Diverses Finanzinvestor beerdigt Hertie

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Nur drei Jahre nach der Übernahme durch den britischen Finanzinvestor Dawnay Day ist die Warenhauskette Hertie pleite. Die Gespräche über eine Rettung des Konzerns sind gescheitert. Hauptursache der Insolvenz: völlig überzogene Mieten.

Nicht mehr zu retten: Das Essener Unternehmen Hertie ist nach eigenen Angaben pleite. Zwar hatte die NRW-Landesregierung noch eine Bürgschaft angeboten, diese sei allerdings zu niedrig ausgefallen, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Gut 70 Filialen mit mehr als 4000 Mitarbeitern sind von der Insolvenz betroffen. Erst 2005 hatte der Finanzinvestor Dawnay Day die Warenhäuser für 500 Millionen Euro von KarstadtQuelle (inzwischen Arcandor) gekauft und kurz darauf mit dem Traditionsnamen Hertie versehen. Es handelte sich vorwiegend um Filialen abseits der großen Zentren. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff waren die Häuser nicht lukrativ genug.

Hertie ist nicht die einzige frühere Arcandor-Tochter, die jüngst in Schwierigkeiten geriet: Der Bekleidungshändler Wehmeyer, den Middelhoff 2005 ebenfalls an einen Finanzinvestor verkauft hatte, meldete schon Anfang Juli Insolvenz an. Unklar ist die Zukunft des Modehändlers SinnLeffers, den Arcandor an ein Joint Venture aus der Deutschen Industrieholding (DIH) und dem Beteiligungsfonds HMD Partners losschlug. SinnLeffers strauchele, heißt es in der Branche.

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Zuletzt hatte Middelhoff die Tochter Neckermann an den Investor Sun Capital quasi verschenkt – Geld war für den verlustreichen Versandhändler nicht mehr zu bekommen. Auch vom Ferienflieger Condor wollte sich Arcandor eigentlich trennen, die geplante Fusion mit Air Berlin scheiterte allerdings. Die Gewerkschaft Verdi machte Middelhoff für die Hertie-Insolvenz am Donnerstag „moralisch“ verantwortlich. Er habe die Warenhäuser seinerzeit „über Nacht“ verkauft.

Zu hohe Mieten für die Immobilien?

Die eigentliche Verantwortung für die Hertie-Pleite liegt allerdings beim Eigentümer Dawnay Day, der in seiner Heimat Großbritannien unter Zwangsverwaltung steht. Die Essener wurden von der Mutter massiv geschröpft. So musste Hertie unüblich hohe Mieten für die Immobilien zahlen, die im direkten Besitz von Dawnay Day sind. In Branchenkreisen hieß es, die Miete habe zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen. Das sei definitiv überhöht, sagte der Chef des Textilhändlers Katag, Daniel Terberger, der Hertie seit Jahren beliefert.

Dawnay Day hatte Experten zufolge keine Kenntnis vom deutschen Einzelhandel und war in erster Linie auf die Mieteinnahmen aus. Potenziellen Interessenten an Hertie – Branchenkenner erwarten, dass das Unternehmen nur in kleinen Paketen zu veräußern ist – dürften deutlich bessere Konditionen angeboten werden, um einen Verkauf überhaupt zu ermöglichen.

Standorte auf dem Prüfstand

Im Zuge des Insolvenzverfahrens kommen einzelne Standorte auf den Prüfstand. Terberger hält 40 bis 50 Filialen für gut verkäuflich. Ein anderer Branchenkenner meinte dagegen, dass nur 20 Häuser für Käufer attraktiv seien. Hertie-Geschäftsführer Erik van Heuven sagte, er hoffe, die Kette in der Insolvenz sanieren zu können. Der Betrieb solle zunächst ohne Unterbrechung weitergehen. Der Insolvenzverwalter Biner Bähr mache sich am Konzernsitz bereits ein Bild vom Unternehmen, sagte eine Sprecherin der beauftragten Kanzlei White & Case.

Mit den deutschen Warenhäusern geht es seit ihrer Blütezeit in den 70er-Jahren bergab. Kunden wanderten zu Fachhändlern oder Discountern ab. Kein Betreiber – weder Karstadt noch Kaufhof, Hertie oder auch der siechende Woolworth-Konzern – hat bislang ein Konzept gegen den Kundenschwund gefunden.

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