Diverses Falsche Ängste, falsche Sicherheiten

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Klaus Schweinsberg, Herausgeber

Wenn es um die innere Sicherheit geht, betreibt die deutsche Politik im Moment eine eklatante Fehlalloka­tion von Ressourcen. Jeder pöbelnde Rabauke und islamistische Frömmler genießt derzeit die geballte Aufmerksamkeit des Sicherheitsapparats.

Das Fatale daran: Die hysterische Debatte um Randale und Terror verstellt die Sicht auf einen anderen, viel stärker florierenden Zweig des Verbrechens: die Wirtschaftskriminalität. In Deutschland wird manipuliert, spioniert und korrumpiert, wie es noch nie der Fall war.

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88 Prozent der Firmenchefs geben zwar zu Protokoll, dass sie sich persönlich davon nicht betroffen sehen. Aber seit Jahren verharrt die Zahl der Delikte auf dramatisch hohem Niveau, und die Schadenssummen steigen kräftig. Dass es bei anderen Unternehmern nicht gar so sauber zugeht und das Phänomen insgesamt an Bedrohlichkeit gewinnt, konzediert aber immerhin mehr als jeder Zweite. Nur acht Prozent glauben an einen Rückgang.

Anstatt hiergegen mit Nachdruck einzuschreiten und die Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden mit gut ausgebildeten Wirtschaftsfahndern und entsprechendem Equipment auszustatten, setzen die Innensenatoren ganz andere Prioritäten. Sie rüsten die Polizei mit Reiterstaffeln aus und schicken Schreibtischkommissare in die Nahkampfausbildung.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Staat hier verzweifelt versucht, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, nachdem er in den vergangenen Jahren bei allen anderen für die Bürger existenziellen Fragen wie Rente, Gesundheit und Arbeitslosigkeit versagt hat. Erschreckenderweise geht dieses Kalkül auf. Denn für populistische Forderungen nach mehr Polizeipräsenz gibt es immer den Beifall der Masse.

Weil die Sicherheitsbehörden ihre Kräfte an falscher Stelle bündeln, können die Wirtschaftskriminellen weitgehend unbehelligt ihren Machenschaften nachgehen. Auf internationalen Ranglisten der Korruption rutscht Deutschland deshalb von Jahr zu Jahr tiefer.

Dieser Abstieg darf sich nicht fortsetzen. Ansonsten verspielen wir nicht nur unseren guten Ruf, sondern auch den wirtschaftlichen Wohlstand. Und dann wird es wirklich ungemütlich auf den Straßen.

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Klaus Schweinsberg, Chefredakteur

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