Diverses Finanzkrise: Bleibt der Mittelstand verschont?

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Mit der Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate hat die Finanzkrise erstmals auch Deutschland getroffen - mit dramatischen Folgen an den Börsen. Weitgehend unbeeindruckt reagierte bisher die deutsche Wirtschaft. Auch die Arbeitslosenzahlen im September gingen weiter zurück. Nur die Ruhe vor dem Sturm?

Die Finanzmarktkrise wird den Jobboom im Mittelstand auch im kommenden Jahr nicht negativ beeinflussen – als der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die aktuellen Zahlen vom Arbeitsmarkt vorlegt, gibt es sich betont optimistisch: Zwar werde der Finanzsektor selbst betroffen sein; schon jetzt gebe es dort zahlreiche Entlassungen. Solange aber mittelständische Unternehmen von der Bankenkrise nicht betroffen seien, werde diese keinen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben, sagte Weise am Dienstag in Nürnberg.

Und die Zahlen geben ihm Recht – bisher jedenfalls: So setzte sich die Erholung am deutschen Arbeitsmarkt inmitten der Finanzmarktkrise weiter fort: Im September sank die Zahl der Arbeitslosen um 115.000 auf 3.081.000. Das waren 463.000 weniger als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,2 Punkte auf 7,4 Prozent ab. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,5 Prozent gelegen. Das ist niedrigste Stand seit knapp 16 Jahren. Eine geringere Arbeitslosigkeit hatte die Bundesagentur zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms im November 1992 registriert.

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Schlechte Zahlen: Bleibt Koenig & Bauer ein Einzelfall

Gelassen bleiben auch die meisten Ökonomen: Sie rechnen bisher nicht damit, dass die Kapitalversorgung des Mittelstandes unter der Finanzkrise leiden könnte – trotz der aktuellen Entwicklungen und negativer Schlagzeilen aus den Unternehmen: So hatte der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer erst vergangene Woche erklärt, dass ihm Aufträge verloren gehen, weil den Kunden die Kredite storniert werden. Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller werde das laufende Geschäftsjahr daher nach eigener Einschätzung mit einem Vorsteuerverlust abschließen. Zugleich kündigte das börsennotierte Unternehmen am Freitag in Würzburg an, im kommenden Jahr Arbeitsplätze abzubauen.

Gewarnt hat auch die FDP vor einer Überbewertung der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt: „Wir erleben die Ruhe vor dem Sturm“, heißt es in einer Stellungnahme des stellvertretenden Partei- und Fraktionsvorsitzenden der FDP, Rainer Brüderle. Die Finanzmarktkrise mache die aktuellen Arbeitsmarktzahlen zur Makulatur. Deutschland sei „leider überhaupt nicht auf schlechte Zeiten vorbereitet“, kritisierte Brüderle.

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