Diverses Fast keine Tabus

Outsourcen unproduktiver Randbereiche – das war gestern. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, delegieren Chefs jetzt auch Kernaufgaben: an so genannte Innovationspartner.

Vergessen Sie für einen Moment
alles, was Sie über Ihr
Unternehmen wissen. Stellen Sie sich
vor, Sie hätten kein Firmengelände
mehr, kein Gebäude, (fast) keine Mitarbeiter.
Von einem kleinen Büro aus
arbeiten Sie eng mit Partnern im In- und
Ausland zusammen, die für Sie
entwickeln, produzieren, werben,
vertreiben, fakturieren und buchführen.
Sie selbst kümmern sich nur noch
um Produktideen und Koordination
dieses Verbunds. Und den Kunden
ist’s recht. Eine absurde Vision?

Nein, dieses Konstrukt ist bereits
Realität, funktioniert beispielsweise
sehr erfolgreich bei der Universal Leven.
Seit 1997 hat sich der Nobody auf
dem umkämpften niederländischen
Lebensversicherungsmarkt zu einem
profitablen Player entwickelt. Bei
knapp 24.000 verkauften Policen erzielt
das Unternehmen pro Jahr rund
56 Millionen Euro Umsatz – mit nur
je einem Geschäftsführer, Account-Manager und Produktentwickler.

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„Wir konzentrieren uns auf zwei Aufgaben“, sagt Universal-Leven-Chef Zenno Cornelisse. Der 40-Jährige und seine zwei Mitstreiter entwickeln neue Versicherungsprodukte und organisieren die Zusammenarbeit mit
ihren Partnern. Denn ohne Versicherungsmakler, Banken und IT-Firmen
wären sie gar nicht handlungsfähig.

Die Universal Leven ist Vorreiter
eines Trends, der das herkömmliche
Verständnis zur Organisation von
Unternehmen auf den Kopf stellt.
„Die dritte Revolution der Wertschöpfung“ nennt dies Dietmar Fink,
Autor des aktuellen gleichnamigen
Buchs und Professor für Unternehmensberatung
und -entwicklung an
der FH Bonn-Rhein-Sieg.

Bislang galt der Grundsatz, dass
eine Firma zwar kostentreibende
Funktionen wie Logistik, Werkschutz
oder Gebäudemanagement auslagern
kann. Doch Kernaufgaben wie etwa
Forschung und Entwicklung oder Beschaffung nach draußen zu geben, war tabu. Nicht zuletzt durch die Entwicklungssprünge
in der Informationstechnik scheint diese Differenzierung nun aber überholt. „Heute lässt sich alles auslagern, was keine
besondere Differenzierung im Wettbewerb
mehr bringt“, sagt Fink.

Heißt konkret: Die Produktion
kann raus, soweit nicht etwa selbst
entwickelte Maschinen einen nachhaltigen
Qualitäts- oder Effizienzvorsprung
erzeugen. Das Personalwesen
lässt sich outsourcen – es sei denn,
man hat laufend Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften, die dem Unternehmen
Know-how-Vorsprünge sichern. Selbst Forschung und Entwicklung sind delegierbar – sofern nur dazu gedacht, Massenartikel permanent weiterzuentwickeln, deren
Verbesserungen von der Konkurrenz
prompt kopiert werden.

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 03/2005, Seite 71, nachlesen.

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