Diverses Free-Jazz mit Rammstein

Pfingsten kann ganz schön lang sein. Und wenn Sie den ganzen Tag durch das hoffentlich sonnige Berlin gestromert sind, dann wollen Sie abends bestimmt etwas erleben. Wie wäre es mit zwei Musikveranstaltungen, die völlig unterschiedlich sind?

Mein Vorschlag: Gehen Sie am Freitag zu einem Konzert des Ex-Free-Jazzers Archie Shepp und lassen Sie sich am Samstag von den teutonischen Brachialrockern Rammstein beschallen. Warum sollten Sie sich so unterschiedliche Musikgenres antun, werden Sie jetzt fragen.

Ganz einfach: Sie wollen doch auch nicht ihr ganzes Leben lang nur Bananen essen. Spätestens am dritten Tag wollen Sie auch mal einen Apfel oder was auch immer. Mit Ihren musikalischen Gewohnheiten sollten Sie es ganz genauso halten: Nur in der Abwechslung liegt das wahre Vergnügen. Ein besonders Schlauer hat mal gesagt: Wer sich nur für eine einzige Sache interessiert, hat auch davon keine Ahnung! Also weiten Sie Ihren Horizont: Hören Sie sich mal etwas an, was die ausgelatschten Bananen – Entschuldigung Bahnen – ihres Musikverständnisses verlässt.

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Falls Sie Rammstein bislang doof fanden: Dumm ist diese Musik bestimmt nicht. Gut – der Faschismusvorwurf steht immer noch im Raum. Trotzdem haben die Bandmitglieder damit wenig zu tun. Was natürlich nicht ausschließt, dass es Fans gibt, die die Texte des Sextetts in den falschen Hals bekommen. Von den Musikern selbst gibt es ganz andere Bekenntnisse. So heißt es zum Beispiel im Song „Links, 2 3 4“: „Wir marschieren, aber wir sind links, absolut klar bekennend links.“ Wie auch immer – gehen Sie einfach mal zu einem Konzert der Tanzmetal-Veteranen. Die Atmosphäre, die dort herrscht, ist – wenn man sich darauf einlässt – ziemlich beeindruckend. Lachen sollten Sie aber nicht: Das verstört die Hardcore-Fans der Band.

Bei der Jazz-Legende Archie Schepp können Sie überhaupt nichts falsch machen – zumal der ehemalige Avantgardist schon lange wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist. Heutzutage spielt er jede Menge Klassiker von „In a Sentimental Mood“ bis „Lush Life“. Dabei klingt sein Tenorsaxophon immer noch so energiegeladen und voluminös wie in den vergangenen Jahrzehnten. Free-Jazz-Einlagen bringt er nur ganz kurz – damit will er lediglich das Publikum ein bisschen erschrecken. Um aber den Bogen zu Rammstein zu schließen. Shepp sagte schon 1965 in einem „Down Beat“-Interview: „I’m an anti-fascist artist“.

Rammstein

21., 22. und 24. 05.2010 um 20 Uhr in Berlin auf der Kindl-Bühne Wuhlheide

Archie Shepp

21.5. 2010 um 19.30 Uhr in Berlin im Kammermusiksaal der Philharmonie

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