Diverses Feierabend, Bill

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse

Alexander Mayerhöfer, stellv. Chefredakteur impulse© Rudolf Wichert

Visionär und Feindbild. Sündenbock und Idol. Microsoft-Gründer Bill Gates, der das Software-Unternehmen heute verlässt, polarisiert seit jeher die Computer-Welt. Eines ist aber unbestritten, sagt impulse-Redakteur Alexander Mayerhöfer: Für Unternehmer ist Gates ein Vorbild. Doch in Deutschland - und auch das zeigt sein Kommentar - haben Gründer wie er keine Chance.

Kennen Sie Craig Mundie und Ray Ozzie? Nein? Macht nichts, denn kaum einer weiß mit diesen Namen etwas anzufangen. Dabei sind die beiden Computerexperten die offiziellen Nachfolger eines Unternehmers, der unsere Zeit geprägt hat, wie kaum ein anderer: Bill Gates. Der einst reichste Mann der Welt (heute immerhin noch die Nummer drei) ist auf allen Kontinenten bekannt wie sonst nur die Cola-Flasche, er hat uns die schöne bunte Computerwelt geschenkt, so manche Sahnetorte in seinem Gesicht verspürt – und unzähligen Gründern als das große Vorbild gedient. Heute ist sein letzter Arbeitstag bei Microsoft.

Für was musste der Windows-Erfinder mit den Schmuddelpullis und der dicken Brille nicht alles herhalten: Studienfaulenzer sahen in ihm den lebenden Beweis, dass auch Abbrecher erfolgreich sein können (übersahen aber, dass das nicht zwangsläufig so ist), Computer-Nerds überkam ein Grusel, wenn „Bill Allmächtig“ als Sinnbild der bösen Software-Industrie im Fernsehen auftrat (ein Gefühl, das sich später auch bei einigen EU-Bürokraten ausbreitete). Und uns PC-Nutzern diente William Henry Gates III als ewiger Sündenbock, wenn der Billig-PC mal wieder bockte. Für all das, denke ich, reichen 58 Milliarden Dollar Privatvermögen als Schmerzensgeld gerade aus.

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Viel wichtiger als jede Zeile Programmcode in Windows oder Outlook sind aber zwei Dinge, die Gates, der immer noch wirkt wie der Junge aus Seattle, auch bei uns verändert hat. Als er vor einigen Jahren in der Nähe von Bonn in einer Schule gemeinsam mit Kanzler Schröder vor die Schüler trat, staunten die meisten, wie cool doch so ein Unternehmer sein kann (und ich bin überzeugt, dass einige, die damals staunten, heute selbst eine Firma leiten). Und er hat gezeigt, dass Bürokratie der größte Feind des Unternehmers ist, der Freiraum braucht, um improvisieren zu können. „Ein Bill Gates“, sagte Guido Westerwelle einmal, „hätte bei uns keine Chance gehabt, seine Garagenfirma wäre nämlich nicht genehmigt worden, weil sie keine Toilette hatte.“ Zum Glück, lieber Bill, ändern sich die Dinge im Leben.

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