Diverses Erfolgreich scheitern

Erfolgreich scheitern

Das Glück begann für den Amerikaner Tom Sternberg, als sein Arbeitgeber den Harvard-Absolventen vor die Tür setzte. Sternberg machte sich selbständig und gründete einen Büromarkt. Heute gibt’s davon 1300 in Amerika und schon 60 in Deutschland. Und die Erfolgs-Story von Staples ist fast so berühmt wie die von Microsoft-Gründer Bill Gates.

Unternehmer zu werden nicht aus eigenem Wunsch und Streben heraus, sondern weil es die Umstände erzwingen – das tun in Deutschland Jahr für Jahr hunderttausende. Erfolgreiche Hochschulabsolventen, die weder beim Staat noch bei Konzernen eine Anstellung finden. Und etablierte Manager, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ein attraktives Outsourcing-Angebot erhalten. Nicht jedem fällt der Start in die unfreiwillige Selbständigkeit leicht, wie unsere Reportage im Gründer-Sonderteil »Die zweite Karriere« zeigt. Nicht jeder schafft es im ersten Anlauf. Und mancher stellt nach dem vergeblichen zweiten Versuch fest, er hat doch nicht das Zeug zum Unternehmer.

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Wer’s schafft, ist alles andere als ein Selbständiger zweiter Klasse – selbst wenn das Unternehmertum nicht ganz freiwillig begann. Denn auch der Unternehmer aus Überzeugung kennt Zweifel, die quälenden Aufs uns Abs. In Wahrheit verbindet beide gerade dies: die Lust am Gestalten – die erst dann zur Herausforderung wird, wenn eben nicht alles nach Plan läuft. Für Wirtschaft und Nation sind die Gründer wider Willen mehr wert als alle Konjunkturprogramme zusammen. Denn insgesamt sinken die Gründerzahlen, allein 2002 um 3,8 Prozent. Jene Gründer, die man zu ihrem Glück erst zwingen musste, füllen diese Lücken auf. Unterm Strich kommen dabei mehr Unternehmertalente zum Vorschein als solche, die auf der Strecke bleiben. Und dies ist allemal besser, als eine ganze Generation gleich aufs Arbeitsamt zu schicken.

Vorschlag an Berlin: Übernähme der Staat die Schulden dieser Pleitiers (Stichwort: Risikokapital), anstatt Arbeitslose zu alimentieren, käme er billiger weg. Deutschland braucht mehr von diesen Gründern wider Willen. Dann wird es auch hier zu Lande mehr Firmen wie Staples geben, die inzwischen 53000 Menschen Arbeit gibt. Vorausgesetzt, Politik, Medien und Banken in Deutschland hören endlich damit auf, gescheiterte Gründer mit dem Stigma des Versagers zu versehen. impulse will Gründern Mut machen, solche Durststrecken durchzustehen.

Deshalb werden wir im nächsten Jahr gemeinsam mit Unternehmer Rolf Beisse von der Mewa Textil-Service AG in Wiesbaden den renommierten Deutschen Service-Preis um eine Kategorie erweitern: Erstmals gibt es einen Preis für jene Gründer, die nach dem ersten Scheitern nicht aufgegeben haben und es dann aber im zweiten Anlauf schafften.

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