Diverses „Es ist eine potenzielle Belastung für die Beziehung“

Arist von Schlippe vom Wittener Institut für Familienunternehmen berät Unternehmerpaare. Für ihn sind Doppelspitzen Gefahr und Chance zugleich.

Warum gibt es so wenige
Chefpaare? Die meisten
scheinen ziemlich glücklich
zu sein, und die Unternehmen
laufen gut.

Wenn das Modell funktioniert, dann meist
auch sehr gut. Nur wenn in der Beziehung
etwas schiefläuft, hängt der Betrieb sofort
mit drin. Ich kenne den Fall, wo die Partner
lieber wollten, dass der Betrieb pleitegeht.

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Wie werden Paare normalerweise
Geschäftspartner?

Paare wachsen meist langsam in ihre
Rolle hinein. Die Firma wird dann für sie
ein sinnstiftendes Projekt, das über die
Beziehung hinausweist.

Was für Probleme bringt das mit sich?

Es ist eine potenzielle Belastung für die
Beziehung. Partner unterschätzen oft die
Belastung. Sie müssen sich im Klaren sein,
dass sie eine Ehe zu dritt führen. Bei jeder
Unternehmensentscheidung gerät das Paarsystem
mit in Schwingung und umgekehrt.

Sie müssen Beruf und Privates trennen?

Genau. Zum Beispiel, indem sie unterscheiden:
Jetzt spreche ich als Unternehmer, jetzt
als Liebespartner. Ein Paar entschied, sich
rote Stecknadeln ans Revers zu heften, wenn
sich beide als Geschäftsführer gegenübertreten.
Ein anderes siezt sich im Betrieb.

Ist es kein Vorteil, auch zu Hause über
die Firma sprechen zu können?

Schon. Dennoch müssen sie sich bewusst
sein, dass in einer Beziehung anders mit-
einander kommuniziert wird als im Unternehmen.
In der Familie ist es egal, worüber man
spricht. Hauptsache, man zeigt: Wir gehören
zusammen. Im Unternehmen geht es darum,
rationale Entscheidungen zu fällen. Wer
die Sphären nicht auseinanderhält, riskiert,
dass eine gestörte Bindungskommunikation
inhaltliche Entscheidungen verseucht.

Sollten beide gleichberechtigt sein?

Heißes Eisen. Es ist leichter, wenn einer
formell das letzte Wort hat. Sonst werden
kleine Konflikte sofort Grundsatzdebatten.

Viele Unternehmerpaare sagen,
dass sie sich viel näherstehen, seit
sie gemeinsam den Betrieb leiten.

Ein Unternehmen kann Quelle von Gemeinsamkeit
sein. Wir dürfen nicht vergessen:
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Arbeit,
Partnerschaft, Familie untrennbar vereint.
Solch ein Leben kann größtes Glück bedeuten.
Oder größtes Unglück.

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