Diverses Für einen guten Zweck: Spendable Chefs

Für einen guten Zweck: Spendable Chefs

Für einen guten Zweck: Spendable Chefs

Vier von fünf Unternehmen interessieren sich nicht nur für Umsatz und Profit, sondern engagieren sich auch gemeinnützig. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Überraschend: Kleinere Firmen sind im Vergleich großzügiger. Lesen Sie, wieso Gemeinsinn so wichtig für Unternehmen ist.

Feine Kunstausstellungen, große Entwicklungshilfeprojekte oder medienwirksamer Sport – wenn deutsche Großkonzerne etwas fördern, dann darf es ruhig ein bisschen teurer sein. Der Lohn: viel Aufmerksamkeit in den Medien und ein besseres Image bei Kunden und Geschäftspartnern. Doch bei aller Großherzigkeit geben sich die Konzerne vergleichsweise kleinkariert. Eine aktuelle Studie des Bonner Institut für Mittelstandsforschung zeigt: Während Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter gerade einmal 0,05 Prozent ihres Umsatzes einem guten Zweck zuführen, sind Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten mehr als viermal so spendabel. Sie geben im Schnitt knapp über 0,2 Prozent ihres Umsatzes für gemeinnützige Aktivitäten aus.

Von Spende bis Stiftung

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Unter dem Stichwort „Corporate Citizenship“ (etwa: das Unternehmen als Bürger) engagieren sich in Deutschland vier von fünf Unternehmen für soziale Zwecke. Das heißt: Sie betätigen sich nicht nur wirtschaftlich, sondern versuchen zudem, in ihrem Umfeld gesellschaftlich nützliche Aktivitäten zu fördern. Das Spektrum reicht von der einfachen Spende für das Deutsche Rote Kreuz bis zur millionenschweren Kunststiftung.

Wie die Bonner Studie zeigt, setzen die Unternehmer gemeinnütziges Engagement durchaus strategisch ein: Knapp 80 Prozent der Befragten wollen damit vor allem ihr Image pflegen, etwa 72 Prozent gesellschaftliche Verantwortung dokumentieren. Vor allem mittelständische Unternehmen versprächen sich von den eigentlich uneigennützigen Aktionen Werbung für ihre Produkte und bessere Beziehungen zu den Kunden und nicht zuletzt auch den Mitarbeitern.

Gemeinsinn mit Eigensinn verbinden

Ein Beispiel: die mittelständische Firma Vaude, Hersteller von Outdoor-Bekleidung in Tettnang am Bodensee. Auf Betreiben des Firmenchefs Albrecht von Dewitz hat das Unternehmen eine Kindertagesstätte auf dem Betriebsgelände eingerichtet. Vaude übernahm die Kosten für den Bau, die Inneneinrichtung und den laufenden Betrieb. Nur noch die Personalkosten müssen von Land und Gemeinde getragen werden.

Natürlich steht auch hinter dieser gemeinnützigen Einrichtung ein betriebswirtschaftliches Interesse: In einer Region ohne Arbeitslosigkeit ist es äußerst wichtig, jungen Müttern nach der Babypause eine Kinderbetreuung anzubieten, wenn man diese Mitarbeiterinnen nicht verlieren will. Aber der Firmenchef sieht das Kinderhaus auch als Teil eines breiter angelegten sozialen Engagements seiner Firma – und die Belegschaft dankt es ihm.

Die Wissenschaftler bestätigen, dass „Corporate Citizenship“ ein wichtiges Instrument ist, um gegenüber Mitarbeitern und Kunden Glaubwürdigkeit zu erlangen und Kooperationsbereitschaft zu signalisieren. Um diesen Effekt nutzen zu können, sollte, wer sich nicht auf informelle Kanäle verlassen kann, seine Aktivitäten über eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit publik machen.

Die beliebteste Form des gemeinnützigen Engagements ist die Geld- und Sachspende mit einem Anteil von über 80 Prozent, gefolgt von kostenlosen Diensten und Mitarbeiterfreistellungen beispielsweise für ehrenamtliche Aufgaben. Weit abgeschlagen ist derzeit noch das Gründen einer Stiftung, wohl auch wegen des komplizierten Steuer- und Vertragsrechts und des dafür notwendigen Kapitals.

Die meisten gemeinnützigen Aktivitäten von Firmen haben die Bonner Wissenschaftler im Bereich Soziales verzeichnet. Danach kommen Kultur und Bildung, Sport, Wissenschaft und zuletzt Umwelt.

Mehr Informationen im Netz:

Link zu Start Social – bundesweiter Wettbewerb zur Förderung sozialer Ideen und Projekte auf Initiative der Wirtschaft unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzlers

Center for Corporate Citizenship – Arbeitsbereich Unternehmen und Gesellschaft an der Universität Eichstätt. Interdisziplinäres Zentrum zur Erforschung und Gestaltung von Projekten unternehmerischen bürgerschaftlichen Engagements.

Stiftung&Sponsoring – Fachzeitschrift zu steuerlichen und rechtlichen Aspekten

Initiative Freiheit und Verantwortung des BDI, BDA und DIHK mit Unternehmenswettbewerb (Einsendeschluss 15. August 2002)

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