Diverses „Familienunternehmen haben einen längeren Atem“

Es sind über Generationen geführte Firmen, die Deutschlands Wirtschaft stärken, zeigt eine Studie der Stiftung Familienunternehmen. Stiftungsgründer Brun-Hagen Hennerkes erklärt im impulse-Interview, warum gerade Familienbetriebe die Krise meistern können.

Sie analysieren regelmäßig die führenden deutschen Familienunternehmen nach ihrem Umsatz, ihren Mitarbeiterzahlen und anderen Größen. Welche Veränderungen haben Sie in den vergangenen Jahren festgestellt?

Familienunternehmen wachsen nach wie vor gegen den Trend. Was wir schon mit unserer ersten Erhebung festgestellt hatten, die sich auf die Jahre 2005 bis 2007 bezog, hat sich auch für die darauf folgenden Jahre bestätigt. Während die DAX-Unternehmen Beschäftigte abbauten, stellten Familienunternehmen selbst im ersten Krisenjahr 2008 nach wie vor ein: Die Top 500 nach Beschäftigung bauten ihren Beschäftigungsstand um 2,2 Prozent jährlich auf. Ein beeindruckender Beleg für die Dynamik von Familienunternehmen ist auch die Steigerung des Umsatzvolumens: 2003 erwirtschafteten die TOP 500 nach Umsatz 634 Milliarden Euro weltweit, 2008 waren es knapp 911 Milliarden Euro.

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Es fällt auf, dass in dem Ranking der 500 größten Familienunternehmen auch Firmen vertreten sind, die mittlerweile massive Probleme haben oder sogar Insolvenz angemeldet haben, wie etwa Karmann. Wie kommt das?

Die Insolvenz von Karmann erfolgte nach Erhebung der Daten und hat zu einem Großteil mit der seit jeher schwierigen Verflechtung dieses Familienunternehmens mit den großen Autoherstellern zu tun. Karmann war spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion kleiner Fahrzeugserien, die mit der Krise eine unterkritische Größe erreichte bzw. von den Autoherstellern wieder selbst übernommen wurden. Natürlich ist besonders die Automobilbranche von der weltweiten Krise betroffen – das zeigt auch der Dauerkampf um Opel.

Welche Auswirkungen hat die Wirtschaftskrise auf die großen Familienunternehmen generell, sind sie geschwächt oder durch die Krise sogar gestärkt?

Viele Familienunternehmen haben die Boomjahre genutzt, um ein Polster anzulegen. Im Gegensatz zu den meisten DAX-Unternehmen haben sie ihre Gewinne reinvestiert oder ihre Eigenkapitalbasis gestärkt. Das gibt ihnen auch in Krisenzeiten einen längeren Atem. Tatsächlich konnten einige Familienunternehmen die Krise auch nutzen, um Übernahmen vorzubereiten beziehungsweise durchzuführen.

Welche sind die größten Herausforderungen für Deutschlands Familienunternehmen in der nahen Zukunft? Die Kreditklemme?

Eine generelle Kreditklemme gibt es bislang nicht, aber es gibt Befürchtungen, dass die Kreditvergabe nochmals deutlich rigider und die Konditionen schlechter werden. Vor allem langfristige Kredite werden weniger vergeben und können aufgrund des schwachen Umfelds kaum durch kapitalmarktnahe Finanzierungswerte aufgefangen werden.

Blicken Sie persönlich optimistisch in die Zukunft, und was erwarten Sie für das Jahr 2010?

Deutschland hat mit seinen großen Familienunternehmen, um die uns viele Länder beneiden, die besten Voraussetzungen, um als erstes Industrieland aus der Krise herauszukommen. Familienbetriebe sind einerseits flexibel und passen sich an geänderte Wirtschafts- und Marktbedingungen an, andererseits sind sie in ihren Märkten so bedeutend und international aufgestellt, dass sie sie ihre Marktanteile steigern können – trotz eines schwierigen Umfeldes.

Professor Brun-Hagen Hennerkes ist Vorstand und Gründer der Stiftung Familienunternehmen (www.familienunternehmen.de) und zählt zu den renommiertesten Experten im Bereich familiengeführte Firmen.

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