Diverses Erfolg mit der Ich-AG

Erfolg mit der Ich-AG

Erfolg mit der Ich-AG

Wie bedeutend der Schritt vom Arbeitslosen zum selbständigen Unternehmer sein muss, lässt sich ermessen, wenn man einen Ich-AGler nach dem Gründungsdatum fragt. Wie aus der Pistole geschossen kommt die Antwort. Nicht etwa in Form eines wagen "irgendwann im Juni letzten Jahres." Nein: Es war der 3. März, der 1. April oder der 15. August. Begeisterung über die eigene Geschäftsidee und Stolz auf das bisher Erreichte sind in den Erzählungen der jungen Firmenchefs nicht zu überhören.

Ich-AG – das Unwort des Jahres 2002 ist inzwischen zum Inbegriff einer neuen deutschen Gründergeneration geworden. Allein im letzten Jahr haben sich jeden Tag rund 246 Ex-Arbeitslose selbständig gemacht und eine Ich-AG gegründet.

Die Bezeichnung steht aber keinesfalls für eine Aktiengesellschaft. Sie ist vielmehr die saloppe Namensgebung für den staatlichen „Existenzgründungszuschuss“ – wie diese Förderung offiziell heißt. Sie wird Jobsuchenden seit Anfang 2003 gewährt, wenn sie sich für die Selbständigkeit entscheiden.

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Unterstützung für drei Jahre

In diesem Fall unterstützt die Bundesagentur für Arbeit drei Jahre lang die Gründer. Im ersten Jahr monatlich mit 600 Euro, im zweiten und dritten Jahr sinkt der Förderbetrag. „Diese Zahlungen sollen vor allem die persönliche Alters- und Krankenvorsorge sicherstellen“, sagt Konrad Zipperlen, Gründungsberater der IHK München. Mit dem Geld finanzieren die Gründer ihre Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung. Darüber hinaus können sie zu günstigen Konditionen Mitglied in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bleiben. „Die Kosten für den eigentlichen Lebensunterhalt müssen sie aber vom ersten Tag an aus den Einkünften ihres Unternehmens bestreiten“, erklärt Zipperlen.

Allerdings gilt inzwischen eine Hürde zu überwinden: Die Arbeitsagenturen verlangen die Einreichung eines Businessplans – wie beim Überbrückungsgeld. Nun hat der Bundestag zusätzlich beschlossen, dass ab Dezember die Pläne von einer fachkundigen Stelle geprüft werden müssen.

Auf Nummer sicher gehen

Umsichtige Ich-AGler gehen auf Nummer sicher. Wie Thomas Neugebauer: Der Küchenmeister aus München meldete im November 2003 den Catering-Service Speisen aller Art in München an. Zuvor nutzte er aber die sechsmonatige Arbeitslosigkeit zur Vorbereitung: „Ich habe mehrere Seminare besucht und ein umfassendes Konzept geschrieben‘, sagt der 34-Jährige. ‚Auf diesem Weg habe ich die Chancen, aber auch die Risiken herausgearbeitet, die auf mich und mein Unternehmen zukommen.'“

Das sich gute Vorbereitung auszahlt, beweist Johanna Ismayr mit ihrer Firma Walks+Talks: Die Berlinerin stellte schon in ihrer Zeit als Journalistin fest, dass es in der Hauptstadt wenige attraktive Treffpunkte für Politiker, Unternehmen und Medien gab. Inzwischen ist die 32-Jährige mit Veranstaltungen wie etwa einem gastronomischen Angebot, dem so genannten Bundespressestrand am Spreeufer, so erfolgreich, dass sie ihre Ich-AG im Juni wieder abgemeldet hat. Grund: Ismayr verbuchte im ersten Geschäftsjahr mehr als die erlaubten 25.000 Euro Gewinn.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was bei der Gründung mit Hilfe der Ich-AG zu beachten ist.

Wie die Bundesagentur für Arbeit hilft

Ich-AG oder Überbrückungsgeld: Arbeitslose können zwischen zwei Förderalternativen wählen. Hier die Unterschiede im Kurzüberblick. Eine detaillierte Info-Broschüre sowie Software erhalten Sie über www.bmwi.de. Das Bundeswirtschaftsministerium berät über die Hotline 01805-615002.

Ich-AG

Die Voraussetzungen: Bezug von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe oder vergleichbare Leistungen wie ABM beziehungsweise SAM, Unterhaltsgeld, Übergangsgeld, Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld und Winterausfallgeld.

Dazu müssen Sie in den letzten drei (unter bestimmten Bedingungen fünf) Jahren vor Beginn der Arbeitslosigkeit zwölf Monate beitragspflichtig beschäftigt gewesen sein, also Beiträge in die Arbeitslosenversicherung bezahlt haben. Ihre Gründung muss erfolgen, so lange Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben oder spätestens einen Monat nach Auslaufen.

Wenn Ihr Arbeitslosengeld demnächst ausläuft oder Sie bereits Arbeitslosenhilfe beziehen, sollten Sie besser dieses Jahr noch gründen. Denn auf der Basis von Arbeitslosengeld II wird es ab 01.01.2005 weder Ich-AG noch Überbrückungsgeld geben, sondern nur das sehr viel weniger attraktive „Einstiegsgeld“. Beginnen Sie jetzt mit Ihren Vorbereitungen, denn für die Antragstellung müssen Sie mehrere Monate rechnen.

Inzwischen ist, ebenso wie beim Antrag auf Überbrückungsgeld, ein BusinessPlan notwendig.

Der Zuschuss: Monatlich 600 Euro im ersten, 360 Euro im zweiten, 240 Euro im dritten Jahr. Eine gesetzliche Rentenversicherung ist Pflicht: monatlich rund 232 Euro (West), 195 Euro (Ost). Eine gesetzliche Kranken- (mindestens 170 Euro) und Pflegeversicherung (mindestens 20 Euro) sind freiwillig. Der Bruttogewinn darf 25.000 Euro im Jahr nicht übersteigen. Mitarbeiter dürfen eingestellt werden.

Überbrückungsgeld

Die Voraussetzungen: Jeder, der Anspruch auf Arbeitslosengeld I oder -hilfe hat, kann das Überbrückungsgeld beantragen. Die Kammer oder eine andere Expertenstelle muss die persönlichen und fachlichen Voraussetzungen sowie die finanzielle Tragfähigkeit des Projekts beurteilen. Hierfür ist ein überzeugender Business-Plan notwendig.

Der Zuschuss: Sechs Monate in Höhe des entsprechenden Arbeitlosengelds plus pauschalierter Sozialversicherungsbeitrag (etwa 65 Prozent der Lohnersatzleistung).

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Fallen der Ich-AG Sie umgehen sollten.

Die Fallen der Ich-AG

Konrad Zipperlen, Gründungsberater der IHK München, nennt fünf typische Fehler, die Ich-AG-Gründern häufig unterlaufen. Er erläutert, wie junge Unternehmer die Fallen am besten umgehen:

Ungenügende Vorbereitung

Nutzen Sie die Zeit bis zur Anmeldung der Ich-AG zur detaillierten Vorbereitung. Bereits vor dem Start sollten sich Gründer zum Beispiel über den Markt, ihre Wettbewerber und deren Angebote informieren.

Fehlende Grundkenntnisse

Selbst Ich-AGler, die zunächst nur eine Firma im kleinen Stil gründen, müssen sich kaufmännische Grundlagen aneignen. Zum Beispiel: Wie kalkuliere ich meine Preise? Wie funktioniert eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung? Wie formuliere ich Rechnungen richtig? Wie soll ich vorgehen, wenn Kunden nicht rechtzeitig zahlen?

Zu knappe Finanzplanung

Der Zuschuss reicht gerade für die soziale Absicherung des Gründers. Doch in der Startphase verschlingen die Büroausstattung, das Warenlager oder die erste Werbung große Summen. Deshalb: unbedingt für ausreichend finanzielle Reserven sorgen.

Mangelnde Unterstützung

Ich-AG-Gründer haben keinen Nine-to-five-Job. Nach Geschäftsschluss oder am Wochenende fallen oft noch Büroarbeiten an oder das Warenlager muss neu bestückt werden. Wer in dieser Situation bei Freunden und Angehörigen kein Verständnis findet, steht schnell allein da und gibt vielleicht am Ende sogar frustriert auf. Machen Sie sich und Ihrem Umfeld klar, dass Sie nun Unternehmer und kein Angestellter mehr sind.

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