wir berechnen derzeit noch, ob wir
ein Angebot für das Auswahlverfahren
vorlegen können“, sagt Telekom-Sprecher
Udo Habers. Eine Rechnung
geht für den Ex-Monopolisten
in jedem
Fall auf: Wer kein DSL
zu günstigen Stadtpreisen
bekommen
kann und trotzdem
einigermaßen
akzeptable
Geschwindigkeiten
möchte, ist auf teure
Standleitungen angewiesen. „97 Prozent aller Unternehmensanschlüsse
bundesweit können wir mit
speziellen Lösungen für Geschäftskunden
versorgen, die auch im Kupfernetz
Bandbreiten von bis zu zehn Megabit
pro Sekunde symmetrisch garantieren.
Das ist allerdings nicht zum Preis eines
Privatkundenprodukts möglich.“

Tausende Euro jährlich für etwas
ausgeben, was es ein paar Kilometer
weiter für ’n Appel und ’n Ei gibt – das
sieht Werbeunternehmer Ralph Sager
nicht ein. Wenn er eine größere Datei
erwartet, deren Empfang ihn mit
der Zwei-Megabit-Kriechleitung im
Gewerbegebiet
stundenlang aufhalten
würde, bittet er Geschäftspartner, die
Daten an einen Freund zu schicken.
Dann setzt er sich kurzerhand in seinen
Wagen und fährt in den Ort, wo sein
Kumpel über das TV-Kabelnetz
günstig ans Highspeedinternet
angeschlossen ist. „Dort packe
ich die Datei auf einen USBStick
und fahre wieder ins Gewerbegebiet.“
Die kurze Fahrt ins Zentrum, seine
private Datenautobahn.

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