Diverses Familienbande

Ob Ehepartner, Sohn oder Tochter: Mit der Stillen Gesellschaft können Unternehmerfamilien Steuern sparen.

Gar nicht so schlecht: Im Schnitt bis zu 35 Prozent Zinsen darf ein Firmenchef für Geld zahlen, das ihm Angehörige für sein Unternehmen zur Verfügung stellen. Und das Finanzamt muss die üppige Rendite für Ehepartner oder Kinder als Steuer sparende Betriebsausgabe durchwinken. Das hat der Bundesfinanzhof aktuell bestätigt (Aktenzeichen IV R 83/06). Doch was genau bedeutet „im Schnitt“? „Das heißt, es kann auch einmal mehr sein“, sagt Rechtsanwalt und Steuerberater Jürgen Michels von der Kanzlei OFM Oebel Fröhlich Michels aus Köln.

Toprenditen für Familienmitglieder

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Stille Gesellschaft heißt der Dreh, der in vielen mittelständischen Firmen kräftig Steuern spart. Das Prinzip: Ein Familienmitglied beteiligt sich an der Firma mit einer Einlage, die gegen einen Anteil am Gewinn ins Vermögen des Firmenchefs übergeht. Und das ganz ohne lästige Formvorschriften wie etwa Eintragung ins Handelsregister. Es entsteht auch kein Gesellschaftsvermögen, und Sohn oder Tochter werden durch die Beteiligung nicht selbst zu Kaufleuten. Der Unternehmer verbucht einfach das Geld auf einem Einlagekonto. Im Vertrag muss zwar eine Gewinn-, aber nicht unbedingt eine Verlustbeteiligung vereinbart werden. Stammt das Geld aus dem eigenen Vermögen des Stillen, sind Spitzenrenditen möglich. Bei einer geschenkten Beteiligung – etwa des Unternehmers an den Sohn – ist bei 15 Prozent Verzinsung steuerlich Schluss. Experte Michels: „Mehr ist aber leicht durch zulässige Gestaltungen in der Familie möglich“ (siehe Beispielsrechnung).

In dem vom Bundesfinanzhof entschiedenen Fall ging es um die stille Einlage eines Sohnes. Der hatte sich aus eigenen Mitteln an der väterlichen Firma beteiligt. Im Vertrag war vorgesehen, dass die Einlage (knapp 75.000 Euro) mit fünf Prozent jährlich zu verzinsen sei. Daneben gab es einen Gewinnanteil von 15 Prozent, der als absoluter Betrag mal höher und mal niedriger ausfiel.

Mögliche Verluste des Sohnes waren auf die geleistete Einlage begrenzt. Was dem Finanzamt missfiel: Die Firma verzeichnete in den vergangenen Jahren einen kräftigen Gewinnsprung. Davon profitierte auch der Filius anteilig. Zuletzt verbuchte das Unternehmen für den Sohn regelmäßig einen Gewinnanteil, der um 100.000 Euro pro Jahr betrug. Nach einer Betriebsprüfung strichen die Finanzbeamten die Gewinnanteile kräftig zusammen – auf umgerechnet jährlich 35 Prozent der Einlage, also rund 26.000 Euro – und kassierten beim Vater Einkommen- und Gewerbesteuer nach.

Manchmal sind Umwege nötig

Die Münchner Richter haben das in weiten Teilen abgenickt, starre Grenzen dennoch abgelehnt. Der Firmenchef hätte bei steigendem Gewinn allerdings mit seinem Sohn eine neue Vereinbarung über die Höhe des Anteils für die stille Einlage treffen müssen und zwar aufgrund einer Fünfjahresprognose für die Gewinnentwicklung. Der Anteil des Sohnes muss sich dann im üblichen Rahmen bewegen. Gibt es indes Sondereffekte beim Gewinn – etwa durch den Verkauf von Betriebsvermögen mit hohem Erlös – ist durchaus auch eine Verzinsung der stillen Beteiligung von mehr als 35 Prozent machbar.

Berater Michels: „Die Familie muss also nicht bei jedem Gewinnsprung die Verträge nachjustieren.“ Die gleiche Top-rendite ist auch dann möglich, wenn das Kind die Beteiligung an der Firma nicht mit eigenen Mitteln bestreitet. Dann bedarf es freilich einiger Umwege: Schenkt der Unternehmer nämlich selbst Sohn oder Tochter das Geld für die Firma, sind nur Gewinnanteile bis maximal 15 Prozent der stillen Einlage drin. Das hat der Bundesfinanzhof schon vor vielen Jahren bestimmt.

Geschenke können sich auszahlen

Clevere Firmenchefs, die trotz dieser Bestimmung mehr für den Nachwuchs wollen, spannen dafür den Rest der Familie ein. Sie schenken dann das nötige Geld etwa dem Ehepartner (Freibetrag: 500.000 Euro alle zehn Jahre) oder den eigenen Eltern (100.000 Euro). Und die reichen etwa ein halbes Jahr später freiwillig die Mittel an das Kind weiter (Freibetrag 400.000 Euro, wenn das Geld von Vater oder Mutter kommt). So etwas nennt sich Kettenschenkung. Die funktioniert, wenn es bei der ersten Schenkung keine Auflagen gibt, das Geld später weiterzureichen. Bei den genannten Beträgen bleiben die Deals unbehelligt von Schenkungsteuer. Der Clou: Stecken die Kinder dann das Geld als stille Beteiligung in die Firma, sind wieder 30 Prozent Rendite möglich. Und das normalerweise mit weniger Steuern als bei den Eltern. Weil es ja – über Umwege – ihr eigenes Geld war.

Was bei stillen Einlagen zu beachten ist: Verträge mit minderjährigen Kindern müssen von einem vom Amtsgericht bestellten Ergänzungspfleger abgesegnet werden. Ansonsten torpediert das Finanzamt die Abmachungen, und die Steuerersparnis entfällt. Ebenfalls wichtig: Obwohl es sich bei den Gewinnanteilen des stillen Gesellschafters um Einkünfte aus Kapitalvermögen handelt, gilt nicht die Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Die Überweisungen von der elterlichen Firma sind vom Junior dem persönlichen Steuersatz zu unterwerfen. Das ist kein Problem, wenn die Kinder sonst keine Einkünfte haben, weil sie etwa noch zur Schule gehen. Michels: „Rund 8600 Euro sind pro Jahr steuerfrei.“

Wenn die Kinder dann später studieren sollten, können sie von ihrem Gewinnanteil Studiengebühren, Lebenshaltungskosten, Bücher und sonstige Ausgaben bestreiten. Das entlastet die Eltern finanziell, und der Nachwuchs kann sich sorgenfrei um Vorlesungen und Seminare kümmern.

Treten Sohn oder Tochter nach Examen und einigen Stationen in anderen Betrieben in die elterliche Firma ein, können sie den stillen Anteil in einen KG- oder GmbH-Anteil umwandeln. So werden sie Mitunternehmer und bereiten sich auf die Nachfolge vor. Spätestens dann müssen sie auch mit ihrem eigenen Geld geradestehen, sollte die Firma Verluste schreiben. Und bei guten Gewinnen profitieren sie dann sogar noch mehr als zuvor.

Beispielrechnung: In aller Stille

In dieser Beispielrechnung schenkt die Frau eines Unternehmers ihrer Tochter zur Geburt 20.000 Euro, die als stille Beteiligung in die Familienfirma fließen. Vertraglich ist festgelegt, dass die Tochter einen Gewinnanteil bekommt, der rund 20 Prozent Verzinsung entspricht. So rechnet sich die Beteiligung steuerlich:

Vor der Beteiligung
Gewinn der Firma 120.000
Steuer (Splitting) 34.272
Nach der Beteiligung
Beteiligung 20.000
Gewinnanteil der Tochter 4000
Gewinn der Firma (neu) 116.000
Steuer (Splitting) 32.592
Steuer der Tochter
Die Familie spart (jährlich) 1680

Angaben in Euro

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