Diverses Ex-Ebay-Chefin und ihr Wahlkampfhelfer im Tütü

Wahlkampf 2.0 gilt als Wunderwaffe der Kampagnenplaner. Darum setzt auch Meg Whitman beim Ringen ums kalifornische Gouverneursamt aufs Web. Doch ein blöder Tippfehler ihrer PR-Frau machte die Kandidatin zum Gespött der Community.

Spätestens seit der Twitter-Facebook-Myspace-Kampagne, die half, Barack Obama ins Weiße Haus zu bringen, ist dem letzten Provinzpolitiker klar: Klassischer Wahlkampf kommt heute nicht mehr ohne virtuelle Schützenhilfe aus. Dass die schöne neue Wahlkampfwelt durchaus einige Fallstricke bereithält, musste nun Meg Whitman, ehemalige Ebay-Chefin und derzeitige Kandidatin für das Gouverneursamt in Kalifornien erfahren.

Schuld daran ist Sarah Pompeii, die PR-Managerin der republikanischen Spitzenkandidatin. Die trommelt im Internet tüchtig für Whitman, und postet über ihren Twitter-Account allerlei Bilder von der Wahlkampftour, Informationen zu ihrem politischen Programm und Spitzen gegen Jerry Brown, den demokratischen Gegenkandidaten.

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Am Dienstag wollte Pompeii ihre Follower darüber informieren, dass Kaliforniens Polizisten Brown nicht für den geeigneten Kandidaten halten, die Kriminalität im Staat in den Griff zu kriegen. Dazu twitterte sie einen Link, der auf einen entsprechenden Artikel auf Whitmans Website verwies. Ober besser: verweisen sollte. Denn wer auf den Link klickt, der gelangt zu einem recht bizarren Youtube-Video.

Der Clip zeigt einen jungen Mann, der sich in ein rosaschimmerndes Tüllkleidchen samt Strapsen gezwängt hat und mit einer weißen Gitarre um den Hals zum Playback eines japanischen Rocksongs tanzt, während ein Ventilator das fisselige Haar des Interpreten durchpustet. Ähm ja.

Häme füllt die Kommentarspalten

Pompeii ist offenbar ein Fehler bei der Übertragung der Short-URL unterlaufen, einer für den Kurznachrichtendienst optimierten, kurzen Webadresse, die auf den vollständigen Link verweist. Ein winziges Missgeschick, jedoch mit dramatischen Konsequenzen.

Da im Web Reaktionen nicht lange auf sich warten lassen, dauerte es nur wenige Minuten, bis in der Kommentarspalte zu dem obskuren Clip des koreanischen Cross-Dresser Hyunmo Kim alias H. J. Freaks erste englischsprachige Kommentare auftauchten. Die sind voll der Häme für den asiatischen Protagonisten – und für Whitman.

So oder so führt der Irrtum gerade dazu, dass beider Bekanntheit dramatisch steigt: Rund 878.000 Menschen haben das verstörende Filmchen bislang gesehen. Und selbst wenn es sich bei Pompeiis Fehler in Wahrheit nur um einen äußerst raffinierten wie aufmerksamkeitsträchtigen Schachzug in Zeiten des virtuellen Wahlkampfs gehandelt haben sollte – die Web-Community ist auf jeden Fall um einen Youtube-Helden reicher.

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