Diverses Frau Schaeffler und der Gala-Abend

Schadensbegrenzung oder Strategiewechsel? Während bisher kaum Details der milliardenschweren Conti-Übernahme durch Schaeffler an die Öffentlichkeit gedrungen sind, wirft die fränkische Firmenchefin nun offenbar alle Prinzipien über Bord: Sie gibt Interviews in der Boulevardpresse. Eine notwendige Konsequenz der bisherigen defensiven Kommunikationspolitik? Ja, sagt impulse-Redakteur Alexander Mayerhöfer.

Niemand, der einigermaßen bei Verstand ist, wird einem Unternehmer vorwerfen, dass er interne Firmendaten unter Verschluss hält und über aktuelle Geschäftsvorgänge nicht in der Öffentlichkeit sprechen möchte. Das ist richtig so und funktioniert auch bestens – solange der Mittelständler nicht versucht, einen drei Mal so großen MDax-Konzern zu schlucken. In welche Misere es führen kann, wenn die eigene Kommunikation nicht mit der unternehmerischen Offensive Schritt hält, erfährt Maria-Elisabeth Schäffler gerade auf eine sehr öffentliche – und somit unangenehme – Art und Weise: per Schlagabtausch in der „Bild“-Zeitung.

Ausgerechnet in diesen Tagen, wenn in Berlin Wirtschaftsminister Glos und mehrere Ministerpräsidenten über Staatshilfen beraten, um die ins Trudeln geratene Conti-Übernahme durch Schaeffler abzusichern, muss sich die Familienunternehmerin und Milliardärin im Boulevardblatt fragen lassen, warum sie nicht ihr Privatvermögen anzapft: „Das ist Unsinn! Unser Vermögen steckt im Unternehmen.“ Und warum sie jetzt in der Krise noch Zeit habe für Gala-Abende in Kitzbühel. Gemeint ist die „Audi Night“, wo sich neben Promis natürlich auch die Vertreter der Autoindustrie treffen. Sie sei, rechtfertigt sich die Chefin des Automobilzulieferers, der Einladung eines wichtigen Kunden gefolgt, „das gehört zu meinen Aufgaben.“

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Vielleicht konnte niemand die Finanzkrise in ihrem ganzen Ausmaß vorhersagen. Dass ein Unternehmen und seine schillernde Chefin aber in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken und genau beobachtet werden, wenn sie sich so aus der Deckung wagen, liegt auf der Hand. Mit der Verschwiegenheit des Mittelständlers kommt man hier nicht mehr weit. Wer eine offensive Kommunikationsstrategie verfolgt, dem bleiben auch solche peinliche Fragen erspart.

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