Diverses Finanzkrise: Kommt das Schlimmste noch?

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Die größte Gefahr in der Finanzkrise geht nicht mehr von den Banken selbst aus. Viel bedrohlicher kommen zurzeit die selbsternannten Krisenmanager daher, sagt der stellvertretende impulse-Chefredakteur Gerd Kühlhorn. Allen voran Nicolas Sarkozy. Denn: Wenn er sich mit seinen Plänen durchsetzt, dann folgt der Finanz- eine Systemkrise.

Unsere tägliche Hiobsbotschaft gib uns heute – die weltweite Finanzkrise gönnt uns keine Ruhepause. Und gleichzeitig fragen wir uns: Steht das Schlimmste noch bevor? Die Antwort lautet: aller Wahrscheinlichkeit nach – ja. Aber nicht deshalb, weil vermutlich noch mehr Banken in den Konkursstrudel geraten werden, und auch nicht deshalb, weil die Krise jetzt der Weltkonjunktur einen schmerzhaften Dämpfer versetzt. Das eigentliche Unheil droht von jenen, die zu wissen glauben, wie man diese Auswüchse des Kapitalismus künftig zügeln kann. Ihre Wortführer sind derzeit der EU-Binnenmarktkommissar Charly McCreevy und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy.

Der britische Kommissar will mit einer Verschärfung der Eigenkapitalregelung das Bankensystem stabilisieren. Aus Paris kommt zudem der Vorschlag, ähnlich wie in den USA jetzt geplant, notleidende Banken mit Steuergeldern wohlbehalten durch die Krise zu bringen. – 300 Milliarden Euro wäre dies Sarkozy wert.

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Wenn diese Pläne Wirklichkeit werden, dann folgt der Finanzkrise eine Systemkrise. Die EU-Kommission, die schon an der Verwaltung ihres eigenen Haushalts scheitert und deren Desorganisiertheit Korruption und Günstlingswirtschaft wuchern lassen wie Schimmel in einer dauerfeuchten Wohnung – ausgerechnet diese EU will sich zum Kontrollorgan der Banken erheben? Ein absurdes Unterfangen. Zumal, selbst wenn in Brüssel nur ehrbare Finanzexperten säßen – was nutzt eine regionale Kontrolle in einem weltweit agierenden Finanzsystem?

Die staatsinterventionistische Grundhaltung verbindet Brüssel und Paris. Mit Steuergeldern die Probleme giergetriebener Banker lösen, ist ein schwerwiegender Sündenfall der Marktwirtschaft. In den USA gibts wohl keine Alternative dazu, will man einen Kollaps ger gesamten Wirtschaft nicht riskieren. In Europa sieht das anders aus. Auch hier hat die Finanzkrise den Geldhäusern schwere Treffer versetzt. Aber weil die Finanzwirtschaft hierzulande deutlich besser abgesichert ist als jenseits des Atlantiks, sind weder das Bankensystem noch gar die gesamte Nationalökonomie des EU-Wirtschaftsraums in Gefahr. Den Steuerzahlern jetzt 300 MIlliarden Euro aufzubürden – das wäre in Zeiten wackliger Konjunktur ein ungleich größerer Schaden als die eine oder andere Bankenpleite noch hinnehmen zu müssen.

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