Diverses Frachtzwerge

Es kommt nicht auf die Größe an - Kleinstautos wie Smart und Mini begeistern immer mehr Unternehmer.

Der Kleine ist für den Firmenchef ganz groß: „Der Smart ist
unschlagbar“, schwärmt Udo Wenzel. Der Münchner
Unternehmer, der Autokräne an Baufirmen vermietet, nutzt
den Zweisitzer von Daimler-Chrysler täglich als Firmenwagen.

Aus gutem Grund: „Er ist wendig und lässt sich quer in jede
Parklücke quetschen“, berichtet der Firmenchef. Vorteile, die
auch für den neuen Smart gelten, der seit April bei den
Händlern steht. Selbst wenn der gut 20 Zentimeter länger ist
als sein Vorgänger.

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Die Mini-Autos erleben ihre Renaissance. Im vergangenen Jahr
legten sie bei den Neuzulassungen kräftig zu. Während
Kompakt- und Mittelklasse stagnieren oder schrumpfen, wächst
das Kleinwagen-Segment, zu dem etwa der Volkswagen Polo
gehört, um fast zehn Prozent. Die noch kleineren Modelle wie
VW Fox, Ford Ka oder Fiat Seicento kommen sogar auf ein
dickes Plus von mehr als 15 Prozent. Die Auswahl wird von Jahr
zu Jahr größer. Auch in diesem Frühling bieten die Hersteller
wieder interessante Neuzugänge: Neben dem Smart im
frischen Look, kommt aus Frankreich Peugeots 1007 mit
Schiebetür, Toyota erneuert den Yaris, und BMW präsentiert
seine aktuelle Version des Klassikers Mini.

Schon in den 50er Jahren bevölkerten Kabinenroller von
Flugzeugbauer Messerschmitt oder kugelige Isettas von BMW
die Straßen der Republik. Dann mussten sie allerdings den
großen Karossen weichen, um jetzt, gut ein halbes Jahrhundert
später, ihr Comeback zu feiern.

Mobile Trendsetter

Anders als in den 50ern sind kleine Autos heute aber nicht
allein aus Kostengründen beliebt. „Viele Verbraucher sehen
einfach die Grenzen der Mobilität“, erläutert Wolfgang Meinig,
Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft an der
Universität Bamberg. Immer mehr Fahrer erkennen, wie
praktisch ein Kleinstwagen ist. Außerdem ahnen sie wohl, was
die Zukunft bringt: „Wenn morgen das Tempolimit käme“, weiß
Professor Meinig, „wären von 50 Millionen deutschen Autos 48
Millionen falsch ausgelegt, weil sie zu groß und zu stark
motorisiert sind.“

Vor allem im dicht gedrängten Stadtverkehr sind die wendigen
Zwerge den Schlachtschiffen im Kombiformat weit überlegen.
Unternehmer Wenzel etwa fährt mit seinem Smart auf
Baustellen im ganzen Bundesgebiet, um zu sehen, wie sich
seine fünf Autokräne machen. Und abends holt der Chef
Bauhelfer und Kranfahrer ab, damit die nicht im 70-Tonner
nach Hause fahren müssen. Er nutzt seinen Smart aber
genauso gut am Wochenende, wenn es zum Shoppen in die
Stadt geht. Der geräumige Familien-Opel Zafira bleibt dann in
der Garage. „Sie glauben gar nicht, was in den Smart alles
hineinpasst“, sagt Wenzel. Sechs Bierkästen sind kein Problem,
das hat er schon ausprobiert. Er füllt seinen Wagen mit einem
kompletten Wocheneinkauf, mit Hydraulikölkanistern für die
Baustelle oder seinem Dobermann. „Der Hund passt genau rein
und kann nicht umfallen“, feixt der Firmenchef.

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Dabei hat der Smart noch den kleinsten Kofferraum unter den
neuen Frachtzwergen. Klappt der Fahrer beim Yaris oder dem
Peugeot 1007 die Notsitze der Rückbank um, erhält er bis zu
1.183 Liter Laderaum. Sehr viel größer ist auch der
Gepäckraum eines Mittelklasse-Kombis nicht.

Freude erfüllt den Münchner Unternehmer, wenn er sich den
Preis seines Autos anschaut: Sein Smart Diesel kostet mit
knapp 10.000 Euro weniger als halb so viel wie eine der
üblichen Dienst-Limousinen. Auch im Unterhalt ist er weitaus
günstiger. „Das Auto verliert als reines Statussymbol an
Bedeutung“, sagt Experte Meinig. „Die Leute betrachten es
zunehmend pragmatisch. Das gilt auch in
Unternehmerkreisen.“

Das heißt allerdings nicht, dass Firmenchefs künftig nur noch
Mini-Modelle fahren. Der Trend, prognostiziert Meinig, geht zum
Dritt-Auto. Die gut motorisierte, komfortable Limousine dient
nur noch als passendes Vehikel für lange Geschäftsreisen. Van
oder Geländewagen kommen bei Familienfahrten zum Einsatz.
Und den Kleinstwagen nutzt der Firmenchef für die schnelle
City-Tour. „So eine familieneigene Flotte beobachten wir immer
häufiger“, sagt Mobilitätsforscher Meinig.

Kleinster der Familienflotte

Bestes Beispiel ist Bernd Michael. Der ehemalige Europa-Chef
der Werbeagentur Grey hat sich 2006 mit einer eigenen
Agentur in Düsseldorf selbständig gemacht. In seiner Familie
wechseln alle ganz nach Bedarf die Fahrzeuge: Zu Terminen
lässt sich Michael im Zwölfzylinder-Siebener von BMW fahren.
Für Familienausflüge nutzt er den Porsche Cayenne seiner
Frau. Und geht er am Wochenende allein auf die Piste, kommt
der feuerrote Mini Cooper S zum Einsatz.

Michael ist ein Lebemann, spielt Golf und Polo. Er fährt seinen
Mini, der manchmal 13 Liter Sprit braucht, nicht um zu sparen.
Er schätzt vor allem die Agilität des Kleinen. „Ich verwende ihn
als Freizeitfahrzeug“, erklärt er. Bevor er sich den flotten Mini
Cooper zulegte, borgte er sich für Stadtfahrten häufig die
Kleinwagen seiner Kinder. „Ich habe Spaß an der Abwechslung
und fahre auch gern mal wieder mit Handschaltung.“

Weil die kleinen Wende-Wunder Leichtgewichte sind, lassen sie
in Sachen Fahrspaß kaum etwas zu wünschen übrig – sofern
man nicht gerade den Einsteiger-Motor wählt. Bei Michaels Mini
Cooper S verteilen sich satte 163 PS auf rund 1.300 Kilo
Leergewicht. Peugeot schickt den 1.200 Kilo leichten 1007 mit
bis zu 109 PS ins Rennen. Und auch Udo Wenzel freut sich über
seinen 800 Kilogramm leichten Smart. Selbst sein sparsamer
Diesel mit mageren 41 Pferdestärken bringt noch ordentliche
Power auf die kleinen Reifen.

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