Diverses Es bewegt sich etwas vor dem Sofa

Vier Jahre nach dem Start von Nintendos Wii ziehen Sony und Microsoft mit Konzepten für Bewegungsspiele nach. Zu spät? Impulse.de gibt einen Überblick über die Systeme und stellt einige Spiele vor.

Dass Microsoft und Sony dem Erfolg von Nintendo überhaupt so lange zugeschaut haben, verwundert. Schließlich konnte Wii in den Verkaufszahlen vom Start weg deutlich an der Konkurrenz vorbei ziehen. Und dass, obwohl die Spielkonsole technisch nicht so leistungsstark ist, wie Playstation 3 oder Xbox 360. Aber genau da liegt der Erfolg von Wii, denn die Konsole konzentriert sich nicht auf schneller, höher, weiter, sondern hat dem Markt ein neues Konzept angeboten.

Während Sony und Microsoft bisher versucht hatten, den sogenannten Hardcore-Gamer für sich zu gewinnen, also den Computerspieler, der Wert auf viel technische Leistung, aufwendige Grafik und realistische Spielszenarios legt, hat Nintendo sich neue Spielertypen erschlossen. Vor allem jene, die sich vorher nicht vorstellen konnten, jemals an einer Spielkonsole gefallen zu finden, wurden vom Wii-Konzept überzeugt.

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Runter vom Sofa, rein ins Spiel, selbst aktiv werden, das ist das Erfolgsgeheimnis. Der Spieler muss für das virtuelle Tennis selbst den Arm schwingen und kann Fitnesskurse vor dem Fernseher belegen. Damit konnte Nintendo auch vermehrt einen hohen Anteil weiblicher Fans und Videospielmuffel für sich gewinnen.

Jetzt haben Microsoft und Sony ihre Systeme um genau diese Komponenten erweitert – mit unterschiedlichen Ansätzen.

Impulse.de stellt die Angebote vor.

Das Prinzip Wii

Das wesentliche Merkmal von Nintendos Wii ist der seinerzeit neuartige, mit Bewegungssensoren gespickte Controller, der die Körperbewegung des Spielers auf den Bildschirm und somit in das Spiel übersetzt. Mussten Spieler von Videokonsolen wie Playstation, Dreamcast und Xbox zuvor Knöpfe und Sticks auf sogenannten Controllern zum Steuern bedienen, wird hier der Controller selbst bewegt.

Wiimote wird diese Fernbedienung genannt, deren Bewegungen mittels einer Infrarot Sensorleiste erkannt und an das Gerät übertragen werden. Die Leiste wird über oder unter dem Fernseher angebracht. Sie liefert die Grundlage für die Berechnung, wo sich die Wiimote jeweils im Raum befindet. So können Bewegungen und Eingaben ziemlich genau an die Konsole und somit an das jeweilige Spiel weitergegeben werden.

Der Spieler kann wesentlich direkter ein Teil des Spielgeschehens werden. Vor allem Sportspiele wie Tennis, Tischtennis, Volleyball oder Bogenschießen bekommen eine hohe Spieltiefe und beziehen den Spieler voll mit ein.

Beleg hierfür sind auch Titel wie „Mein Fitness-Coach“ (Ubisoft) oder „EA Sport Active“, die weniger sas Spiel als sportliche Ertüchtigung zum Ziel haben. Nicht unwichtiges Accessoire ist das Wii Balance Board, eine Art Trittbrett, das mit der Wii verbunden und mit Sensoren ausgestattet ist. Diese messen das Gewicht des Spielers und registrieren Gewichtsverlagerungen. Gepaart mit Informationen zum Nutzer wie Größe und Alter können die Programme so geschätzte Angaben zu Kalorienverbrauch und weiteren Trainingsergebnissen machen.

Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen wenden sich Darstellung und Präsentation der Spiele auf der Wii sehr stark an ein jüngeres Zielpublikum oder eben die ganze Familie. Die erfolgreichsten Titel drehen sich dann auch meistens um Figuren aus Nintendo-Klassikern vergangener Jahrzehnte wie Klempner Mario (Mario Party 2), Stachelschwein Sonic (Sonic Colours) oder Affe Donkey Kong (Donkey Kong: Country Returns).

Playstation Move von Sony

Der Fairness halber muss voraus geschickt werden, dass Sony bereits vor Nintendo mit Bewegungssensoren experimentiert hat. So beherbergt auch der Sixaxis-Controller der Playstation 3 Sensoren, die Bewegung in Spiele umsetzten können. Nur genutzt wird es wenig.

Bereits zu Zeiten der Playstation 2 konnten Spieler mit Hilfe der EyeToy-Kamera ohne Controller ins Spielgeschehen eingreifen. Damals hieß der Software-Titel EyeToy Kinetic, ein Fitness-Programm. Somit kann Sony auf Erfahrung in sowohl controllerbasierter als auch controllerloser Bewegungssteuerung zurückblicken. Erfolg hatten die Japaner damit jedoch wenig.

Und doch hat sich Sony jetzt mit Move für einen erneuten Versuch entschieden, der mit einem neuartigen Controller funktioniert. Im Grunde ist Sony hierbei den eigenen und den von Nintendo vorgegebenen Weg weitergegangen.

Der Move-Controller ist länglich wie die Wiimote und beherbergt ebenfalls Bewegungssensoren. Ein zusätzlicher Lichtball am Ende des Geräts dient dazu, dass nicht nur die Bewegungen des Spielers wahrgenommen wird, sondern auch die Position des Controllers im Raum. Dies wird von einer über oder unter dem Fernseher angebrachten Kamera (Eye-Camera) registriert und an die Playstation weitergeben.

Von der Handhabung her ähnelt Move somit dem Wii-Prinzip sehr. So kommt es nicht von ungefähr, dass auch die ersten Referenzspiele und Spielkonzepte stark an jene von Nintendos Anfangszeit erinnern: Sport, Spaß und Party stehen im Vordergrund.

Doch genau hier zeigt sich, dass Sony ein deutlich erwachseneres Publikum im Sinn hat. Wird auf der Wii fast ausschließlich mit kleinen Fantasiemännchen (Mis) gebowlt oder den genannten Comic-Allstars Tennis gespielt oder gerudert, stehen bei Move-Spielen realere Charaktere zur Auswahl. Zudem machen die meisten Move-Spiele dank der stärkeren Grafik optisch einen reiferen Eindruck.

Die Navigation durch Menüs innerhalb der Spiele klappt mit dem Move-Controller gut, subjektiv sogar etwas genauer als bei der Wii.

Kinect für Xbox 360 von Microsoft

Mit Kinect wagt Microsoft den vielleicht revolutionärsten Schritt in Sachen Steuerung: den Komplettverzicht auf einen Controller. Dafür haben die Amerikaner eine spezielle Kamera entwickelt, die im Zusammenspiel mit einer Software Bewegungen im dreidimensionalen Raum gezielt interpretieren und weitergeben kann. Die neue Hardware ist extrem leistungsfähig und hat bereits wenige Tage nach ihrem Marktstart viele Hobbyentwickler dazu animiert, sie auch als PC-Komponente umzufunktionieren. Für die Xbox bedeutet dies, dass der Nutzer sehr präzise mit Gesten und Körperbewegungen das Geschehen auf dem Bildschirm steuern kann.

Das klingt nicht nur nach Science Fiction, es fühlt sich zuweilen auch so an. So kann der Spieler in einigen Menüs im Stile von Tom Cruise in „Minority Report“ mit einem Wisch blättern oder zum nächsten Programmpunkt gelangen. Leider reagiert das System nicht in jeder Situation präzise, so dass man sich zuweilen nach dem Controller umsieht, um wenigsten in den Einstellungen schneller voran zu kommen. In den Spielen jedoch funktioniert die Ganzkörpersteuerung meist gut und bezieht den Spieler auf diese Weise wesentlich mehr in das Geschehen ein als es die Konkurrenz macht.

Microsoft muss zugestanden werden, mit Kinect ein Meilenstein der Videospielgeschichte kreiert zu haben, der hoffentlich viele neue Spielkonzepte nach sich ziehen wird.

Es liegt jedoch im Wesen von Kinect, dass sich das System gewissen Spielgenres wie beispielsweise Ego-Shooter verschließt. Wer will schon mit dem erhobenen Zeigefinger auf den Bildschirm zielen. Aber, wer weiß…

Die Spiele

Besser gut nachgemacht als schlecht selbst entworfen. Zum Start beider neuen Systeme liegt der Fokus eindeutig auf Spielkonzepte, die sich bereits bei der Wii bewährt haben. So finden sich in beiden Lagern Sport- und Partyspielsammlungen mit Disziplinen, die sich gut auf das neue Steuerungsprinzip anwenden lassen ebenso wie Fitness- oder Kampfsportprogramme.

Doch sowohl Sony als auch Microsoft haben für die kommenden Wochen und Monate zusammen mit unterschiedlichen Entwicklern eine breite Auswahl an weiteren Spielen angekündigt.

Eine kleine Auswahl:

Move Sports Champions vs. Kinect Sports / Motion Sports

„Sport Champions“ ist einer der Starttitel für Move. Er ist darauf ausgelegt, die unterschiedlichen Möglichkeiten des neuen Systems zu zeigen. Von Frisbee-Golf und Schwertkampf über Beach-Volleyball und Tischtennis bis hin zu Bogenschießen und Boccia finden sich hier Sportaktivitäten, die den Spieler sofort vom Sofa runterholen sollen. Vor allem zeigen sie aber, wie präzise die Steuerung mit dem neuen Controller ist. Jede leichte Drehung des Handgelenks wird registriert und beeinflusst die Aktionen auf dem Bildschirm. Das macht Spaß.

Andere Sportarten präsentiert die Kinect-Sammlung „Kinect Sports“. Sie erfüllt den gleichen Einführungszweck wie „Sport Champions“. Jedoch kann Microsoft hier gleich den größten Vorteil seines Systems in die Waagschale werfen: den Einsatz des ganzen Körpers. Ein Elfmeterschießen beim Fußball oder ein Hürdenlauf lassen sich nur mit diesem System ohne Zusatzgeräte spielen. Andere Sportarten sind Tischtennis, Bowling, Boxen, Beach Volleyball. So ist ein direkter Vergleich zu Move naheliegend. Prinzipiell funktionieren alle Spiele gut und beziehen den ganzen Körper mit ein. Während die Bowlingkugel sehr gut auf die Bewegung des Spielers reagiert, ist beim Fußball eine eher unnatürlich steife Körperhaltung gefragt, um den Ball in die gewünschte Richtung zu schießen.

Gleiches gilt für Kinect „Motion Sports“ von Ubisoft. Allerdings können häufig nur Teilaspekte einer Sportart gespielt werden, wie eben ein Elfmeterschießen oder dem Passwurf eines Quarterbacks beim American Football. Weitere Sportarten sind hier: Boxen, Reiten, Drachenfliegen. Auch „Motion Sports“ macht Spaß, und hat vielleicht sogar die exotischeren Sportarten am Start.

Alle drei Titel sind für das kurzweilige Spielvergnügen gelungen, wirken jedoch unvollständig. Die Anzahl der Disziplinen ist klein und wirken im Falle von „Motion Sports“ zum Teil sogar nur wie eine Demo. Klar scheint schon jetzt, dass bald Fortsetzungen folgen.

Move – The Fight vs. Kinect – Fighters Uncaged

Es muss bei Bewegungsspielen einfach auf der Hand liegen, zum Start ein Prügelspiel im Fight-Club-Stil im Angebot zu haben. Anders lassen sich die frappierenden Ähnlichkeiten von „The Fight“ für Move und „Fighters Uncaged“ für Kinect nicht erklären. Beide Spiele schicken den Spieler in Hinterhöfe oder dunkle Underground-Clubs, um mit bloßen Fäusten Gegner um Gegner auf den Beton zu schicken. Soviel zu den Gemeinsamkeiten.

Vor allem Filmfans werden bei „The Fight“ feuchte Augen bekommen, denn kein anderer als Hollywoods Ober-Mexicaner Danny Trejo („Machete“) tritt gleich zu Beginn als Mentor des Spielers auf, der ihm alle Tricks und Kniffe beibringt, um im Straßenkampf zu bestehen. Dank des Kultschauspielers haben so sogar die arg klichébeladenen Lehrmeistersequenzen ihre ganz spezielle Dynamik.

Im Spiel selbst ist man jedoch auf sich und seinen Move-Controller allein gestellt. Sony hat klugerweise die Option integriert, anstelle eines zweiten Move-Controllers den bewegungsempfindlichen Playstation-Controller zu verwenden, um auch die zweite Hand zu bedienen. Das spart Geld und funktioniert ganz gut, allerdings nicht optimal. Nicht selten macht die Spielfigur im Bildschirm andere Bewegungen als der Spieler davor. Mit ein wenig Übung jedoch schlägt man sich im wahrsten Sinne des Wortes gut durch.

Übung braucht es bei Ubisofts „Fighters Uncaged“ für Kinect zwar auch, doch der Spieler kommt schneller zum gewünschten Ziel bzw. Erfolgserlebnis. Hier machts ich besonders der Ganzkörpereinsatz positiv bemerkbar. Während „The Fight“ lediglich Aktionen von der Hüfte aufwärts registriert, kann der Uncaged-Spieler auch mit Knie, Bein und Fuß den Gegner bearbeiten. Da das erstaunlich genau und variabel funktioniert taucht der Spieler tief in das Spiel ein – Schweißperlen garantiert.

Weitere Anspieltipps

Es gibt es für beide Systeme bereits eine illustre Auswahl an Spielen. Hier ein paar Empfehlungen:

The Shoot (Move)

Mit diesem Spiel ist Sony auf den Hardcore-Gamer aus, der bis dato eher einen Bogen um die sogenannten Bewegungsspiele gemacht hat. Bei „The Shoot“ wird der Spieler zu einem Schauspieler der an Filmsets von Western bis Science Fiction agieren muss – vornehmlich in Szenen mit Schusswechseln. Der Move-Controller dient dabei als Waffe, mit der der Spieler auf die im Set auftauchenden Pappkameraden zielt und schießt.

Warum ist dies ein Vorgeschmack für Hardcore-Gamer? Weil bereits viele Titel angekündigt wurden, die weniger den spielerischen Hintergrund von „The Shoot“ aufweisen, sondern vielmehr Fortsetzung bekannter und beliebter Ego-Shooter sind, wie beispielsweise der nächste Teil aus der Reihe „Socom“.

Es verwundert nicht, dass es für solche Spiele bereits Pistolenaufsätze gibt, in die der Controller eingebettet werden kann, um so ein vermeintlich realistischeres Spielgefühl zu bekommen.

Rapala Pro Bass Fishing (Move)

Apropos Aufsätze und Zubehör: Ein ganz besonderes Accessoire kann für das Spiel „Rapala Pro Bass Fishing“ hinzugekauft werden, eine virtuelle Angel. Bei diesem Spiel ist weniger harte Action als vielmehr Engelsgeduld und viel Geschick gefragt. Denn im Stile eines echten Angelprofis kann der Spieler bei Rapala an richtigen Wettbewerben auf originalgetreu nachgestalteten Seen teilnehmen – TV-Kommentar inklusive. Die Angel ersetzt in diesem Fall den Move-Controller und soll für besonders realistische Abläufe sorgen. Für Freunde von Angelspielen ist dieses Zubehör mit Sicherheit ein Pflichttitel für die Playstation. Das Spiel gibt es auch im Bundle inklusive Angel-Controller.

Kinectimals (Kinect)

Es mag vielleicht etwas sehr verspielt klingen, sich mit Tierbabys auf einer Märcheninsel die Zeit zu vertreiben, doch gerade für kleinere Spieler und als Einstieg in die Handhabung mit Kinect ist „Kinectimals“ ein geeigneter Titel. Der Spieler sucht sich zu Beginn ein Raubtierkatzenbaby aus, das ihn fortan auf einer Entdeckungsreise durch die Insel begleitet. Kleine kurze Spiele, wie Stöckchen holen oder die obligatorische Streicheleinheit, garnieren im Grunde nur das Kinect-Training. Mama und Papa können sich Zeit mit einer Schatzsuche vertreiben. Interessant: dank des in der Kinect-Kamera integrierten Mikrofons kann der Spieler auch per Stimme mit „seinem“ Haustier kommunizieren.

Fazit

Es wäre fast unfair, nur einem System den Vorzug zu gewähren. Die Wii liegt gewollter Maßen von den Möglichkeiten deutlichen hinter der Konkurrenz. Aber sie hat ihre Fans bereits gefunden und versucht auch gar nicht beim technischen Kräftemessen von Move und Kinect mitzumachen. Diese sind eindeutig auf Konfrontationskurs und versuchen sich auf vielen Ebenen direkt zu messen. Dies ist jedoch nicht notwendig, da aufgrund der unterschiedlichen Konzepte jede am Ende ihre Zielgruppe finden wird.

Unter dem Strich machen alle Konzepte viel Spaß!

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