Diverses Feiertage in Mainhattan

Mehr als 7000 Aussteller aus über 100 Ländern: Am Samstag öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten für das breite Publikum. Und weil auch Literatur erst richtig Spaß macht, wenn man sich darüber austauschen kann, finden abends jede Menge Partys statt. Wir sagen Ihnen, wo Sie die interessantesten Festivitäten finden.

Die Zeiten, in denen der Klang der knallenden Champagnerkorken der Soundtrack der weltweit größten Literaturveranstaltung waren, sind erst einmal vorbei. In diesem Jahr sagten gleich mehrere Traditionsverlage ihre Feste ab. Drömer und Knaur lassen sogar ihr legendäres Abendessen ausfallen. Aber es gibt auch positive Nachrichten. Der seit 1904 existierende Piper-Verlag zelebriert in diesem Jahr erstmalig ein großes Buchmessen-Fest! Gefeiert wird also trotzdem – aber weniger aufwendig.

Man trägt Tuch

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„Last night a DJ saved my life“ heißt das Motto der diesjährigen Ullstein-Party. Obwohl erst im neunten Jahr entwickelt sich die Messeparty des Berliner Verlags mittlerweile zum Klassiker. Location ist der altehrwürdige Sinkkasten – ein Frankfurter Szeneladen, der seit 1971 schon jede Menge Szenen beherbergte. Im dritten Jahr dabei sind die Frankfurter Musik-Lokalmatadoren King Kamehameha Club Band – eine Funk-, Soul- und R&B-Band, die auch Couch-Potatos in die Tanz-Extase treibt. An der vordersten Tanzfront befindet sich bei dieser Festivität die hochaufgeschossene Katharina Ilgen – Stellvertretende Leiterin der Presse und Öffentlichkeitsarbeit des Verlags. Ursprünglich war die Party nur für Buchhändler geplant, ist aber dann auch für Autoren und Journalisten erweitert worden. In diesem Jahr wird aufgrund der wenigen Feste, die stattfinden, der Andrang noch größer als bislang sein. Das heißt, die Schlange vor der Tür wird noch länger – und vor allem der Platz auf dem Raucherbalkon immer knapper. (Freitag 21 Uhr)

Same procedure heißt es beim traditionellen Empfang von Hoffmann & Campe in der Alten Oper (Freitag 11-13 Uhr). Hier geht’s eher kühl zu als cool, eher honorig als sexy: Da bleibt die Jeans im Schrank, man trägt Tuch. Erst wird die Verleihung des Julius Campe Preis der Kritik absolviert, den 2009 Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, bekommt. Im letzten Jahr mussten fünf Reden durchgestanden werden, bevor angestoßen und getalkt werden durfte. Am Ende aber winkt das warme Buffet. Unter den 250 bis 300 geladenen Gästen sind gewöhnlich die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, Zeit-Herausgeber Josef Joffe und Deutschlandfunk-Literaturredakteur Hajo Steinert.

Erste Party im feuchtkalten Keller

Angst vor der Krise haben nicht alle: Zum ersten Mal wagt sich der Piper-Verlag auf’s Party-Parkett. Bislang gab es nur einen Cocktail-Empfang für ausländische Gäste. Doch der neue Verleger Marcel Hartges will es zum Einstieg richtig krachen lassen. Er lädt Freunde des Hauses in das ziemlich angesagte Velvet – einen der neueren Clubs in Frankfurt ein. Dort startet ein professioneller DJ: Ab 12 Uhr will der Verleger den Laden rocken – er legt dann selbst auf. (Donnerstag 21 Uhr)

Die jungen Verlage, die so seltsame Namen tragen wie Luftschacht, Onkel & Onkel oder Verbrecher, laden zur Book Fair A-Go-Go. Vor einigen Jahren startete die gemeinsame Messesause des literaturbesessenen Jungvolks in einem feuchtkalten Keller. Diesmal stellt die Stadt Frankfurt den Kunstverein als Location zur Verfügung. Dort wird das Fest absatzfördernd mit Lesungen aus der Buchproduktion der 22 einladenden Verlage verbunden. Um 22.30 Uhr moderiert der Kritiker Denis Scheck den Publikumspreis der Independent-Verlage. Nach 23 Uhr legen Blumenbar-Verleger Wolfgang Farkas und DJs MKO Platten auf. (Freitag 20 Uhr)

Lange hat der Eichborn Verlag im Frankfurter Südbahnhof gefeiert. Samstagnacht, wenn die Messe schon fast geschafft war, ging es laut, ausgelassen und unelitär zu – fast als wär’s ein Frankfurter Stadtteilfest. Dann gab es zwei Jahre lang gar keine Party. Jetzt aber, nachdem der Buch-Allrounder mit dem großen Herz für Comics und Komik im ersten Halbjahr herbe Umsatzverluste erlitt, tanzt das Unternehmen gleich auf zwei Partys: am Donnerstag bei der Party der Frankfurter Verlage im Kunstverein (Donnerstag 20 Uhr), und am Sonnabend mit geladenen Gästen im Kaffeehaus-Restaurant Walden in der Innenstadt (Sonnabend, 21 Uhr). Dort wird gegen Mitternacht Linsensuppe verabreicht, bevor die bayrische Gruppe LaBrassBanda mit ihren schweißtreibenden Mix aus Gypsy Brass, Balkan Funk und Alpen-Jazz-Techno aufspielt.

Also hingehen und mitfeiern – und wenn Sie dann noch zur Lektüre des einen oder anderen Buchs angeregt werden, kann das ja auch nichts schaden.

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