Diverses Finanzkrise: Vor dem Abgrund

Gerd Kühlhorn: Stellvertretender Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: Stellvertretender Chefredakteur© Michael Dannenmann

Weltweit haben die Bankvorstände versagt: Nicht nur, weil noch immer niemand das gesamte Ausmaß der Finanzkrise kennt. Die Verantwortlichen werden außerdem nicht müde zu behaupten, die Talsohle der Kreditkrise sei durchschritten. Und dabei ist das Gegenteil der Fall, wie Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur, in seinem Kommentar zeigt.

Während deutsche Bankvorstände seit Wochen behaupten, die Talsohle der weltweiten Finanz- und Vertrauenskrise sei erreicht und werde zügig durchschritten, warnt jetzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in aller Deutlichkeit: „Die Finanzkrise könne sich noch einmal verschärfen“. Wenn die Chefbank aller Notenbanken weltweit, die in ihren öffentlichen Aussagen sonst zurückhaltender ist als der Kammerdiener des Papstes, sich zu einer solchen Äußerung durchringt, dann ist das etwa so, als würde die Regierung eines Industriestaates zur Generalmobilmachung aufrufen, weil akute Gefahr für die Nation droht.

In der weltweiten Finanzkrise haben die amerikanischen wie auch die europäischen Banker gleich doppelt versagt: Ihre Geschäfte mit Subprime-Krediten in den USA waren schon für sich allein ein Problem. Der Kontrolle total entglitten ist der Markt dann aber durch Finanzprodukte, die darauf gesattelt wurden: Die schlechten Risiken wurden zu Paketen gebündelt, aufgespalten, zu neuen Einheiten zusammengepackt, wieder geteilt – und immer wieder als neu verkauft, immer wieder provisionspflichtig an den Mann gebracht.

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Obwohl die Banken Heerscharen der bestbezahlten Controller beschäftigen und sich in immer neuen Krisenrunden treffen, um ihre Daten auszutauschen, ist bislang keiner von Ihnen in der Lage gewesen, das gesamte Ausmaß des Schadens auch nur annähernd zu beziffern. Schlimmer noch: Die Notenbanken, die angesichts der Vertrauenskrise nahezu unbegrenzt frisches Geld in den Markt gepumpt haben, sind nun auch am Ende ihrer Kreativität. Weltweit ist die Inflation deutlich angesprungen, weitere Zinssenkungen, noch billigeres Geld, noch mehr Liquidität sind kaum noch möglich. Die Talsohle der Finanzkrise ist noch nicht durchlitten, allen Beteuerungen zum Trotz. Und: Jetzt ist nicht einmal mehr die Munition noch trocken.

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