Diverses Fiat-Chef Sergio Marchionne

Mit 6,6 Milliarden Euro Schulden hatten Experten Fiat bereits abgeschrieben. 2004 übernahm Sergio Marchionne das Ruder - ohne Auto- aber mit Sanierungserfahrung. Jetzt will der Italiener Opel schlucken.

„Meine Zukunft wird immer an Fiat gebunden sein. Dies ist meine letzte Stelle, ich möchte nirgendwo anders mehr hingehen.“ Solche offenen Worten sprach der Manager, dem die norditalienische Autoschmiede ihren Aufstieg aus einem Jammertal vor einigen Jahren zu
verdanken hatte. Sergio Marchionne (56), in den Abruzzen geborener Italiener mit kanadischem Pass, hatte das Zepter in Krisenzeiten in die Hand genommen.

Heute will er seinen Erfolg auch in der Rezession nicht verspielen. Der gewiefte Industriemanager und Sanierer schlug deshalb den amerikanischen Weg ein: Mit dem Einstieg bei Chrysler will er kleineren und hochverschuldeten Konzern aus Turin im Lot halten. Und jetzt soll er auch noch Appetit auf Opel bekommen haben.

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Neustart des Traditionsunternehmens

In Toronto hatte der Anwalt und Wirtschaftsprüfer studiert, dem es dann gelang, was für Fans italienischer Autos an ein Wunder grenzte. Seit 2004 Fiat-Chef, trug er energisch und entscheidend dazu bei, dass der Traditionskonzern eine längere Durststrecke hinter sich
lassen und wieder mit schwarzen Zahlen glänzen konnte: Marchionne sanierte, baute Bürokratie ab, halbierte die Entwicklungszeiten für neue Modelle und richtete das gut 100 Jahre alte Unternehmen der legendären Agnelli-Familie neu aus. Und die Käufer dankten es ihm.

Dabei hatten die meisten Experten Fiat bereits abgeschrieben, als Anfang des Jahrtausends immer neue Hiobsbotschaften über den Konzern hereinbrachen. So tief steckte die Gruppe vor allem wegen der verfehlten Managementpolitik von Giovanni Agnelli in den roten Zahlen, dass sie vorübergehend gar einen Teil ihrer Ferrari-Aktien verpfänden musste – Fiat hatte einen riesigen Schuldenberg von etwa 6,6 Milliarden Euro aufgetürmt. Dann kam aber der Mann, der zwar keine Auto-Erfahrung mitbrachte, jedoch einen guten Ruf als Sanierer. Ob Panda, Punto oder Palio, die Turiner Wagen waren wieder im Rennen.

Das Erbe will sich Marchionne, zuvor für Verpackungsfirmen wie die Schweizer Alusuisse tätig, möglichst nicht nehmen lassen. Gemeinsam mit Fiat-Vize-Präsident John Elkann arbeitet er daran. „2009 wird das schwierigste Jahr meines Lebens. Fiat hat noch nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft, deshalb müssen wir uns also zusammenschließen“, sagte er im Januar in einem Interview.

In die Schlagzeilen geriet der Spitzenmanager auch auf andere Weise – im November 2007 fuhr er einen 200.000 Euro teuren Ferrari zu Schrott. Er selbst blieb ohne Kratzer.

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