Diverses Fußballfieber am Arbeitsplatz

Kein Ereignis bewegt die Nation in diesem Jahr so sehr wie die Fußball-WM. Auch an den Unternehmen geht die Mega-Veranstaltung nicht spurlos vorbei. Arbeitgeber sollten sich bereits im Vorfeld mit ihren Angestellten aktiv mit der Thematik "WM am Arbeitsplatz" auseinandersetzen.

Die Fußball-WM in Deutschland gleicht einem Jahrhundertereignis. Es ist nicht zu erwarten, dass Chefs und Arbeitnehmer von heute noch mal in den Genuss kommen werden, dieses Mega-Event im eigenen Land zu erleben. Das runde Leder zieht während der WM nicht nur Fans in den Stadien in seinen Bann – der Großteil der Deutschen wird die WM im TV verfolgen. Die Hightlight-Spiele finden abends statt, aber auch tagsüber gibt es viele sportliche Duelle zu sehen.

Eingefleischte Fußball-Fans haben ihren Urlaub für die WM längst eingereicht, um dem Ereignis ausgiebig frönen zu können. Wie viel Fußball ist aber für jene Mitarbeiter erlaubt, die für die Firma in dieser Zeit unentbehrlich sind – oder aber ihren Jahresurlaub anderweitig nutzen möchten?

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„Urlaub darf immer nur nach Genehmigung durch den Arbeitgeber angetreten werden. Eine Selbstbeurlaubung durch den Arbeitnehmer ist selbst bei so einem Ereignis nicht drin“, erklärt Rechtsanwalt Michael Felser, Spezialist für Arbeitsrecht. Nach dem Bundesurlaubsgesetz sind die Interessen der Belegschaft zwar vorrangig, worauf sich Mitarbeiter bei der Durchsetzung des Urlkaubsantrags berufen könnten. Aber die betrieblichen Belange müssen genauso berücksichtigt werden. Um einem Mitarbeiter den Urlaub zu verweigern, sind allerdins nur dringende betriebliche Gründe zulässig.

Fernsehen lässt sich nicht grundsätzlich verbieten

Die wenigsten Arbeitgeber können während der Spielbegegnungen allen Mitarbeitern gleichzeitig frei geben. Wenn die anwesenden Mitarbeiter dennoch unbedingt fernsehen möchten, kann der Chef es nicht grundsätzlich verbieten. Wenn das Fernsehgerät klein ist, niemand belästigt wird und die Spiele verfolgt werden, ohne die eigene Arbeit zu vernachlässigen, kann der Chef dies rechtlich gesehen nicht verbieten. „Auch Radio hören am Arbeitsplatz ist nicht verboten, so lange der Mitarbeiter seine Arbeit korrekt erledigt“, so Felser zu einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes.

Darüber hinaus kann der Arbeitgeber wenig ausrichten, wenn ein Angestellter an Spieltagen als arbeitsunfähig krankgeschrieben wird und dann ins Stadion geht. „Die Amtsgerichte haben klargestellt, dass der Besuch eines Fußballspiels, selbst eine Ordnertätigkeit, kein genesungswidriges Verhalten darstellt“, so Felser. „Es berechtigt den Arbeitgeber nicht zu einer Kündigung.“

Sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmerseite macht es Sinn, sich früh über die Modalitäten des WM-Genusses zu verständigen. So sollte der Arbeitgeber während der WM durchaus ein Auge zudrücken und sich gegenüber seiner Belegschaft großzügig zeigen. „Es bringt ja nichts, wenn die Mitarbeiter während der Spielbegegnungen unmotiviert am Arbeitsplatz sitzen“, spricht Hans Landwehr, Managing Director der Tro Sound and Music GmbH den wichtigen Aspekt der Mitarbeiter-Motivation an.

Das knapp 20 Mitarbeiter zählende Musikproduktions-Unternehmen aus Düsseldorf richtet sogar eine Art WM-Studio ein. „Dort kann jeder Mitarbeiter die WM-Übertragungen während der Arbeitszeit verfolgen. Bei den Spielen der Nationalmannschaft werfen wir sogar den Grill auf unserer Terrasse an.“ Damit möchte der Mitinhaber des Musiklabels seinen Angestellten etwas zurückgeben: „Ein Geschenk an unsere Angestellten. Niemand soll bei uns auf das gesellschaftliche Erlebnis WM verzichten müssen.“

Chance zur Förderung des Betriebsklimas

Selbstverständlich kommt es immer auf die individuellen Gegebenheiten im Betrieb an, ob ein Arbeitgeber so großzügig sein kann. Hier sind zahllose Möglichkeiten denkbar, wie das Beispiel des Speiseeisherstellers Roseneis in Heinsberg zeigt.

Der Familienbetrieb, der für Handelsmarken Eiscreme herstellt und in der Hauptsaison bis zu 440 Arbeitskräfte beschäftigt, wird sogar in der maschinellen Produktion Fernseher aufstellen. „So kann sich die Belegschaft im Rotationsverfahren immer wieder über aktuelle Zwischenstände informieren“, erklärt Geschäftsführer Dr. Gotthard Kirchner. „Das haben wir uns gemeinsam mit den Schichtleitern ausgedacht. Das gilt, so lange die Schichtleistung nicht nachlässt.“ Bei aller Großzügigkeit behält er die Sicherheit der Mitarbeiter im Auge: „Niemand darf durch die WM von der Arbeit abgelenkt werden.“

In welchem Umfang ein WM-Erlebnis am Arbeitsplatz möglich ist, hängt vor allem von der Tätigkeit des Arbeitnehmers ab. Berufsgruppen wie beispielsweise Fluglotsen oder Chirurgen werden in ihrer Dienstzeit ohne König Fußball auskommen müssen. Auch können Lastwagenfahrer kaum während einer Fahrt sowohl Straßenverkehr als auch mobilen Fernseher im Auge behalten.

Wenn es die Tätigkeit allerdings zulässt, sollte das Unternehmen seinen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, die WM am Arbeitsplatz zu verfolgen. Denn so ein Event ist eine gute Möglichkeit, ganz nebenbei etwas für das Stimmung im Unternehmen zu tun. Dies ist auch das Credo von Udo Ogrodowski, Inhaber und Geschäftsführer des mittelständischen Kupplungs- und Bremsenherstellers Magneta bei Hameln: „Was die Arbeitszeit angeht, drücken wir bei der WM ein Auge zu. Mit solchen Aktionen halte ich das Betriebsklima hoch.“ Seine knapp 60 Mitarbeiter wird das freuen: Sie sind bei dem Jahrhundertereignis live dabei.

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