Diverses Finanzkrise: Experten streiten über die Folgen für Deutschland

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Geht dem Aufschwung die Luft aus? Droht gar der Sturz in die Rezession? Oder ist die deutsche Wirtschaft robust genug, um der Finanzkrise zu trotzen - und sogar weiter zu wachsen? Experten sind sich uneinig: Von "Rezession unvermeidbar" bis "mehr als zwei Prozent Wachstum möglich" gehen die Aussagen. Und eine Umfrage unter Unternehmern zeigt: Noch fließen die Kredite.

Die Bundesbürger müssen sich nach Ansicht der Deutschen Bank auf einen Wirtschaftsabschwung einstellen. „Eine Rezession ist für die alte Welt, also USA, Europa, Japan, nicht mehr zu vermeiden“, sagte Chefvolkswirt Norbert Walter den „Stuttgarter Nachrichten“. Zu viel sei schief gelaufen. Im Hinblick auf das Scheitern des milliardenschweren US-Rettungsplans erwartet der Ökonom, dass es zu einer großen Lösung kommt. „Und zwar noch in dieser Woche.“

Walter befürwortet die Milliardenbürgschaft für die angeschlagene Hypo Real Estate (HRE). Der Zusammenbruch der HRE hätte die wichtige Institution des Pfandbriefs gefährdet. „Das Krisenmanagement in Deutschland ist im internationalen Vergleich durchaus professionell“, sagte Walter. Gleichzeitig machte er sich für eine europäische Finanzaufsicht stark, die etwa die Statur der Europäischen Zentralbank habe. Die Rettungsaktionen seien bei den nationalen Behörden nicht ideal aufgehoben.

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Die deutsche Wirtschaft kommt auch nach Ansicht des IW-Instituts nicht ungeschoren durch die weltweite Finanzmarktkrise. „Keineswegs droht aber der freie Fall in die Rezession“, teilte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mit. Allerdings werde im kommenden Jahr das Wachstum wegen fehlender Exportimpulse und geringerer Investitionen mit plus 0,6 Prozent etwa auf ein Drittel zusammenschrumpfen. Für das laufende Jahr erwarten die Forscher einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,7 Prozent.

DIHK: Keine Knappheit an Krediten

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht derzeit keinen Anlass für Rezessionsängste. „Wir sollten jetzt nicht die Krise ausrufen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Martin Wansleben, im ARD-Morgenmagazin. „Ich würde nicht so vorschnell von einer Rezession reden.“ In diesem Jahr werde es noch ein deutsches Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent geben, vielleicht etwas weniger, vielleicht sogar etwas mehr. Allerdings kühle sich die Konjunktur ab. „Die Auftragseingänge gehen in der Tat runter.“

Derzeit laufe im Verband eine neue Umfrage unter den Unternehmen. Die ersten Ergebnisse zeigen Wansleben zufolge, dass es keine flächendeckende Knappheit an Krediten gebe. Die Firmen seien nach wie vor versorgt mit Mitteln, um zu investieren. Allerdings werde es schwieriger, für sehr riskante Investitionen Geld zu bekommen. Die Finanzkrise sei in Deutschland bislang jedoch nicht so massiv auf die Realwirtschaft übergesprungen wie in den USA. Probleme gebe es bei Exporten in die Vereinigten Staaten, aber auch in einige große europäische Länder, in denen die Lage schwächer geworden sei.

Ackermann will Teufelskreis durchbrechen

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann begrüßt die diversen Liquiditäts- und Stützungsmaßnahmen für die Finanzmärkte der vergangenen Tage. „Ohne diese Liquiditätseinschüsse der Notenbanken hätten wir eine ganz schwierige Situation gehabt“, sagte Ackermann in Frankfurt. Auch die Regierungen in den Benelux-Staaten, Großbritannien und Deutschland hätten am vergangenen Wochenende einen „wichtigen Schritt“ gemacht.

Ackermann räumte jedoch ein, keiner wisse, ob diese Maßnahmen reichten. „Aber jeder Schritt ist ein wichtiger Schritt, um wieder Vertrauen an den Finanzmärkten zu schaffen.“ Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sei die Angst der Marktteilnehmer zurückgekehrt. Und sie habe zu einem Dominoeffekte geführt. „Dieser Teufelskreis muss nun durchbrochen werden, durch ein schnelles Bewilligen des Rettungspakets in den USA.“

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