Diverses Friedenspfeife

Bonusprogramme oder Verbote? Auf welche Weise Unternehmer das Streitthema Rauchen richtig anpacken.

Der Firmenchef genießt die frische
Luft: „Ohne Qualm ist das Arbeitsklima
in unserem Unternehmen
jetzt viel besser“, sagt Werner Maiwald,
Geschäftsführer der BUS Elektronik
GmbH. Vom Streit zwischen
Rauchern und Nichtrauchern hatte
der Unternehmer aus Riesa die Nase
voll. Jedem Nichtraucher versprach er
deshalb zwei zusätzliche Urlaubstage
im Jahr.

Das Angebot zeigte Wirkung:
Rauchten vor zehn Jahren noch 40
Prozent seiner 700 Beschäftigten, liegt
die Quote heute unter drei Prozent.
Für die verbliebenen 15 Raucher hat
er zwei abgetrennte Bereiche eingerichtet:
verglast wie ein Aquarium, ohne Sitzmöbel und mit dem Charme einer Gefängniszelle.

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Zwar sorgt derzeit in den meisten
Betrieben kaum ein anderes Thema
für so viel Streit in der Belegschaft wie
das Rauchen. Doch viele Mittelständler
trauen sich nicht so recht an das
heiße Eisen heran. Sie scheuen den
Konflikt mit den Rauchern oder auch
die Kosten einer solchen Aktion.
Dabei verfügen Firmenchefs über viel
Spielraum im Kampf gegen den blauen
Dunst. Von separaten Raucherzimmern
bis zum Verbot ist vieles
möglich. Welche rechtlichen Fragen
Unternehmer dabei zu beachten haben,
erklärt Benedikt Buchner, Jurist
für Gesundheits- und Medizinrecht
an der Universität Bremen.

Verlockende Angebote

„Ein generelles Rauchverbot im Betrieb
ist sicher die effektivste und
kostengünstigste Lösung“, erklärt
Rechtsexperte Buchner von der Uni
Bremen. Allerdings: In vielen Firmen
weiß die Raucherfraktion solche Verbote bislang zu verhindern. Anders
als in Großunternehmen mit umfassendem
Gesundheitsmanagement ist
bei kleineren Firmen der Raucherschutz
abhängig von der Anzahl der
Raucher in der Chefetage oder dem
Betriebsrat.

Die meisten Unternehmer verfolgen
deshalb die Strategie: wenig
Peitsche, viel Zuckerbrot. So erklärte
Tomislav Bucec, Chef der Laserline-Druckerei, seinen 120-Mann-Betrieb
zur glimmstängelfreien Zone. Seine
zwölf Raucher schickt er vor die Tür.
„Wer rauchen will, muss auf die Straße
gehen“, entschied er. Gleichzeitig
versprach er allen Mitarbeitern, die
nicht rauchen, Vergünstigungen.
Diese Kollegen erhalten eine monatliche
Prämie von 100 Euro, Azubis
bekommen die Hälfte. Im Gegenzug
müssen sie schriftlich versichern,
auch in der Freizeit ihre Lungen zu
schonen.

Die konsequente Haltung
rechnet sich für den Betrieb, denn
Raucher kosten Geld. Sie sind im
Schnitt 30 Prozent häufiger krank als
ihre abstinenten Kollegen und verursachen
der Firma jährlich Zusatzkosten
von rund 1.040 Euro pro Kopf.

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Auch Maiwald hat seine Großzügigkeit
nicht bereut: „Statt rauchende
Mitarbeiter zu bestrafen, belohnen
wir lieber die Nichtraucher mit den
zusätzlichen Urlaubstagen.“ Bilanz
seiner Strategie: Die Krankenquote im
Unternehmen beträgt drei Prozent
und liegt damit sogar unter dem niedrigen
Bundesdurchschnitt von knapp
vier Prozent. Es gibt keine Produktionsausfälle
durch Raucherpausen. Und der Betriebsfrieden ist gesichert, weil das Reizthema keine Rolle mehr
spielt. „Da geben wir gerne 150.000
Euro im Jahr für unser Nichtraucherprogramm
aus“, sagt der Firmenchef. Allerdings: Geld zu verschenken hat Maiwald nicht. Und so achtet er bereits bei der Einstellung darauf, keine
neuen Raucher ins Haus zu holen.

Auch in anderen Unternehmen
ist der Griff zur Zigarette für viele Mitarbeiter inzwischen ein Verlustgeschäft. So bekommen rauchende Angestellte
des Dresdner „Holiday Inn“
den regulären Tariflohn. Ihre mittlerweile
55 nicht rauchenden Kollegen
erhalten zehn Prozent mehr. Seit
Einführung vor zwei Jahren haben
20 Hotelkräfte dem Glimmstängel abgeschworen.
Wem es schwerfällt, dem
bezahlt das Haus sogar den Entwöhnungskurs.
„Die Raucherpausen kosten uns
zehn Prozent der Arbeitszeit“, ermittelte
Geschäftsführer Johannes Lohmeyer,
„das wiegt den Lohnzuschlag
doppelt und dreifach wieder auf.“ Inzwischen
wurde das Modell auf die
übrigen Häuser der Macrander-Gruppe ausgedehnt.

Explizit an die Nachwuchsgeneration
richtet sich das Vorhaben von
Senfhersteller Develey. „Wir wollen
Lehrlingen den Einstieg in eine nikotinfreie Zukunft erleichtern“, sagt Geschäftsführer Michael Durach. Seinen
34 Azubis machte der Unterhachinger
Löwensenf-Produzent das Angebot,
bei Verzicht den Arbeitnehmeranteil
der Sozialversicherung zu übernehmen.
95 Prozent stimmten zu und
bessern heute mit mehr als 100 Euro
ihren Monatslohn auf.

Unternehmer, denen solche Lösungen
auf Dauer zu teuer oder zu
kompliziert sind, setzen auf einmalige
Aktionen. So wie Eberhard Strunk,
Chef eines Siegburger Ingenieurbüros.
Vor einigen Jahren machte er
seinen acht paffenden Mitarbeitern
den Ausstieg mit einer Prämie von
rund 500 Euro schmackhaft . „Nach
zwei Jahren hatte ich keine Raucher
mehr“, freut sich Strunk.

Kompliziert wird es allerdings,
wenn der Chef selbst den Aschenbecher
füllt. Dann sind hartnäckige Mitarbeiter
nötig, die sich trauen, den
Mund aufzumachen. Dem Pharmahändler
Bernd-Michael Jörß setzte
seine forsche Sekretärin laufend zu:
„Essen Sie doch die Zigaretten gleich
auf, das geht schneller“, provozierte
sie den Hamburger Kettenraucher.
Jörß gab irgendwann entnervt auf
und reduzierte seine Tagesration von
100 Stück auf null. Unter den Rauchern
seiner 40 Mitarbeiter hinterließ
die Aktion einen nachhaltigen Eindruck.
Inzwischen verzichten fast alle
auf Nikotin und Teer.

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