Diverses „Extrasprit an den Tankstellen“

Revolutionäre Motorengeneration: Wolfgang Steiger, Chef der Antriebsforschung bei Volkswagen, kreuzt Diesel und Benziner. Im impulse-Interview verrät er, welche Vorteile das hat - und warum der Verbrennungsmotor noch längst nicht zum alten Eisen gehört.

impulse: Herr Steiger, um noch effizienter zu werden, kombinieren die großen Autohersteller Benzin- und Dieseltechnik. Wäre es nicht sinnvoller, Elektromotoren zu entwickeln?

Steiger: Klassische Automotoren gehören heute zu den am weitesten entwickelten Techniken, darin stecken immerhin mehr als hundert Jahre Entwicklungsarbeit. Deren Ende auszu­rufen wäre sicherlich voreilig, wir werden noch viele Jahre mit Verbrennungsmotoren fahren.

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Was bringt die Kombination aus Diesel und Benziner?

Wir wollen Motoren bauen, die so sauber verbrennen wie Benziner und so sparsam sind wie Diesel. Beim Benziner verteilen sich Kraftstoff und Luft gleichmäßig, sodass das Gemisch gut verbrennt. Andererseits sind Zündkerzen nicht optimal, hier hat der Diesel Vorteile, dessen Gemisch sich unter hohem Druck von selbst entzündet.

Mercedes arbeitet bereits am Diesotto, warum setzt Volkswagen mit dem Combined Combustion System (CCS) auf eine eigene Technologie?

Vereinfacht gesagt: Die Kollegen entwickeln einen Benzinmotor, der in bestimmten Bereichen in der Lage ist, ohne Zündkerze zu arbeiten. Und wir nehmen als Basis einen Dieselmotor mit verbesserter Gemischbildung.

Wo liegen die Vorteile?

Wir haben über Jahre beide Systeme erforscht und uns schließlich für den Diesel als Basis entschieden, weil die Technik beherrschbarer ist. Beim Benziner macht die ständige Umstellung vom Betrieb mit und ohne Zündkerze massive Probleme. Wir gehen davon aus, dass auch die Kollegen früher oder später auf unseren Weg einschwenken.

Im Gegensatz zum Diesotto, der mit herkömmlichem Benzin fährt, braucht der VW aber einen neuen Treibstoff.

Das stimmt, wir sprechen auch schon mit den Mineralölkonzernen. Positiv ist, dass die Tankstellen vorhandene Zapfsäulen problemlos auf den neuen Treibstoff umstellen können. Wir rechnen mit dem Marktstart des CCS jedoch frühestens im Jahr 2015, bis dahin
wollen wir das klären. Und wir wollen auch andere Autohersteller überzeugen, denn die Tankstellen werden keinen Extrasprit nur für VW anbieten.

Wird der CCS sparsamer sein als gewöhnliche Diesel?

Die saubere Verbrennung kostet im heutigen Dieselmotor einige Prozente beim Verbrauch. Doch wir können das ausgleichen, indem wir zum Beispiel heiße Abgase in den Zylinder leiten und verbrennen. Der Motor wird weniger verbrauchen als heutige Diesel­aggregate und beim CO2-Ausstoß rund acht Prozent besser abschneiden.

Wie sieht es mit dem Einsatz bei Nutzfahrzeugen aus?

Bei leichten Transportern gibt es keine Unterschiede zu Pkws, für deren Motoren wir die Technik bislang entwickeln. Schwere Lastwagen hingegen fahren viel mit Vollgas auf der Autobahn. In diesem Bereich haben wir noch Prob­leme, die Motoren verbrennen einfach nicht so effizient, wie wir uns das wünschen. Daran arbeiten wir.

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