Diverses Fall Müntefering: Der Kapitän kehrt zurück

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Die SPD kann auf bessere Zeiten hoffen: Der frühere Parteichef Franz Müntefering kehrt offenbar auf die politische Bühne zurück. Für die sozialdemokratische Führungsrige allerdings bedeutet Münteferings Rückkehr auch ein herbe Schlappe - sagt impulse-Redakteur Alexander Mayerhöfer.

Man muss loslassen können – Franz Müntefering hat das in beeindruckender Weise gezeigt, als er seine hohen Ämter niederlegte, um bei seiner schwer erkrankten Frau zu sein. Die SPD ist trotz ihrer Geschichte noch lange nicht so weit wie ihr ehemaliger „General“. Kein Monat ist vergangen, seit Münteferings Frau ihrem Krebsleiden erlag, und schon rufen viele Sozialdemokraten nach dem ehemaligen Parteichef und Arbeitsminister. Endlich einer, der die Partei wieder zusammenhält und Wähler begeistern kann. Ist sonst niemand dazu in der Lage?

Wenn Franz Müntefering tatsächlich in den nächsten Wochen eine wichtige Rolle in der Bundespolitik übernimmt, stellt sich die Frage, ob die SPD ihn ruft oder der Altvordere sich selbst in der Pflicht sieht. Ein guter Kapitän verlässt eben nicht das sinkende Schiff. Das Wahrscheinlichste ist eine Mischung aus beidem: Münte entscheidet, sich bitten zu lassen. Während die Partei ein unwürdiges Spektakel aufführt, sich zwischen linkem und rechtem Flügel zerreisst, wirkt der Sauerländer wie ein Heilsbringer: ein 68-Jähriger, der mit seiner lustigen Frisur (und der nötigen Portion Spaß) sogar bei Jugendlichen so etwas wie Politikbegeisterung auslösen konnte. Egal welcher Partei man nahesteht, Müntefering ist für alle ein Gewinn. Das sozialdemokratische Urgestein ist stur und überzeugt durch Geradlinigkeit. Die Linken um Andrea Nahles sollten sich allerdings schon einmal warm anziehen. Denn „der Franz“ ist auch im Streit um die Arbeitsmarktreformen gegangen. Wenn er jetzt wieder eingreift, wird er weniger zimperlich sein. Ein zweites Mal wird sich einer wie Müntefering nicht von linken SPD-Nachwuchstalenten wie Nahles überrumpeln lassen. Und für die Parteiprominenz um Beck, Steinmeier und Steinbrück ist der Ruf nach Müntes Führung ohnehin eine schallende Ohrfeige. Die alte Garde kann es halt immer noch am besten – bleibt die Frage, wann Schröder wiederkommt.

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