Diverses Frauen führen Deutschland

Der etwas andere Merkel-Effekt: Nie zuvor sind so viele Frauen in Spitzenpositionen emporgestiegen, die bisher allein Männern vorbehalten waren, wie in der Zeit, in der sich Angela Merkel aufmachte, erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der Bundesrepublik zu werden.

In Nordrhein-Westfalen wählte die SPD-Fraktion Hannelore Kraft zu ihrer Vorsitzenden. Das hatte es bis dahin selbst im liberalen NRW in 60 Jahren nicht gegeben. Und nach den Wahlen im Mai machte der Landtag mit der CDU-Politikerin Regina van Dinther zum zweiten Mal eine Frau zu seiner Präsidentin.

Viele der neuen Chefinnen in den einflussreichen Positionen werden vor allem für Unternehmer eine wichtige Rolle spielen. Ganz sicher gilt dies für Heike Maria Kunstmann, die seit April als neue Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall einen der letzten Männerorden der Wirtschaftslobby für weibliche Führungskräfte er­obert hat.

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Auch bei den Gewerkschaften kann man es als Frau mittlerweile so weit bringen. Die IG-Metall-Spitze wünscht sich jetzt die frühere saarländische Arbeitsministerin Regina Görner als zweite Frau im Vorstand. Offiziell werden das die beiden Chefs, Jürgen Peters und Berthold Huber, im September absegnen. Und auch die Justiz zeigt sich mutig. Neue Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts ist die streitbare Juristin Ingrid Schmidt.

Der Siegeszug weiblicher Autoritäten macht auch vor der Kirche nicht Halt: Seit Mai steht der Landeskirche Berlin-Brandenburg eine Frau vor: Pröbstin Friederike von Kirchbach. Seit der Reformation 1535 hat es in der evangelischen Kirche noch nie eine Frau in dieser Position gegeben. Und noch mal in die Wirtschaft: Im September übernimmt Anke Schäferkordt die Führung beim Privatsender RTL – und wird damit zur mächtigsten Fernsehchefin in Deutschland.

Haben es jetzt, seit der Kanzlerkandidatur von Merkel, Frauen leichter, an die Spitze der Macht zu kommen? „Da bin ich mir unsicher“, erklärt Miriam Meckel, Publizistik- und Kommunika­tionswissenschaftlerin, einst jüngste deutsche Professorin. Meckels Fazit: „Angela Merkel hat auf ihrem Weg an die Macht das Frauenthema bewusst ausgespart. Wenn das die Voraussetzung ist, um als Frau eine öffentliche Karriere zu machen, stimmt das nicht besonders hoffnungsfroh. Denn das würde bedeuten: Pragmatische Emanzipation ist die perfekte Imitation männlicher Machtstrategien.“

Weitere Meldungen aus dem Politik-Magazin können Sie in der impulse-Ausgabe 09/2005, Seite 32, nachlesen.

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