Diverses Fall Nokia – Punktsieg für den Populismus

Sebastian Callies: Ressortleiter Computer + Solutions

Sebastian Callies: Ressortleiter Computer + Solutions© Mario Theimer

Punkt eins - der mittägliche Kommentar auf impulse.de zu aktuellen Themen rund um den Mittelstand. Heute: impulse-Redakteur Sebastian Callies über den Sozialplan des finnischen Handy-Herstellers Nokia - der den Beschäftigten zwar großzügige Abfindungen garantiert, die Messlatte für andere Unternehmer allerdings hochsetzt.

Drei Monate ist es her, dass Nokia in spektakulär unspektakulärer Weise das Ende seines Bochumer Standorts und die Verlagerung nach Rumänien bekannt gegeben hat. Drei Monate ist es her, dass Ministerpräsidenten und Politiker jeder Couleur den finnischen Konzern lautstark als Subventionsheuschrecke beschimpften, mit dem Gang vor den Kadi drohten und Handys publikumswirksam auf Bühnen zertrampelten. Und drei Monate ist es her, dass Medien landauf, landab die Ohnmacht der Politik in Zeiten der Globalisierung anprangerten. Jetzt zahlt sich die flächendeckende Empörung tatsächlich aus. Im Schnitt 80.000 Euro erhalten die Nokia-Mitarbeiter als Abfindung. Rund 200 Millionen Euro lässt der Telefonriese springen, um sein Image rein zu waschen und eine Subventionsklage durch Nordrhein-Westfalen abzuwenden.

Während man den Noch-Beschäftigten nur aufrichtig zu einem der besten je vereinbarten Sozialpläne gratulieren kann, stellt sich bei näherer Betrachtung des Falles ein ungutes Gefühl ein. Für die Verlagerung der Handy-Fabrik gibt es ja betriebswirtschaftlich vernünftige Gründe. Mit seinem katastrophalen Kommunikationsverhalten hatte der finnische Konzern den Populisten in Parteien und Gewerkschaften jedoch kampflos das Feld überlassen. Für sachliche Argumente war es plötzlich zu spät, die Politiker hatten sich längst für den kleinen Mann in Pose geworfen. Dass es nun zu einem Ablasshandel – und damit einem Schuldeingeständnis – gekommen ist, beschädigt die Debattenkultur in unserem Land. Für Entscheider und Unternehmer wird es jetzt noch schwerer, harte Einschnitte oder Entlassungen in der öffentlichen Diskussion verständlich zu machen – und sich dabei nicht als Sünder brandmarken zu lassen. Seit gestern liegt die Messlatte für Sozialpläne ein gutes Stück höher. Der Fall Nokia ist ein Punktsieg für den Populismus. Es wird nicht der letzte sein.

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