Diverses Erfahrung gesucht

Gute Leute sind schwer zu finden. Immer mehr Unternehmer setzen deshalb auf Fachleute aus der Generation 60 plus - mit Erfolg

Der Senior-Experte Ernst-Wilhelm
Günther begeistert die Geschäftsleitung.
„Er hat in den ersten Wochen
mehr bewegt als seine jüngeren Vorgänger
in den zwei Jahren zuvor“,
freut sich Gergana Gueorguieva, Mitinhaberin
des Frankfurter Beratungsund
Handelsunternehmens EGC.

In ihrem Auftrag leitet der 66-Jährige
seit Kurzem eine Holzfabrik auf Madagaskar, mehr als 8.000 Kilometer
von zu Hause entfernt. „Herr Günther
hat die notwendige Mischung aus
Ruhe und Tatkraft . Die Probleme
werden endlich mit unternehmerischem
Elan angegangen“, freut sich
die Firmenchefin. Früher war Günther
als leitender Angestellter in der
Möbelbranche tätig. Jetzt hat er umgesattelt
auf Senior-Experte: „Solange
ich fit bin, reise ich lieber um die Welt
und tue etwas Sinnvolles.“

Anzeige

Statt den Mangel an guten Fachund
Führungskräft en zu beklagen,
holen sich erfolgreiche Unternehmer
immer öfter Mitarbeiter der Generation
60 plus ins Haus. Und profitieren
so von dem Wissen und der Erfahrung
vieler Jahre. Mehrere Tausend
dieser hoch motivierten Spezialisten
stehen inzwischen für neue Einsätze
bereit.

impulse beschreibt, was Unternehmer
bei der Auswahl der Kandidaten
beachten sollten. Wo man sie findet, zeigt
außerdem die Online-Aufstellung
unter

www.impulse.de/senioren.

Beste Voraussetzungen

Für den Einsatz auf ihrer Heimatinsel
suchte Gueorguieva einen frisch pensionierten
Fachmann mit Know-how
im Holzgeschäft – der auch mit
Schwierigkeiten vor Ort, wie etwa den
ständigen Stromausfällen, zurechtkommt.
Gefunden hat sie ihn bei der
kürzlich gestarteten Initiative „Erfahrung
Deutschland“, die agile Ruheständler
mit Unternehmern zusammenbringt.
„Ich war zuerst skeptisch,
ob das wirklich funktioniert“, erinnert
sich die Firmenchefin. „Doch
dann hat gleich beim ersten Gespräch
mit Herrn Günther alles gepasst.“

Auf der nächsten Seite lesen Sie mehr zum Thema.

Große Erfahrung und viel Geduld,
das ist das Erfolgsgeheimnis der Senior-
Experten. So finden sie bei Problemen
oft rascher als Jüngere eine
praktikable Lösung und vermeiden
dabei Umwege und teure Fehler. Auf
diese Art nutzt auch die Weiss GmbH
die internationale Markenerfahrung,
die der Kommunikationsfachmann
Ernst ten Hövel in mehr als 40 Berufsjahren
gesammelt hat. Gemeinsam
mit den Inhabern der Buchener
Maschinenbaufirma entwickelte der
68-Jährige eine neue Positionierung
und Marketingstrategie. „Herr ten
Hövel hat sofort verstanden, worauf
es in unserem Unternehmen ankommt
„, sagt der 34-jährige Firmenchef
Uwe Weiß.

Entspannter Umgang

Wie der Geschäftsführer gleich doppelt
durch den Einsatz des erfahrenen
Seniors profitiert, erklärt Eva May-
Strobl, die am Bonner Institut für
Mittelstandsforschung eine Studie
über Senior-Experten betreut: „Für
Unternehmer zählt ja nicht nur, dass
sie bei der Arbeit unterstützt werden.
Für sie ist es auch wichtig, einen erfahrenen
Gesprächspartner zu haben,
mit dem sie Entscheidungen diskutieren
können.“ In vielen Firmen fehlt
derlei Expertenwissen völlig: Jedes
zweite Unternehmen beschäftigt keine
Mitarbeiter über 50.

Trotz ihrer wertvollen Kenntnisse
treten die meisten Spezialisten äußerst
bescheiden auf . „Die Zusammenarbeit
mit Herrn ten Hövel ist viel
relaxter als mit Jüngeren, denn ermuss sich und anderen nichts mehr
beweisen“, sagt Unternehmer Weiß.
Schließlich hat der Senior seine Karriere
bereits gemeistert. „Ihm ist es
jetzt wichtiger, dass andere vorankommen.
“ Eine für beide Seiten angenehme
Situation: „Die Mitarbeiter
hören mir heute eher zu als früher,
denn allen ist klar, dass ich keine Konkurrenz
bin“, sagt Marketingprofi ten
Hövel. Grabenkämpfe bleiben aus, es
wird zielgerichteter gearbeitet.
„Für viele Experten ist es eine
wichtige Motivation, die eigene Erfahrung
nicht zu begraben, sondern
weiterzugeben“ hat Forscherin May-
Strobl herausgefunden. Dafür sind sie
auch bereit, Strapazen auf sich zu nehmen.

So schätzt EGC-Projektleiter
Andreas Wolf vor allem die hohe Einsatzbereitschaft der Un-Ruheständler.
„Sie sind oft flexibler als Jüngere, weil
sie weniger Verpflichtungen haben«,
sagt er. »Wer würde mit kleinen Kindern
nach Afrika gehen?“

Hinzu kommt: Die Experten verlangen
oft sehr viel weniger Geld als
jüngere Manager. Einige arbeiten gar
für eine bloße Aufwandsentschädigung.
„Mich interessiert vor allem,
dass ich hier etwas bewegen kann“,
bestätigt Günther. Auf eines haben
Machertypen wie er dagegen keine
Lust: Routine. Gesucht sind interessante
Aufgaben – je schwieriger, desto
besser. „Ich hatte während meines Berufslebens
viele Jobs, die einfacher
waren“, so Günther über seine neue
Herausforderung.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...