Diverses Euro-Tagebuch

Der Euro bewegt auch ein gutes halbes Jahr nach seiner Einführung immer noch die Gemüter. Wir führen für Sie das Euro-Tagebuch.

Der Euro bewegt auch ein gutes Jahr nach seiner Einführung immer noch die Gemüter. Doch was ist dran an der Diskussion um den „Teuro“?
Unser Tagebuch zeichnet die Debatten der Öffentlichkeit für Sie auf. Machen Sie sich selbst ein Bild davon, ob der Euro wirklich ein Teuro ist.

Auf dieser und den nachfolgenden Seiten finden Sie die Chronologie der Ereignisse, beginnend mit dem jüngsten Datum.

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28. August: „Teuro-Ärger in Griechenland“

Die Deutsche Presseagentur (dpa) meldet: Nach Frankreich und Italien schlägt jetzt auch in
Griechenland die «Teuro»-Diskussion hohe Wellen. Wie die griechische
Presse am Mittwoch berichtete, haben die Verbraucherverbände des
Landes die Griechen dazu aufgerufen, am 3. September nichts
einzukaufen. Mit diesem Boykott soll auf die unerklärliche
Verteuerung zahlreicher Produkte hingewiesen werden. Nach offiziellen
Angaben war in den vergangenen drei Monaten eine stufenweise Erhöhung
der Preise besonders im Lebensmittelbereich und hier vor allem bei
Gemüse von bis zu 40 Prozent registriert worden.
Das griechische Wirtschaftsministerium befürwortete diesen Boykott
und drohte seinerseits damit, eine Liste der Betriebe zu
veröffentlichen, die ihre Produkte um weit mehr als die 3,5 Prozent
Inflationsrate in den vergangenen Monaten verteuert haben.

14. August: Die neue Preisstatistik für Juli ist da

Genau um 0,998 Prozent ist die Lebenshaltung der privaten Haushalte im Juli 2002 teurer als im Juli 2001. Der Abstand zum Vorjahresmonat hat sich damit gegenüber Juni 2002, als er noch 0,8 Prozent betrug, leicht vergrößert. Dies ermittelte das Statistische Bundesamt.

Für die Analyse der Euro-Einführung und ihrer Auswirkung auf die Preise ist allerdings nur der Zeitraum seit Dezember 2001, dem letzten D-Mark-Monat, aussagekräftig. Ergebnis hierzu: Im Juli war die Lebenshaltung 1,6 Prozent teurer als Ende 2001.
Dieser Anstieg ist maßgeblich auf überdurchschnittliche Preisanhebungen bei privaten und staatlichen Dienstleistungen zurückzuführen. Das Preisniveau im Einzelhandel hat sich nämlich zwischen Dezember und Juli lediglich um 0,3 Prozent erhöht. Von Juni auf Juli ist es sogar um 0,2 Prozent gesunken.

Wollen Sie wissen, wie sich einzelne Posten der rund 700 Güter, die den Preisindex für die Lebenshaltung bilden, seit Dezember entwickelt haben? Hier ist der interaktive Zugang zu der impulse-Datenbank.Geben Sie dort einfach einen Suchbegriff ein. Das Ergebnis zeigt Ihnen in den ersten drei Spalten die jeweiligen Indexwerte, in der vierten Spalte finden Sie die Preisveränderung von Dezember ’01 bis Juli ’02 in Prozent. Preisübersicht

13. August: „Preis-Wert-Forum“ ein Fehlschlag?

„Das Anti-Teuro-Forum von Frau Künast ist ein Riesenerfolg – für den
deutschen Einzelhandel. Bis heute haben sich dort lediglich 162 Verbraucher
über vermeintliche unkorrekte Preisgestaltung in Zusammenhang mit der
Euro-Einführung beschwert. Womit eindringlich bewiesen wäre, dass sich
offenbar 69 482 038 Bürger im „kaufmündigen“ Alter fair behandelt fühlen und
keinen Anlass für Beschwerden haben.“

Ein Statement von Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer im Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Siehe auch Eintrag vom 31. Juli.

5. August: „Focus“ präsentiert „Focus Index“

Das Magazin „Focus“ kommt heute mit einer groß aufgemachten Geschichte zum Thema Inflation: „Die Wahrheit über die Preise“.
Danach ist die amtliche Preissteigerungsrate von 0,8 Prozent im Juni falsch, laut „Focus“ beträgt die wahre Preissteigerung drei Prozent.

Tatsächlich ermittelt der „Focus-Index“ etwas völlig anderes als das Statistische Bundesamt mit dem „Preisindex für die Lebenshaltung“. Während das Amt die Verteuerung eines fest vorgegebenen Warenkorbs ausweist, stellt „Focus“ dar, wie sich die Haushaltsausgaben von vier Musterhaushalten – und zwar einschließlich Steuern, Sozialversicherung und Zinsausgaben – entwickeln. Fazit: Unterschiedliche Zielsetzung, unterschiedliche Ergebnisse

31. Juli: Künasts „Preis-Wert-Forum“ jetzt online

Das von der Verbraucherministerin Renate Künast geförderte Online-Beschwerde-Forum für Konsumenten (siehe auch Eintrag vom 10. Juli) ist seit heute mit 82 Beschwerden und den Stellungnahmen der betroffenen Firmen einzusehen. Vorherrschender Eindruck: Die meisten Beschwerden beruhen auf Missverständnissen und widerlegten Beobachtungen. Sehen Sie selbst: www.Preis-Wert-Info.de

31. Juli: „Teuro-Gefühl schwindet“

Silberstreif am Horizont für die Konsumkonjunktur: Die Anschaffungsneigung der Verbraucher hat sich im Juli leicht verbessert, meldet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Einer der Gründe: Das subjektive Empfinden, dass mit dem Euro die Preise erhöht wurden, schwindet mehr und mehr aus den Köpfen der Verbraucher, schreiben die Nürnberger Forscher.

24. Juli: Preisanstieg im Juli 1 Prozent

Der Preisanstieg im Juli (Lebenshaltung aller privaten Haushalte) beträgt voraussichtlich ein Prozent im Vergleich zum Juli 2001. Dies gibt das Statistische Bundesamt heute bekannt.

22. Juli: Rewe-Chef über Managementfehler

Hans Reischl, Chef der Rewe-Gruppe, äußert sich im Focus Interview.

Frage: „Wie verantwortlich sind Sie für die Teuro-Diskussion?“

Reischl: „Wir konnten nicht die Preise aller Produkte abrunden (bei der Umrechnung von D-Mark in Euro). Bei 2000 Artikeln haben wir 1200 verbilligt und 800 leicht verteuert. Insgesamt sind wir nicht teurer geworden. Klarer Fehler war, im Winter auf bestimmte Produkte nicht ganz zu verzichten. Den Eisbergsalat, den wir Anfang des Jahres für 1,99 Euro anbieten mussten und jetzt für 49 Cent verkaufen, hätten wir aus dem Sortiment schmeißen sollen.“

22. Juli: Bundesbank: keine Preiswelle

Die Einführung des Euro-Bargelds hat nicht zu einer generellen Preiswelle geführt. Zu diesem Ergebnis kommen die Volkswirte der deutschen Bundesbank.

Höhere Energiepreise, höhere indirekte Steuern, witterungsbedingt höhere Nahrungsmittelpreise seien dafür verantwortlich, dass die Verbraucher das Gefühl hätten, vom Euro sei eine Teuerungswelle ausgegangen. Allerdings haben – laut Bundesbank – einzelne Unternehmen versteckte Preisaufschläge von langer Hand vorbereitet.

18. Juli: Deutsche Preise im internationalen Vergleich

Die Lebenshaltungspreise sind in Deutschland seit dem Jahreswechsel weniger stark gestiegen als in den meisten anderen Ländern der Europäischen Währungsunion. Die aktuellen Preissteigerungsraten für Mai 2002 gegenüber Dezember 2001 nach einer Übersicht des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (in Prozent):

Niederlande +3,2

Irland +2,7

Spanien +2,5

Griechenland +2,2

Portugal +2,0

Finnland +1,9

Italien +1,6

Frankreich +1,6

Luxemburg +1,5

Deutschland +1,5

Belgien +1,2

Österreich +0,9

17. Juli: Warnung vor Schrumpf-Euro

Als nicht waschecht erwiesen sich jetzt die Euro-Scheine. Ein Student aus Münster bezahlte mit einem vermeintlich gefälschten 20-Euro-Schein. Die Banknote war kleiner als das reguläre Muster und der Sicherheitsstreifen fehlte. Doch der Schein ist zweifellos echt. Der Westdeutsche Rundfunk über die vermutliche Ursache der wundersamen Schrumpfung: Das Euro-Papiergeld enthält Baumwolle. Gerät es in die Wäsche, läuft es ein.

16. Juli: Unternehmen spüren Teuro

Auch mittelständische Unternehmen bekommen den „Teuro“ zu spüren. Seit 1. Januar 2002 haben sich für 61,7 Prozent der deutschen Firmen mit weniger als 200 Beschäftigten die Beschaffungspreise „erhöht“ oder „stark erhöht“. Bei 33,4 Prozent blieben sie unverändert, bei 4,9 Prozent sanken sie.

Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung des Marktforschungsinstituts Wimmex AG, die impulse exklusiv präsentiert (Ausgabe August 2002).

16. Juli: „Teuro-Alarm per Handy“

Aus einer Pressemitteilung der Berliner Jamba AG von heute:

„Bundesweit greift der „Teuro-Frust“ um sich; in immer mehr Branchen werden „schwarze Schafe“ enttarnt, die die Euro-UmstelIung für dreiste Preiserhöhungen missbrauchen. Wer seinem Ärger über schamlose „Abzock-Manöver“ direkt vor Ort Luft machen will und gleichzeitig andere Verbraucher vor besonders kundenfeindlichen Firmen warnen möchte, kann dies jetzt – ganz schnell, unmittelbar und einfach – über sein Handy tun: Das Mobilportal Jamba! bietet ab sofort die Möglichkeit, per WAP-Handy bei der „Teuro-Polizei“ einen „Teuro-Alarm“ auszulösen. „

15. Juli: 700 Preise unter der Lupe

Brandaktuell: Die neuesten Übersichten des Statistischen Bundesamts über die Preisentwicklung im Juni belegen: Die Teuro-Diskussion in Deutschland ist eine Scheindiskussion. Das Amt ermittelt monatlich die bundesweiten Durchschnittspreise von rund 700 Waren und Dienstleistungen . Daraus wird der allgemeine Preisindex für die Lebenshaltung – die „Inflationsrate“ – ermittelt.

impulse hat nachgerechnet: Seit Dezember, dem letzten Monat vor der Euro-Bargeldeinführung, ist das Preisniveau insgesamt um 1,4 Prozent gestiegen. Schaltet man die rein jahreszeitlich bedingten Preissteigerungen aus, beträgt die (so genannte saisonbereinigte) Inflationsrate für den Zeitraum Dezember 2001 bis Juni 2002 nur 0,5 Prozent.
Von den 700 Preisen sind seit Dezember 61 Prozent gestiegen, 39 Prozent blieben unverändert oder sind sogar gesunken. Von großer „Euro-Abzocke“ kann also keine Rede sein.

Überprüfen Sie hier selbst die einzelnen Preise in 23 Produktgruppen!

15. Juli: Die psychologischen Fallen

„Der reguläre Euro-Preis am Regal wird häufig mit dem letzten Sonderangebotspreis verglichen. Diesem kognitiven Mechanismus der Konsumenten wird dann Tür und Tor geöffnet, wenn auf den Preisschildern neben dem Euro-Preis kein alter Mark-Preis angegeben wird. Denn dann wird nicht transparent , wie sich der Preis bei Umrechnung von Mark auf Euro entwickelt hat. Und die falsche Erinnerung der Konsumenten kann nicht korrigiert werden, was im Kontext der allgemein unterstellten Preiserhöhungspolitik fatale Auswirkungen hat.“ Aus einem Beitrag der Marktforscher Sigrid Schmid und Wilhelm Kampik, Gesellschaft für Innovative Marktforschung, im MarketingJournal 4/2002.

13. Juli: Aktion „Teurofreie Zone“

Am heutigen Samstag ist Wangen im Allgäu zur „teurofreien Zone“ erklärt worden. Erfinder der Aktion sind der Wirt Max Haller, Chef von „Kunst , Design & Kneipe“, und drei seiner Kollegen. Ihre Idee: Die Gäste zahlen heute nur so viel, wie ihnen der Verzehr wert erscheint. Haller und seine Mitstreiter verbinden diese Offerte mit einer Aufklärungs-Aktion, in der sie ihre Kalkulation einzelner Gerichte centgenau offenlegen. Der kurzgefasste Appell des Wirte-Quartetts: „Wir möchten Ihnen auf diesem Weg aufzeigen, mit welch spitzem Bleistift wir rechnen müssen. Außerdem möchten wir uns von einigen schwarzen Schafen, die es in unserer Branche gibt, distanzieren. Helfen Sie mit als unser Gast, solche Preistreiber durch Nichtbeachtung zu bestrafen.“ Die örtliche „Schwäbische Zeitung“ berichtete zweimal ausführlich – und wohlwollend – über die Aktion.

12. Juli: „Fair-Pay“-Aktion von Gillette

Die Gillette Deutschland (Marke „Braun“) plant in den nächsten Wochen eine „Fair-Pay“-Aktion im Handel. Auf Plakaten sind ausgewählte Produkte abgebildet mit ihren Preisen vor und nach dem 1. Januar 2002. Ziel: „Wir beweisen, dass die Preise unverändert sind“, sagt Geschäftsführer Rüdiger K.-G. Firlus.

11. Juli: 5000 Beschwerden an Künast

Der „Teuro-Sheriff“ der „Bild“-Zeitung übergab heute 5000 Briefe, Postkarten und E-Mail-Ausdrucke an Verbraucherschutzministerin Renate Künast. Inhalt: Beschwerden von „Bild“-Lesern über ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Preiserhöhungen.

11. Juli: Rekord bei Preisstabilität

Das Statistische Bundesamt gab heute die Preissteigerungsrate (Lebenshaltung aller privaten Haushalte) für Juni 2002 gegenüber Juni 2001 bekannt: 0,8 Prozent. Dies ist die niedrigste Rate seit Oktober 1999.

Wer redet da noch von Teuro…

10. Juli: Künast-Forum online

Das Preis-Wert-Forum ist offiziell an den Start gegangen. Ein Projekt der Verbraucherzentrale Bundesverband, unterstützt von Bundesverbraucherministerin Renate Künast. Auf der Website www.preis-wert-forum.de können Verbraucher Preisveränderungen anzeigen, die sie für unangemessen halten. Die betroffenen Firmen werden zu einer Stellungnahme aufgefordert und können ihre Preisgestaltung erläutern. Kritik und Erwiderung werden im Internet veröffentlicht.

Der deutsche Einzelhandel lehnt das Projekt ab, weil Firmen hier an den Pranger gestellt werden. Die Wirtschaftsverbände haben aus diesem Grund auch nicht an der heutigen Sitzung des „Anti-Teuro-Gipfels“ teilgenommen.

10. Juli: Schelte für Wirtschaftsverbände

Beim heutigen „Anti-Teuro-Gipfel“ blieben die Stühle der Wirtschaftsvertreter wie angekündigt leer. Verbraucherschutz-Staatssekretär Matthias Berninger rügte: „Gerade vom Hotel- und Gaststättenverband hätte ich erwartet, dass er teilnimmt. Alle Statistiken zeigen, dass es dort die größten Probleme gibt.“

10. Juli: Kanzler Schröder für Boykott

Im Interview zur Teuro-Diskussion mit „Bild“ äußert Bundeskanzler Gerhard Schröder Sympathie für Boykotte und die „Bild“-Zeitung : „Ich finde, es ist Sache mündiger Verbraucher, auch diejenigen zu bestrafen, die bestimmte Situationen ausgenutzt haben, und diejenigen zu belohnen, dies das nicht getan haben. Wenn sie dabei Hilfe durch Blätter mit großen Buchstaben bekommen, ist das auch nicht so schlecht.“

9. Juli: Zur unternehmerischen Freiheit

Jürgen Sussenburger schreibt im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Es gibt kein Verbot für den Bäcker, einen Euro fürs Brötchen zu verlangen … Preisregulator ist einzig und allein der Verbraucher. Der vergleicht und geht dorthin, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Die schwarzen Schafe werden dann schnell einsam.“

2. Juli: Detaillierte Analyse des Statistischen Bundesamts

Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes, stellt eine neue Studie vor. Titel: „Sechs Monate Euro – Eine Zwischenbilanz der amtlichen Preisstatistik“. Ergebnisse:
Unser Geld hat durch die Einführung des Euro nicht an Wert verloren. Die Jahresteuerungsraten der letzten Monate (Mai 2002: 1,1 Prozent; Juni 2002 nach vorläufiger Schätzung: 0,9 Prozent) zeigen, dass die Euro-Einführung auf die Lebenshaltungskosten insgesamt keinen wesentlichen Einfluss gehabt hat.

– Bei Dienstleistungen war die Umstellung im Januar nahezu auf einen Schlag erfolgt. Damit einher gingen deutliche Preiserhöhungen. Die aktuellen Zahlen lassen erkennen, dass diese Preisanhebungen bisher nicht zurückgenommen worden sind. Vielmehr setzt sich die – im langfristigen Trend leicht steigende – Preisentwicklung auf höherem Niveau fort.

-Bei Nahrungsmitteln hat sich die Lage einerseits entspannt. Dies gilt vor allem für die vorwiegend witterungsbedingten Verteuerungen für Obst und Gemüse zu Jahresbeginn. Andererseits gibt es Lebensmittel, wie Vollmilchschokolade, deren Preise erst im Frühjahr kräftig aufgerundet wurden, obwohl es hier bereits im Vorfeld Preiserhöhungen gegeben hatte. Teurer sind weiterhin Brötchen (+ 7,3 Prozent), Tomaten (+ 19,8 Prozent), H-Milch (+ 6,8 Prozent) oder Ölsardinen (+ 15,0 Prozent). Vor allem bei Saison- und Molkereiprodukten dürften aber andere Gründe als die Euro-Einführung für die Preissteigerungen ausschlaggebend sein.

-Der geschätzte Einfluss aller von Mai 2001 bis Mai 2002 festgestellten euro-induzierten Preisänderungen auf die Jahresteuerungsraten der untersuchten Produktgruppen – nicht für den Verbraucherpreisindex insgesamt – liegt zwischen – 0,9 und + 2,2 Prozentpunkten.

2. Juli: Einzelhandel ohne Schuld

Hubertus Pellengahr, streitbarer Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, ließ heute Dampf ab: „Teuro hat die besten Chancen, Unwort des Jahres zu werden. Das muss die Konsequenz aus der Untersuchung des Statistischen Bundesamts sein, das den Einzelhandel ohne Wenn und Aber vom pauschalen Vorwurf freigesprochen hat, die Euro-Einführung zu Preiserhöhungen genutzt zu haben.“

2. Juli: „Imaginärer“ Teuro

„Die Debatte um den Teuro findet im imaginären Raum der Psyche und der subjektiven Befindlichkeiten statt. Sie ist eine Mischung aus Wahlkampf und vorgezogenem Sommertheater. Mehr nicht.“ Schreibt Professor Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, in der heutigen „Süddeutschen Zeitung“.

20. Juni: Teuro ein Rechenfehler

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, verweist auf einen schlichten Rechenfehler bei der Teuro-Diskussion: „Viele Verbraucher multiplizieren die Euro-Beträge einfach mit zwei, um den Preis in Mark zu erhalten, obwohl das genaue Umtauschverhältnis bei knapp unter eins zu zwei* liegt. So entsteht gedanklich fälschlicherweise eine zusätzliche Inflationsrate von ungefähr 2,5 Prozent.“

*genau 1,95583

19. Juni: Boykottaufruf per Massen-Mail

Eine Mail mit anonymem Absender geistert massenhaft durchs Netz. Inhalt: Ein Aufruf zum »deutschlandweiten Streik gegen den Teuro am 1. Juli«. Einen Tag lang sollen die Verbraucher aus Protest gegen überhöhte Preise kein Geld ausgeben.

13. Juni: Teuro und T-Aktie

Leserbrief im neuen „Stern“ von heute: „Sicher, seit der Euro-Einführung ist vieles wesentlich teurer geworden, aber auch vieles billiger. Die Telekom-Aktie zum Beispiel kann man jetzt günstig bekommen.“

6. Juni: Kartellamt warnt

»Der Euro wird ein Teuro, wenn der Staat in die freie Preisbildung eingreift«, sagt Ulf Böge, Präsident des Bundeskartellamts.

6. Juni: „Gefühlte“ Inflation

Die „gefühlte“ (von den Verbrauchern empfundene) Inflation hat im Januar dieses Jahres bei knapp 4,5 Prozent gelegen und damit deutlich über der amtlich berechneten Inflationsrate von 2,1 Prozent. Dies ermittelte die Hypo-Vereinsbank.

4. Juni: „Bild“ startet Rabatt-Aktion

„Schluss mit dem Teuro, jetzt drückt Bild die Preise.“ Mit diesem Slogan beginnt das Massenblatt eine neue Kampagne. Jeden Tag erhalten „Bild“-Leser hohe Rabatte bei wechselnden Anbietern – gegen Vorlage einer Ausgabe von „BIld“. Heute zum Start zehn Prozent in allen Tchibo-Filialen.

31. Mai: Eklat beim „Anti-Teuro-Gipfel“

Das Gipfeltreffen der Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast mit Vertretern von Spitzenverbänden der Wirtschaft und der Verbraucherverbände geriet zum Eklat. Die Wirtschaftsvertreter zeigten sich verärgert, dass Künast ohne vorherige Absprache einen Reporter der „Bild“-Zeitung zu den Verhandlungen eingeladen hatte. Einseitig von Künast fixiertes Ergebnis des Treffens: Im Internet soll ein Beschwerdeforum für Verbraucher eingerichtet werden („Preis-Wert-Forum“).

30. Mai: Dienstleister sind Teuro-Sünder

Das Institut für angewandte Verbraucherforschung (IFAV) in Köln analysiert die Preisentwicklung nach der Euro-Einführung im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks. Ergebnis: »Drastische Preiserhöhungen sind vor allem im Dienstleistungsbereich festzustellen. Die Umstellung der Peise fand hier in aller Regel zum Jahreswechsel statt. Nur wenige Restaurants und sonstige Dienstleister haben ihre Preise schon vor diesem Termin umgestellt. Die meisten gaben im Jahr 2001 ihre Preise nur in DM an, da sie im Gegensatz zum Einzelhandel nicht zur doppelten Preisauszeichnung verpflichtet waren. Zum Januar 2002 führten diese Anbieter dann neue Preislisten ein, in denen ausschließlich Euro-Preise ausgewiesen sind. Dies wurde mit teilweise erheblichen Preiserhöhungen verbunden.
Bei der Bewertung sollte man allerdings berücksichtigen, dass zweifellos viele Preiserhöhungen, die »normalerweise« zu einem früheren Zeitpunkt fällig gewesen wären, auf diesen Zeitpunkt verschoben wurden. Ebenso wurden sicherlich viele Preiserhöhungen, die sonst erst im Laufe dieses Jahres vorgenommen worden wären, auf den Januar vorgezogen. Diese ungünstige Konstellation verstärkte den Preiserhöhungseffekt bei der Währungs-umstellung.
Im Lebensmitteleinzelhandel sieht das Ergebnis insgesamt vergleichsweise moderat aus. Zwar überwiegen die Preiserhöhungen, jedoch kann das Ausmaß nicht als überzogen bezeichnet werden, vor allem im Vergleich zur Preispolitik der Dienstleister.«

30. Mai: Gastronomen: „moderate“ Anhebung

Christian Ehlers, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands, zur Preisgestaltung seiner Branche: »Wenn aktuelle Berechnungen des Statistischen Bundesamts jetzt eindeutig belegen, dass die Preise im Gastgewerbe im ersten Quartal 2002 durchschnittlich nur um 3,7 Prozent gestiegen sind, kann von ‘Euro-Abzocke’ keine Rede sein. Hier wurden, auch im Sinne der sicheren Arbeitsplätze von über einer Million Mitarbeitern, Preise moderat an deutlich gestiegene Kosten angepasst.«

28. Mai: Bei Nahrungsmitteln keine Teuerung

Das Preisniveau für Nahrungsmittel ist durch die Euro-Umstellung nicht gestiegen. Die ist das Fazit einer Untersuchung der Preise in 1300 Einzelhandelsgeschäften der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle ZMP.

27. Mai: Kritik am Teuro-Gipfel

Der für kommenden Freitag, den 31. Mai, im Verbraucherschutzministerium anberaumte „Anti-Teuro-Gipfel“ mit Vertretern von Wirtschafts- und Verbraucherverbänden steht unter Beschuss.

Wirtschaftsminister Werner Müller: „Dieser Gipfel ist jetzt ein bisschen populärer Schaueffekt. Das hätte nicht sein müssen.“

Lothar Späth, Schattenwirtschaftsminister im Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber: „Die Frage des Euros – da hilft kein Gipfel und gar nichts. Das ist eine Frage des Anpassungsprozesses. Der wird sich in den nächsten drei Monaten ganz normalisieren.“

Die Financial Times Deutschland schreibt: „Ökonomisch betrachtet ist ein Teuro-Gipfel Blödsinn. Handel und Gaststätten dürfen ihre Preise selbst festlegen. Das weiß auch die Ministerin Künast.“

26. Mai: Karstadt-Urban irrt

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung passiert Wolfgang Urban, Chef des Warenhauskonzerns Karstadt, ein böser Lapsus. Auf die Frage »Warum zeichnet der Einzelhandel nicht weiter doppelt aus?«antwortet Urban: »Wir dürfen nicht, der Gesetzgeber hat die doppelte Preisauszeichnung bis zum 28. Februar dieses Jahres befristet.« Diese Antwort ist falsch. Es gibt keinerlei gesetzliche Vorschrift, die doppelte Preisauszeichnung verbietet.

25. Mai: Wirte-Präsident verurteilt schwarze Schafe

Ludwig Hagn, Präsident des bayerischen Gastgewerbes, geht die Teuro-Sünder in seiner Branche hart an: »Was einzelne Wirts-Kollegen da gemacht haben, ist schlicht und einfach unmoralisch.«

23. Mai: „Stern“ mit Teuro-Pranger

Das Hamburger Magazin »Stern« veröffentlicht 77 Fälle von »Preistreiberei« im Zusammenhang mit der Euro-Einführung. Namen der Beschuldigten werden genannt, ihre Rechtfertigung der Preiserhöhungen dargestellt.

23.Mai: Preise ein Problem der Wahrnehmung

Der Präsident des Statistischen Bundesamts, Johann Hahlen, in der „FAZ“ zur „gefühlten“ Inflation: „Es macht einen Unterschied, ob man morgens in der Bäckerei Brötchen aus dem Portemonnaie bezahlt und feststellt, dass sie teurer geworden sind, oder ob die – nahezu konstante – Miete mit Dauerauftrag abgebucht wird. So nehmen viele nicht wahr, dass die Preise sich nicht verändert habne oder sogar gesunken sind.“

21. Mai: „Teuro-Sheriff“ legt los

Seit heute ist der „Teuro-Sheriff“ von „Bild“ im Amt. Sein Job: „Er nennt Teuro-Sünder beim Namen. Er kämpft dafür, dass die überhöhten Teuro-Preise wieder fallen.“

15. Mai: Öffentliche Boykott-Aufrufe

Bundesfinanzminister über seine Einkaufsgewohnheiten: »Wo ich mich abgezockt fühle, da gehe ich nicht mehr hin.«

Ähnlich äußert sich der Präsident des Einzelhandelsverbands HDE, Hermann Franzen: „Wenn mein Friseur statt 40 DM nun 30 Euro verlangt, würde ich ihn fragen: Hast du richtig umgerechnet? Und wenn er sagt: „Nein, das ist nun mein Preis“, da sage ich Dankeschön und komme nicht wieder.“

13. Mai: Markenartikel preiskonstant

Der Markenverband untersuchte die Preise von 15 Premiummarken wie Persil, Maggi Fix, Knorr und so weiter. Ergebnis: Im ersten Quartal 2002, verglichen mit dem zweiten Halbjahr 2001, sind die meisten Preise konstant geblieben, einige sanken um bis zu drei Prozent.

13. Mai: Gastgewerbe gibt sich stabilitätsbewusst

Das Hotel- und Gaststättengewerbe verweist auf die »Preisdisziplin« der Branche: »Zwischen Dezember 1995 und 2001 haben die Gastronomen ihren Gästen lediglich eine Steigerung von 8,2 Prozent serviert und lagen somit deutlich unter dem allgemeinen Anstieg von 9,6 Prozent«, konstatiert Verbandspräsident Ernst Fischer.

9. April: „Preise überwiegend gesenkt“

Eine Studie von Marketing-Professor Hermann Diller, Universität Erlangen-Nürnberg, über Einzelhandelspreise von Gütern des kurzfristigen Bedarfs ergibt: »Von insgesamt 1213 im November 2001 und Februar 2002 überprüften Artikeln wurden nur 8,6 Prozent erhöht, aber 19,8 Prozent gesenkt.« Fazit der Studie: Der Schwarze Peter des Euro-Preistreibers liegt zu Unrecht beim Handel. Der Eindruck vieler Verbraucher, dass »alles teurer« geworden ist, beruhe auf einer stark selektiven Wahrnehmung von Negativbeispielen.

7. März: „Erst aufgeschlagen, dann abgerundet“

Der Einzelhandel hat sich durch die Preiserhöhungen im letzten Jahr zum Teil Spielräume geschaffen, um zum Zeitpunkt der Euro-Einführung verstärkt Preissenkungen durchführen zu können. Dies ist eine der zentralen Aussagen der abschließenden Erhebung einer Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) zur Preisentwicklung im Zuge der Euro-Einführung. Insgesamt bestätigt die Studie den weit verbreiteten Eindruck, dass Preise im Zuge der Euro-Einführung häufiger angehoben als gesenkt wurden.
Im Dienstleistungssektor und in der Gastronomie hingegen wurden die Preisänderungen weitgehend zeitnah zur Euro-Einführung vorgenommen. Zwischen Dezember und Februar wurden von den 200 beobachteten Dienstleistungen 22 gesenkt und 82 erhöht. Fazit: Vor allem der Stichtag 1. Januar wurde für Preiserhöhungen genutzt.

24. Februar: Teuro-Sünder vom Amt

Auch Städte und Gemeinden nutzten die Euro-Einführung, um die Gebühren teilweise deutlich zu erhöhen. Das belegt eine groß angelegte Euro-Preisuntersuchung des Instituts für angewandte Verbraucherforschung (IFAV) im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks.
34 Gebühren wurden untersucht. Bei über 70 Prozent davon haben die Kommunen draufgeschlagen, die Erhöhungen betrugen bis zu 20 Prozent.

31. Januar: Gastronomen wehren sich

Christian Ehlers, Hauptgeschäftsführer des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, beteuert: »Im Gaststättenmarkt sind die drastischen Verteuerungen der Arbeits- und Einkaufskosten kaum weitergegeben worden. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen besteht in Restaurants auf Grund der aufwändigen und kostenintensiven Umgestaltung der Speisekarten nicht die Möglichkeit, kurzfristig das Preisniveau zu korrigieren. Ein Teil der Gastronomen hat daher lange gewartet, längst überfällige Anpassungen im Zuge der Währungsumstellung vorzunehmen.«

17. Januar: „Teuro“ – Streit ums Urheberrecht

Der „Pons Pons 2001“-Preis für kreative Wortschöpfer wurde heute an „Focus“-Autor Jochen Schuster verliehen für die „Erfindung“ des Begriffs „Teuro“ in einem Beitrag vom 7. Mai 2001.

Die Jury irrte. Bereits in der Ausgabe Februar 1997 des Satire-Magazins „Titanic“ tauchte der „Teuro“ auf. Und ein einsamer Demonstrant protestierte 1998 vor dem Plenargebäude des Bundestags mit einem Plakat gegen die Euro-Einführung: „Euro-Teuro“ und „70 Prozent sind dagegen“ war da zu lesen.

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