Diverses Fertig zum Wohnen

Fertighäusern haftet zäh das Image spießiger Architektur von der Stange an. Und das, obwohl inzwischen Stardesigner und renommierte Architekten mit eigenwilligen Entwürfen zeigen, dass Fertighäuser sehr wohl zum Prestigeobjekt taugen. Ähnlich wie in der Mode, wo anspruchsvolle Pret-à-porter-Modelle von Designern für hohe Umsätze sorgen, setzen nun auch Fertighaushersteller auf große Namen - gemäß dem Motto "pret-à-habiter", auf deutsch: fertig zum Wohnen.

Halbrund ist der Entwurf des österreichischen Architekten Gustav Peichl. „Eigentlich ist der Architekt aus Wien auf den Bau größerer Gebäude eingestellt“, sagt Dieter Langschwager vom Fertigbau-Hersteller Hanlo in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Peichl hat unter anderem die Bundeskunsthalle in Bonn, eine Kindertagesstätte in Berlin nahe dem Reichstag und das Landesstudio des österreichischen Fernsehens in Innsbruck entworfen.

„Peichls Fertighaus ist ein ausgefallenes Wohnhaus, das ungewöhnlich lang und schmal ist“, erklärt Langschwager. Die Dachhaut besteht aus Zinkblech und wird an der Schmalseite bis auf den Boden heruntergezogen. Lieferbar ist das Haus in zwei Varianten, die sich in der Länge unterscheiden. Die 32-Meter-Variante kostet zwischen 215.000 und 225.000 Euro ab Oberkante Fundament oder Keller. „In Deutschland ist Peichls Entwurf noch nie gebaut worden, obwohl es Interessenten dafür gegeben hat“, berichtet Langschwager. Gescheitert sei die Verwirklichung immer an der Ablehnung der Baubehörden mit Hinweis auf die jeweiligen örtlichen Bauvorgaben.

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Peichl befindet sich mit seinem Rundbau in guter Gesellschaft – häufig scheitert die Verwirklichung außergewöhnlicher Modellentwürfe in Deutschland nicht mangels interessierter Bauherren, sondern an örtlichen Bauvorgaben. „Viele Bebauungspläne sehen lediglich eine eingeschossige Bauweise vor, ein Flachdachbau mit zwei Vollgeschossen ist dann nicht möglich“, sagt Dietmar Spitz vom Fertighaushersteller Baufritz in Erkheim.

Andere Bebauungspläne stellten konkrete Anforderungen an die Dachform. Hausentwürfe etwa mit Flachdach seien durch solche Vorschriften schwer zu realisieren. „Gebaut werden daher außergewöhnliche Entwürfe meist nur in Österreich oder der Schweiz“, kritisiert der Experte die seiner Meinung nach zu einengenden Vorgaben in Deutschland.

Luxushaus in drei Varianten

Weitgehend in das strenge Raster zu passen scheint das Modell der Designerin Jette Joop, die sonst eher für Schmuck und Kleider bekannt ist. Es handelt sich um ein variables Haus, dass mit einem Grundriss in drei Haustypen – klassisch, mediterran und modern – angeboten wird. „Der Grundriss der Häuser ist quadratisch“, sagt Kerstin Wilke vom Hersteller Viebrockhaus in Harsefeld. Errichtet worden seien schon mehrere Häuser nach diesen Entwürfen, ausgenommen die klassische Version.

Ganz billig ist das Jette-Joop-Haus nicht. Die kleinste Variante gibt es ab 300.000 Euro, für die größere muss der Käufer mit 700.000 Euro rechnen. Außergewöhnlich sind allerdings einige Details: Eine Glasplatte im Küchenboden beispielsweise sorgt für Durchblick bis in den Weinkeller. Zu den Besonderheiten gehören eine Brücke vom Elternschlafzimmer ins Nebengebäude mit Sauna und Fitnessräumen. Ungewöhnlich ist auch ein Raum von jeweils knapp einem Quadratmeter für Schuhe und Handtaschen im Erdgeschoss.

Ebenfalls neuartig ist das einem Würfel ähnelnde Haus, das der Designer Luigi Colani zum Firmenjubiläum von Hanse Haus in Oberleichtersbach entworfen hat. „Das nur 36 Quadratmeter große Rotor-Haus nutzt die kleine Grundfläche optimal aus, da auf Knopfdruck wie bei einer Drehbühne Badezimmer, Bett oder Küche in den Wohnraum fahren“, sagt Jan Behrmann von dem Fertighaushersteller. Gedacht sei dieser bislang nur als Musterhaus realisierte Entwurf für Singles. „Das Projekt mit Professor Colani war immer nur als Architekturstudie geplant“, betont Behrmann.

„Entwürfe von renommierten Architekten und Designern sind eine gute Möglichkeit, Vorurteile gegenüber Fertighäusern abzubauen“, sagt Ursula Geismann vom Bundesverband Deutscher Fertigbau in Bad Honnef. Sie zeigten ganz deutlich, dass auch im Fertigbau die Tendenz zum individuellen Haus gehe. Zudem erschließe der Ruf großer Namen der Branche neue Kundenkreise.

Auch wenn die extravaganten Designer-Häuser seltener gebaut werden als die Standardmodelle – zumindest als Image-Pflege zahlen sie sich für die Hersteller aus.

(Quelle: dpa)

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