Diverses Finanzkrise: Deutschen Firmen geht das Geld aus

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Die US-Immobilienkrise ist endgültig in der Realwirtschaft angekommen. Jüngstes Beispiel: Dem Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer gehen Aufträge verloren, weil den Kunden die Kredite storniert werden. Einige Experten fühlen sich an New-Economy-Zeiten erinnert - und glauben, dass sich die Situation in Deutschland noch weiter zuspitzt.

Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) wird das laufende Geschäftsjahr mit roten Zahlen abschließen. Zugleich kündigte das börsennotierte Unternehmen am Freitag in Würzburg an, im kommenden Jahr Arbeitsplätze abzubauen. Wie viele Menschen der betroffenen Werke in Radebeul (Sachsen), Mödling (Österreich) und Dobruska (Tschechien) ihren Job verlieren werden, steht nach Angaben eines Unternehmenssprechers noch nicht fest. Insgesamt arbeiten an den drei Standorten 3600 Mitarbeiter. Die Gewinnwarnung von Koenig & Bauer schockte auch Investoren und Analysten: Die Aktie brach zeitweise um 16 Prozent ein.

Der Grund für die schlechten Zahlen ist offenbar der Zusammenbruch der US-Bankenlandschaft: Viele Kunden, die auf der Branchenmesse Drupa vor wenigen Monaten Maschinen bestellt hätten, seien in den Strudel der Finanzkrise gekommen und müssten die Aufträge mangels Krediten stornieren oder verschieben, gibt das Unternehmen zur Begründung an. Vollkommen überraschend ist das nicht: Koenig & Bauers Konkurrent und weltweiter Marktführer Heidelberger Druck schrieb zuletzt rote Zahlen und blieb aufgrund schlechter Konjunkturaussichten eine Prognose schuldig.

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US-Krise: Folgen für Deutschland verschärfen sich

Der Zusammenbruch der US-Bankenlandschaft greift nun indirekt auch auf die deutsche Realwirtschaft über. „Kreditausfälle werden sich gepaart mit den Auswirkungen der Finanzkrise im Wirtschaftsabschwung noch verschärfen“, warnt Thorsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Allerdings deute aus gesamtwirtschaftlicher Sicht noch nichts auf eine dramatische Kreditverknappung hin. „Soweit sind wir noch lange nicht“, sagt auch Konjunkturforscher André Kunkel vom Münchner Ifo-Institut.

Bislang ist das Kreditvolumen seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer vergangenen Jahres sogar gestiegen. Die Gesamtsumme der zur Verfügung gestellten Kredite legte der Bundesbank zufolge zwischen April 2007 und April 2008 im verarbeitenden Gewerbe von 141 Milliarden auf 158 Milliarden Euro zu – der größte Zuwachs in diesem Jahrtausend. Das Kreditvolumen im Handel stieg von 131 Milliarden auf 134 Milliarden Euro. Lediglich im Bausektor stagnierte es bei rund 48 Milliarden Euro.

Keine Sicherheiten für Aufträge

Doch seit April, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, hat sich viel getan. Die Unsicherheit ist größer geworden. Nach der jüngsten Umfrage des Ifo-Instituts hat sich das Kreditklima in allen Segmenten weiter eingetrübt. Grund: Der konjunkturelle Abschwung veranlasst die Banken den Wirtschaftsforschern zufolge dazu, die Kreditrichtlinien zu verschärfen und die Risikoprämien zu erhöhen.

Kreditzusagen werden dadurch schwieriger. Das hat sich in den vergangenen Tagen mehrfach gezeigt: Die Kieler Lindenau-Werft meldete Insolvenz an – obwohl es ihr an Aufträgen nicht mangelt. Sie erhielt keine Bürgschaften für einen Schiffsbau. Auftraggeber verlangen Bankgarantien, um sicherzugehen, dass der Werft nicht das Geld ausgeht und sie am Ende ohne Schiff dastehen.

Mc Donald’s bekommt kein Geld, um seine US-Filialen mit Kaffeemaschinen auszurüsten. Eigentlich hatte das Unternehmen mit der Bank of America längst ein Darlehensprogramm namens „Eagle“ ausgehandelt, doch nun ist alles anders. „Die Ankündigung, eine Investmentbank zu kaufen und die Volatilität der Kreditmärkte, vor allem in der vergangenen Woche, haben es für die B of A schwierig gemacht, noch die schnelle Lösung hinzubekommen, die wir geplant hatten“, schrieb die Mc Donald’s-Finanzabteilung in einer E-Mail, die der Nachrichtenagentur Bloomberg zugespielt wurde.

Noch sei die Lage längst nicht so dramatisch wie nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes, sagt Konjunkturforscher Kunkel. Damals hatten Banken nur noch sehr restriktiv Darlehen gewährt und die Unternehmen folgerichtig laut Ifo-Kreditklima die Kreditvergabe weitaus negativer beurteilt. Joachim Scheide, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, schließt dagegen eine ähnlich begrenzte Kreditvergabe wie nach dem Platzen der New-Economy-Blase nicht aus: „Das werden viele Unternehmen in nächster Zeit noch kräftig spüren.“

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